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Bissingen

13.01.2020

Ein Meisterwerk der Freskomalerei in Buggenhofen

Das Bild zeigt die beiden Emporen mit sechs Gemälden von Johann Baptist Enderle. Das Kirchlein in Buggenhofen feiert in diesem Jahr 550-jähriges Jubiläum.
Bild: Helmut Herreiner

Plus Vor 250 Jahren schmückte Johann Baptist Enderle die Wallfahrtskirche Buggenhofen aus. Nun steht das 550-jährige Wallfahrtsjubiläum an. Ein Rückblick in eine spannende Geschichte.

Nicht weniger als 25 Fresken und Gemälde des genialen Meisters Johann Baptist Enderle aus Donauwörth zieren die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Buggenhofen. Allein 13 dieser Fresken enthalten Szenen aus dem Leben der Gottesmutter, die anderen zwölf beinhalten Symbole und Bilder, die mit ihren lateinischen Inschriften an die Tugenden Mariens erinnern. Zufall ist es keiner, dass Enderle – und mit ihm auch der Stukkateur Laurentin Hieber aus Neresheim – genau vor 250 Jahren mit der künstlerischen Ausgestaltung der Wallfahrtskirche in dem kleinen Ort im Hahnenbachtal beauftragt wurde. In den Jahren 1769/70 bereitete man sich auf das 300-jährige Jubiläum der Marienwallfahrt vor, die im Jahr darauf, 1771, zum größten Fest werden sollte, das man im Kesseltal je gesehen hatte.

Mehr als 10.000 heilige Kommunionen

Eine Woche lang wurden Messen und Festgottesdienste fast rund um die Uhr gefeiert und es wurden den Berichten nach mehr als 10.000 heilige Kommunionen gespendet. Doch zurück in die Jahre 1769/70: Damals wurde Buggenhofen vom etwa acht Kilometer nordwestlich gelegenen Kloster Mönchsdeggingen aus seelsorgerisch betreut. Abt Michael Dobler war es ein großes Anliegen, die bis dahin spätgotisch geprägte Wallfahrtskirche Buggenhofen im Rokokostil zu renovieren, um das 300-jährige Weihejubiläum gebührend feiern zu können.

Die Marienwallfahrtskirche in Buggenhofen.
Bild: Helmut Herreiner

Um die Malerarbeiten bewarben sich Johann Anwander aus Lauingen, Aloys Schweigländer aus Wallerstein und eben Johann Baptist Enderle. Letzterer gilt zwar heute als einer der bedeutendsten Rokokomaler im schwäbisch-oberbayerischen Raum, erhielt damals aber den Auftrag vor allen Dingen deswegen, weil er der billigste Bewerber war. Der Meisterschaft des am 15. Juni 1725 in Söflingen bei Ulm geborenen und in Günzburg sowie Augsburg ausgebildeten Künstlers tat dies keinen Abbruch.

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Werke in mehr als 50 Kirchen

Im Jahr 1753 übersiedelte Johann Baptist Enderle nach Donauwörth und arbeitete bei dem dort ansässigen Künstler Johann Benedikt Reißmüller, dessen Witwe er nach dem Tode des Meisters heiratete. Werke von Enderle finden sich in mehr als 50 Kirchen, Klöstern und Pfarrhöfen von Füssen bis Mainz. In der Region trifft man auf christliche Darstellungen unter anderem im Kloster Heilig Kreuz in Donauwörth, in Mönchsdeggingen, Genderkingen, Fünfstetten, Mündling und Sulzdorf, in der Herrgottsruhkapelle zwischen Dillingen und Lauingen, in Gundelfingen, Scheppach oder Wettenhausen.

Die Kunstgeschichte rühmt an Enderles Malstil die harmonische Verflechtung seiner persönlichen Ideen mit der Maltradition der Augsburger Schule sowie seine harmonischen Farbkompositionen in meist zarten und doch leuchtenden Pastelltönen, vornehmlich in den verschiedenen Nuancen der Farben Blau, Rot und Ocker. Genau dies prägt auch seine Werke in der Marienwallfahrtskirche Buggenhofen und hat wohl auch seinen Auftraggeber, Abt Michael Dobler, überzeugt. Enderle konnte sich hier, nicht allzu weit weg von seinem Wohnort Donauwörth, künstlerisch verwirklichen und den Chor, das Langhaus, die beiden seitlichen Beichtkapellen, die südliche Vorhalle und nicht zuletzt die beiden Emporenbrüstungen gestalten. Blickfang im Chor ist dabei das zu Ehren des Kirchenpatroziniums gestaltete große Gemälde „Maria Himmelfahrt“, umgeben von den in sechs Kartuschen gefassten Allegorien der Tugenden Mariens, die damit allen Pilgern und Besuchern der Kirche als Vorbild dienen soll. Das Hauptfresko im Langhaus, das große Teile des Tonnengewölbes einnimmt, zeigt in eindrucksvoller Weise die Verehrung Mariens durch die vier Erdteile Europa, Afrika, Amerika und Asien. Hier erscheinen in sechs seitlichen Nebenkartuschen Frauengestalten, die ebenfalls den Tugend- und Gnadenreichtum der Gottesmutter symbolisieren.

In Donauwörth beerdigt

Über der Treppe im Eingangsbereich hat Johann Baptist Enderle in einem Gemälde die Anbetung des Jesuskindes auf dem Schoß Marias durch die Hirten dargestellt. Von den meisten der Gläubigen, die dem Innenraum der Kirche zustreben, nicht beachtet, ist dieses Bildnis deshalb bemerkenswert, weil es rechts unten den Namenszug des Künstlers trägt und damit das einzige signierte Enderle-Werk in Buggenhofen ist. Auch nach dem Ende seiner Schaffenszeit in Buggenhofen war Johann Baptist Enderle unermüdlich weiter tätig. Sein letzter großer Auftrag führte ihn in die Kirche „St. Ulrich und Afra“ in Graben südlich von Augsburg. Hier erlitt er bei einem Unfall einen Beinbruch, der nur schlecht verheilte und der ihn stark beeinträchtigte. Nach dem Tode seiner Frau im Jahr 1795 heiratete er ein Jahr später im Alter von 71 Jahren nochmals. Am 15. Februar schließlich erlag er einem schweren Gehirnschlag und wurde in Donauwörth beerdigt.

Im Vorraum der Kirche ist die Anbetung der Hirten dargestellt.
Bild: Helmut Herreiner

Was bleibt, ist das Fazit, welches vor mehr als zwei Jahrzehnten Hans Habermann, der langjährige Redaktionsleiter der Donauwörther Zeitung und hervorragende Kenner der Werke Johann Baptist Enderles zog: „Wer immer sich zu Enderle auf die Reise macht, kann sich der Faszination seiner Werke kaum entziehen!“ Das gilt insbesondere für all die Kunstwerke, die der Meister in Buggenhofen hinterließ.

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