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Bachtal

02.05.2019

Hätte es in Syrgenstein eine Maibaumwache gebraucht?

In der Nacht zum 1. Mai sägten Unbekannte den Maibaum in Syrgenstein um. Der Stamm zerbrach in mehrere Einzelteile. In der Folge gibt es Diskussionen, ob eine Wache den Baum hätte beschützen müssen.
Bild: Steiner

In Syrgenstein haben Unbekannte den Maibaum zerstört. Mancher sagt: Der Baum hätte beschützt werden müssen. Andere finden: Die Täter haben eine Grenze überschritten.

Der Maibaum in Syrgenstein stand nicht lange. Nur wenige Stunden, nachdem das Schmuckstück am Vorabend des 1. Mai neben der Bachtalhalle aufgebaut wurde, kamen Unbekannte und sägten den Baum um. Der Stamm zerbrach in mehrere Teile. Der Maibaum kann nicht mehr aufgerichtet werden. Syrgenstein muss nun den Mai ohne einen Maibaum verbringen. Wir berichteten bereits: Unbekannte sägen den Maibaum in Syrgenstein um

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Kontroverse Diskussionen um Maibaum von Syrgenstein auf unserer Facebook-Seite

Auf der Facebook-Seite der Donau-Zeitung löste die Meldung kontroverse Diskussionen aus. Es geht um die Frage, ob das Absägen des Baums in der Mainacht hätte verhindert werden können. „Ist zwar schade. Find ich nicht gut. Aber wo war die Maibaumwache?“, lautet ein Kommentar. Eine Nutzerin schreibt: „Das ist Brauch. Wer auf seinen Baum in der Mainacht nicht aufpasst, der hat Pech gehabt.“ Doch es gibt auch andere Meinungen. „Brauchtum hin oder her, aber umsägen geht gar nicht“, lautet ein Kommentar. Dieser Ansicht ist auch ein anderer Nutzer. „Entführen und durch Auslöse wieder zurückgeben ... alles gut“, schreibt er. „Aber zerstören geht mal gar nicht. Das ist Respektsache gegenüber denen, die ihn hergestellt haben und der Gemeinde.“

 

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Bürgermeister Bernd Steiner weiß: Bezüglich des Brauchtums um die Maibaumwache gibt es unterschiedliche Auffassungen. Er ist der Meinung: „Sobald ein Baum steht, sollte er auch stehen bleiben.“ Zumal es für ihn auch um die Sicherheit geht. Immerhin brauchten die Täter wohl eine Leiter, um den Stamm über dem zweieinhalb Meter hohen Schutzband abzusägen. „Das hätte ganz dumm ausgehen können.“

Maibaum von Syrgenstein: 50 Freiwillige haben daran mitgearbeitet

Volker Stegmayer ist Zweiter Kommandant der Feuerwehr Syrgenstein und damit einer der Verantwortlichen für das Maibaumaufstellen. Er betont, dass hinter dem geschmückten Baum etwa zwei Tage Arbeit steckten. Rund 50 Freiwillige haben daran mitgewirkt, darunter auch Schüler und Kindergartenkinder. In der Mainacht sei er etwa bis Mitternacht bewacht worden. So, wie die vergangenen Jahre auch. „Bisher ist nie etwas passiert“, sagt Stegmayer. Einmal sei der Baum vor dem Aufstellen entführt worden. Dass sich Unbekannte aber an dem aufgerichteten Stamm zu schaffen machen, sei in der Gemeinde noch nicht vorgekommen. „Wenn er steht, dann steht er eigentlich.“

Die Syrgensteiner haben nicht mit einem solchen Vorfall gerechnet. Zumal es sich, wie Stegmayer betont, nicht um irgendeinen Baum in einem Privatgarten, sondern um den Gemeindebaum handelte. „Das ist etwas Besonderes“, sagt der Feuerwehrkommandant. An diesem Baum würden viele Freiwillige mithelfen, er solle der ganzen Gemeinde zugutekommen – als Dorfbrauchtum. Dass nun dieser Gemeindebaum zerstört wurde, sei umso ärgerlicher.

Feuerwehr-Kommandant von Syrgenstein: Muss man heutzutage auf alles aufpassen?

Nach dem Vorfall habe man überlegt, kurzfristig noch einmal einen Baum zu stellen. „Wir haben uns dagegen entschieden“, sagt Stegmayer. Die Beteiligten wollen sich nun überlegen, ob sie in der Mainacht im kommenden Jahr ihren Baum länger im Auge behalten wollen. „Wenn es sein muss, dass wir den Baum beschützen müssen, um ihn zu erhalten, dann ist es so“, sagt Stegmayer.

Er stellt etwas resigniert fest: „Vielleicht muss man heutzutage einfach auf alles aufpassen.“ Gerade im Bachtal gab es zuletzt diverse Fälle von Vandalismus. Unbekannte entwendeten etwa Ortsschilder rund um Syrgenstein oder wüteten auf dem Barfußpfad in Bachhagel.

Die Polizei spricht von Sachbeschädigung am Maibaum von Syrgenstein

Auch in diesem Fall handelt es sich um eine Straftat. Das Umsägen eines stehenden Maibaumes ist Sachbeschädigung, erklärt Katharina von Rönn, Sprecherin der Polizei Dillingen. „Sobald ein Baum steht, hat man nichts mehr daran zu ändern.“ Dann sei er offiziell quasi „unantastbar“. Im Gegensatz dazu steht das „Verziehen“ der Bäume, also das Entführen vor dem Aufstellen und Zurückgeben gegen eine Auslöse. Dies zähle als Brauchtum. Im vorliegenden Fall sind die Täter bislang unbekannt.

Lesen Sie auch: Freinacht: Unbekannte sägen den Maibaum in Syrgenstein um

 Was in Sachen Maibaum erlaubt ist und was nicht

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02.05.2019

Aha, die Maibäumler haben also damit gerechnet, dass der Baum auch aufgestellt "entführt ..." werden könnte und haben deshalb Wache gehalten - leider nur bis Mitternacht, und das hatte die geschilderten Konsequenzen. Da kann man zwar jammern, aber gerichtlich klagen ist wohl nicht angemessen. Hoffentlich sieht das das Gericht auch so. Übrigens: Es war immer schon üblich einen Baum vor dem Ersten Mai zu "verziehen...", egal, ob aufgestellt oder gelagert.
Streiten könnte man mE über die Frage, ob absägen/sprengen/umreißen/abnagen (mittels dressierter Biber...) erlaubt ist. ;)
Aber Wehleidigkeit ist in jedem Falle kein Brauch!

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