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Landkreis Dillingen

24.06.2019

Der Landkreis Dillingen wappnet sich gegen die Hitze

Ein Fußbad soll die Bewohner im Gundelfinger Haus der Senioren bei der Hitze abkühlen. Im Foto übernimmt das Selin Konca, Schülerin zur Pflegefachkraft.
Bild: Jakob Stadler

Wie Erzieher in Mörslingen Sonnenstiche verhindern, Pfleger in Gundelfingen Zimmer kühl halten und Dillinger sowie Wertinger Schulen zum Thema hitzefrei stehen.

Na, ist Ihnen warm? Dann machen Sie sich auf etwas gefasst! Der Wetterbericht für die kommenden Tage sagt steigende Temperaturen voraus. Am Dienstag wird wohl die 30-Grad-Marke geknackt, am Mittwoch soll es im Landkreis sogar bis zu 34 Grad warm werden. Wer an seine Schulzeit zurückdenkt, erinnert sich an diese wohl schönsten Tage der Kindheit und Jugend: Wenn die Durchsage ertönt, dass der Unterricht verkürzt wird. Laute Jubelrufe hallten durch das Klassenzimmer, schon am Mittag ging es an den See, ins Freibad oder an die Eisdiele – passiert das auch diese Woche?

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In der Bonaventura-Realschule in Dillingen wird es diese Woche kein hitzefrei geben. „Es gibt da praktisch keine Regelung für die Schulen“, erklärt Schulleiter André Deppenwiese – ob es hitzefrei gibt oder nicht, liegt im Ermessen der Schulleitung. Und diese Woche sei es nicht möglich. Die Schüler stecken mitten in der Prüfungsphase – hitzefrei würde bedeuten, dass Schulaufgaben ausfallen würden. Am Mittwoch geht auch die Abschlussprüfung der Realschüler los. An diesem heißesten Tag findet ausgerechnet die längste Prüfung statt, im Fach Deutsch. „Wir sind auf diesen Prüfungstag festgelegt, da kommen wir nicht aus“, bedauert Deppenwiese. Die Schule versuche, das Zimmer trotz der Hitze angenehm zu temperieren. „Wir sind früh da und lüften durch“, erklärt der Schulleiter – am Morgen ist die Luft noch nicht ganz so drückend heiß. Auch Ventilatoren kommen zum Einsatz. Die Schule habe „langjährige Erfahrung“ mit diesem Problem – denn obwohl die Prüfungszeit von den Pfingstferien abhängt, irgendwie erwischen die Realschulen ständig besonders heiße Tage für ihre Abschlussprüfungen. Eine generelle Absage an hitzefrei ist das aber nicht. „Nach dem Notenschluss machen wir das“, erklärt Deppenwiese. Der sei etwa Anfang oder Mitte Juli – wenn dann wieder Temperaturen wie in dieser Woche erreicht werden, können sich die Bona-Schüler auch mal ab 12.10 Uhr in abkühlende Freizeitbeschäftigung stürzen.

An der Montessori-Schule gibt es nie hitzefrei - aber Unterricht im Freien

An der Montessori-Schule in Wertingen gibt es hingegen nie hitzefrei. „Andere Leute arbeiten auch, wenn es heiß ist“, erklärt die Geschäftsführerin der privaten Volksschule, Sonja Spiegler. Ein früherer Schulschluss wäre in der Montessori-Schule recht kompliziert, weil das Einzugsgebiet größer ist, als bei öffentlichen Schulen. Deshalb ist der Anteil der Kinder, die weite Strecken mit dem Bus fahren müssen, höher als bei anderen Grundschulen. „Und die Eltern arbeiten ja“, sagt Spiegler – die wenigsten Kinder könnten also abgeholt werden. Trotzdem reagiert die Schule, wenn es so heiß wird, wie angekündigt. „Wir haben Ventilatoren in den Klassenzimmern“ – besonders in den Räumen im obersten Stockwerk der Südseite werde es richtig heiß. Gut haben es da die Schüler, die im Rahmen des „Grünen Klassenzimmers“ auch draußen unterrichtet werden. „Wir haben ein paar Stellen im Garten, wo es kühler ist“, sagt Spiegler. Dorthin ziehen sich die Klassen zurück. „Leid tun uns die Schüler, die jetzt noch Prüfungen haben“, sagt sie. „Das ist hart. Aber das Leben ist manchmal hart.“ Und auszuhalten sei es schon.

Der Landkreis Dillingen wappnet sich gegen die Hitze

Die Mörslinger Kindergartenkinder kommen auch im Container klar

Wie kühl es im Inneren bleibt, hängt stark von der Bausubstanz ab. Deshalb beneidet wohl kaum jemand die Kindergartenkinder der Wiesengruppe in Mörslingen – die sind aktuell in einem Container untergebracht. Aber ist das Mitleid berechtigt? „Wir haben eine Klimaanlage“, sagt Leiterin Natalia Eschey. Die Leute würden denken, dass so ein Container bei der Hitze problematisch ist – aber das sei nicht der Fall. „Wir sind sehr zufrieden. Das ist wie ein modernes Gebäude.“ Innen ist es also angenehm temperiert für die Kinder – und dafür, dass sie auch die Hitze draußen gut überstehen, sorgen die Erzieherinnen. „Am Mittwoch und am Donnerstag planschen wir“, sagt Eschey. Dafür werden Wannen knöcheltief mit Wasser gefüllt, sodass die Kinder sich abkühlen können. Natürlich sollen die Kleinen viel trinken, außerdem gibt es im Garten genügend schattige Plätze. Trotzdem passen die Erzieherinnen den Tagesablauf an. „Wir gehen früher raus und spätestens um 11.30 Uhr wieder rein – so sind die Kinder währen der Mittagshitze im klimatisierten Container.“

Wie das Haus der Senioren in Gundelfingen mit der Hitze umgeht

Klimaanlagen und Ventilatoren sind im Haus der Senioren nicht unproblematisch. „Die älteren Menschen frieren leichter und viele haben mit dem Zug ein Problem“, erklärt die stellvertretende Einrichtungsleiterin Claudia Ruf-Hegele. Droht eine Erkältung, ist das im Altenheim gefährlich. Klimageräte gibt es, diese stehen aber in einigem Abstand zu den Bewohnern. Deshalb setzt die Einrichtung vor allem auf richtiges Lüften. Alle Mitarbeiter werden erinnert, tagsüber die Fenster zu schließen und die Rollläden herunterzuziehen, erklärt Ruf-Hegele – nachts wird gelüftet. Dadurch bleibt es verhältnismäßig kühl. „Und wir erinnern daran, verstärkt auf die Getränkezufuhr zu achten“, erklärt Ruf-Hegele. So wird mehr Obst gereicht, auch kalter Tee, damit die Bewohner genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. In der Nacht achten die Pfleger darauf, dass die Bewohner nicht zu dick zugedeckt sind. „Und wir machen kalte Fußbäder“, sagt die stellvertretende Einrichtungsleiterin. Die Mitarbeiter arbeiten auch mit nassen Wickeln oder kühlen die Arme der Bewohner mit Wasser. Die Hitze würde ihnen schon zusetzen – deshalb wurde auch ein Ausflug abgesagt, erklärt Ruf-Hegele. Eigentlich sollte es am Donnerstag mit dem Bus nach Ulm gehen – das ist beim aktuellen Wetter nicht möglich.

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