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Neujahrsempfang

08.01.2018

Dillingen feiert seine Einheit

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Knapp 500 geladene Gäste kamen zum Neujahrsempfang in den Dillinger Stadtsaal. Dort zog Oberbürgermeister Frank Kunz Bilanz über die Eingemeindung der Stadtteile Hausen, Donaualtheim, Fristingen, Kicklingen, Schretzheim und Steinheim.

Vor 40 Jahren wurden fünf Dörfer in die Kreisstadt eingemeindet. Oberbürgermeister Frank Kunz erinnert beim Neujahrsempfang an einstige Befürchtungen. Mit dem damaligen Kicklinger Rathauschef hat er Gesprächsbedarf

Josef Dannemann ist einer von sechs Dillingern, die beim Neujahrsempfang am Freitagabend für ihr jahrzehntelanges, ehrenamtliches Engagement geehrt werden. Der heute 79-Jährige steht auch exemplarisch für das Thema des Festakts, den knapp 500 geladene Gäste im Stadtsaal verfolgen. Es geht beim Neujahrsempfang um die Gemeindegebietsreform, die vor 40 Jahren Donaualtheim, Fristingen, Kicklingen, Schretzheim und Steinheim zu Dillingen führte. Hausen war bereits 1972 zur Großen Kreisstadt gekommen. Dannemann war bis 1978 Kicklinger Bürgermeister. „Anfangs gab es Hakeleien, aber die Eingemeindung war ein Glück für Kicklingen“, sagt der einstige Rathauschef im Rückblick. Die damals anstehenden Projekte hätten den heutigen Dillinger Stadtteil aufgefressen, glaubt Dannemann. Der „Dorfpoet“, so erinnert Oberbürgermeister Frank Kunz bei der Auszeichnung des 79-Jährigen mit dem Bürgerbrief, hat auch viele Gedichte verfasst. In einem Werk lobt er die Gemeindegebietsreform als Segen. „Bei Dillingen – ganz ungelogen – sind wir bis heut’ gut aufgehoben. Man kann es sehen so und so, die Große Kreisstadt hat Niveau“, reimte der Kicklinger.

Beim Neujahrsempfang blickt Kunz auch auf 2017 zurück. Neben den Entscheidungen zur Ansiedelung einer Fachoberschule und des Hauses der Wirtschaft in Dillingen sei der Brand des Rathauses das einschneidendste Ereignis des vergangenen Jahres gewesen. Die Kreisstadt sei dadurch aber noch enger zusammengerückt, eine Welle der Solidarität sei nach diesem 26. Juli spürbar gewesen. Und immer wieder war, wie Kunz erinnert, von „unserem Rathaus“ die Rede. Bei der Anteilnahme und Verbundenheit habe es jedenfalls keinen Unterschied zwischen der Kernstadt und den sechs Stadtteilen gegeben. Kunz zitiert einen 40 Jahre alten Donau-Zeitungs-Artikel mit Befürchtungen, wonach der 1. Mai 1978 „den Abschied von unserer Stadt in ihrer gewachsenen Form“ bringen werde. Aber auch die Worte des einstigen Schretzheimer Bürgermeisters Alois Keis: „Bleibt im Herzen Schretzheimer und werdet gute Bürger Dillingens.“ Kunz wiederholt die positive Bilanz, die sein Vorgänger Hans-Jürgen Weigl bereits vor zehn Jahren gezogen hat. „Nur durch die Eingemeindungen eröffneten sich (für Dillingen) neue Perspektiven.“

Das Erfolgsrezept der gelungenen Eingemeindung liege in dem Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit begründet. Anstatt spurlos im Stadtgebiet aufzugehen, habe jeder der sechs Dillinger Stadtteile durch das Engagement vieler Bürger für das Gemeinwohl seine eigene Identität behalten. Kunz sagt: „Jeder Stadtteil ist eine Bereicherung für unsere Heimat.“ Es bewahrheite sich hier eine Erkenntnis des griechischen Philosophen Aristoteles: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Für Kunz steht fest: „Wir sind eine Einheit.“

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Beim Empfang spielt die Stadtkapelle Dillingen unter der Leitung von Marie-Sophie Schweizer auf. Bei brillant vorgetragenen Stücken wie der Annen-Polka von Johann Strauß ist es fast ein kleines Neujahrskonzert. Die Repräsentanten des öffentlichen Lebens, unter ihnen die Landtagsabgeordneten Georg Winter und Johann Häusler, Bezirksrat Johann Popp und IHK-Vizepräsident Walter Berchtenbreiter, spenden reichlich Beifall. Für Kurzweil sorgt wiederum die Ehrung des Kicklingers Josef Dannemann. Denn der wollte, wie beim Vortrag seiner Vita zu erfahren ist, zunächst gar nicht Bürgermeister werden. Der Landwirt hatte damals zunächst wissen lassen, dass er nebenher als Planierraupenfahrer gutes Geld verdiene und deshalb als Rathauschef nicht zur Verfügung stehe. Als Kunz mit einem Augenzwinkern zu Dannemann sagt, er müsse sich mit ihm mal unterhalten, was denn ein Planierraupenfahrer verdient, ruft dies Festredner Karl Michael Scheufele auf den Plan. Er sieht die Schlagzeile vor sich: „Oberbürgermeister Kunz wird Planierraupenfahrer.“

Scheufele bekommt viel Applaus, denn er hält seine Festrede kurz. Er zeigt sich überrascht, dass ihm Kunz an diesem Tag noch keinen Förderantrag über ein paar hunderttausend Euro in die Hand gedrückt habe. Und erinnert daran, dass die Regierung von Schwaben mit dem einstigen Hochstift früher seinen Sitz in Dillingen hatte. Die kommunale Gebietsreform in Bayern habe eines nicht verändert – die Identifikation mit dem eigenen Dorf, sagt Scheufele. Deswegen sagen wohl viele Dillinger heute, dass sie aus Hausen, Donaualtheim, Fristingen, Kicklingen, Schretzheim und Steinheim kommen. Gegen diese Verbundenheit spreche nichts. „Gleichzeitig beruht der enorme Erfolg Bayerns nicht nur, aber auch auf der Gebietsreform vor 40 Jahren“, betont der Regierungspräsident. Damals seien kommunale Strukturen gelegt worden, die bis heute den Anforderungen und Ansprüchen der Bürger gerecht werden.

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