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Buttenwiesen

17.02.2020

Jedes Wasser hat seinen eigenen Preis im Zusamtal

Der Wasserpreis wird zum größten Teil nach dem Wasserverbrauch errechnet.
Bild: DPA

Plus In Buttenwiesen steht ab Januar 2021 eine Erhöhung an. Das hängt nicht nur mit dem geplanten neuen Hochbehälter zusammen – ein Vergleich mit Wertingen. Und wie gut ist das Wasser aus der Leitung grundsätzlich?

1,54 Euro kostet der Kubikmeter Trinkwasser derzeit in der Gemeinde Buttenwiesen. Ab kommendem Januar wird der Preis auf zwei Euro ansteigen. Das hat der Gemeinderat bereits im vergangenen Jahr beschlossen. Damit wird die Gemeinde sich preislich von der Stadt und Verwaltungsgemeinschaft Wertingen abheben. Doch setzt sich der Wasserpreis aus Trink- und Abwasserpreis zusammen. Wie sieht es damit aus? Wie wird der Preis ermittelt? Und welche Qualität hat das Wasser im Zusamtal? Diesen Fragen wollen wir nachgehen.

Mineralien im Leitungswasser

Zwei Euro, die Erhöhung um rund ein Drittel, klingt erst einmal viel. Das weiß auch Bürgermeister Hans Kaltner. Gleichzeitig weist er darauf hin, was die Menschen für zwei Euro bekommen: „Wir reden von 1000 Litern Trinkwasser.“ Rechne man das um auf gewöhnliche gekaufte Wasserflaschen mit einem Inhalt von 0,7 Litern, komme man auf mehr als 1400 Flaschen. „Und wir haben Wasser, das besser kontrolliert ist als jedes gekaufte Wasser“, sagt Kaltner. Gleichzeitig vermutet er allerdings: „Im Leitungswasser stecken nicht so viele Mineralien wie im Mineralwasser.“

Hat er damit recht? Ein erster Blick geht auf die Homepage der Stiftung Warentest. Dort heißt es unter anderem: „Mehr Mineralstoffe in manchem Trinkwasser als in natürlichem Mineralwasser.“ Wer stilles Mineralwasser kaufe, wolle etwas Besseres als Leitungswasser. „Aber längst nicht jedes Flaschenwasser erfüllt diese Erwartungen.“ Das stellt die Stiftung Warentest 2019 beim Test von 32 stillen Mineralwässern fest. Stille Wässer, heißt es dort, seien anfällig für Keime. „In jedem zweiten Wasser fanden sich unerwünschte Keime, mehr oder weniger erhöhte Gehalte an kritischen Stoffen, Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Industrie.“

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Werte des Wassers in Buttenwiesen

Um konkrete Angaben zu bekommen, schlägt Bürgermeister Kaltner die aktuellen Untersuchungswerte des Buttenwiesener Wassers auf. 164 Werte stehen auf der Auswertung. Darunter auch Kalzium und Magnesium. Mit 59,9 und 19,0 Milligramm pro Liter weist Buttenwiesens Trinkwasser Werte auf, die sich manchen Mineralwässern durchaus annähern.

Gut genug für ein gesundes Wasser? Cornelia Stadlmayr, Schulleiterin der Hauswirtschaftsschule am Wertinger Amt für Landwirtschaft, bringt es auf den Punkt: „Wasser ist eine Geschmacksfrage.“ Bei der Auswahl komme es ganz darauf an, unter welchem Aspekt man das Wasser sehe: „Von den Kosten ist Leitungswasser unschlagbar“, beginnt Stadlmayr aufzuzählen. „Praktisch ist es ebenfalls, und geschmacklich auch nicht verkehrt.“ Einfluss nehme ihren Erfahrungen nach auch der Wohnort. Und das bezieht sich nicht nur auf Brunnen und Hochbehälter, aus dem das Trinkwasser kommt, sondern auch auf die Leitungen vor Ort. Beim Umzug in das Haus in Tapfheim stieg Stadlmayr persönlich ganz schnell auf gekauftes Wasser um. Die Rohre in ihrem Haus waren neu, das Wasser schmeckte nicht. Heute trinkt sie wieder mit Vorliebe auch zu Hause Leitungswasser. „Es ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland.“

Im Gespräch mit Wertinger Ernährungsexpertin

Und die Mineralien? „Der Mineraliengehalt im Wasser spielt in der Regel eine untergeordnete Rolle, das meiste bekommen wir durch unsere Ernährung“, sagt Stadlmayr. Am Ende des Gesprächs räumt die Ernährungsexpertin noch mit dem gängigen Gerücht auf, dass Leitungswasser aus Abwasser gewonnen werde: „64 Prozent kommen aus natürlichen Quellen wie Grundwasser, 27 Prozent aus Oberflächenwasser wie Flüssen und Seen, neun Prozent sind reines Quellwasser.“

Wasser ist somit nicht gleich Wasser, und schon gar nicht auf der Wasserrechnung, die derzeit in den Briefkästen der einzelnen Haushalte liegt. Hier fällt zunächst die Aufteilung in den Wasserverbrauch und das Abwasser auf. 1,38 Euro kostet derzeit ein Kubikmeter Trinkwasser, das vom Wasserwerk Wertingen kommt. Zwei Cent weniger, nämlich 1,36 Euro, wird für das Wasser der Kugelberggruppe berechnet, zu der neben Binswangen, Zusamaltheim und Laugna unter anderem die Wertinger Stadtteile Hirschbach, Hohenreichen, Possenried, Prettelshofen, Rieblingen, Hettlingen und Roggden gehören. Dafür ist die Grundgebühr der Kugelberggruppe höher als beim Wasserwerk Wertingen. In der Gebühr enthalten sind Zählermiete und sieben Prozent Mehrwertsteuer.

Abwassergebühr in Wertingen

Dazu kommt in der Stadt Wertingen sowie allen Stadtteilen die gleiche Abwassergebühr. Und die liegt derzeit bei 2,30 Euro pro Kubikmeter. „Sie hängt nicht vom Wasserversorger, sondern von der Kläranlage ab“, erklärt der Wertinger VG-Verwaltungsleiter Dieter Nägele. In der Regel hätten die Haushalte eine einzige Wasseruhr. Das heißt: Soviel Wasser aus der Leitung fließt, so viel Kubikmeter sind auch an Abwasser zu zahlen.

Gesplittete Abwassergebühren gibt es seit drei Jahren dagegen in der Gemeinde Buttenwiesen. Hier werde seitdem unterteilt in eine Einleitungsgebühr für Schmutzwasser und eine Niederschlagsgebühr für Regenwasser, erklärt Carmen van der Vegt. Sie ist bei der Gemeinde Buttenwiesen zuständig für die Wasserabrechnungen. Während die Einleitungsgebühr – derzeit 2,19 Euro pro Kubikmeter – sich weiterhin nach dem Wasserverbrauch richtet, hängt die Niederschlagswassergebühr von versiegelten Grundstücksflächen und der Versickerung von Regenwasser ab.

Neuer Hochbehälter für Buttenwiesen

Der Abwasserpreis wird in der Gemeinde Buttenwiesen erst mal so bleiben, wie er ist, erklärt Bürgermeister Kaltner. Er hängt mit dem Betrieb der Kläranlage zusammen. Der Wasserpreis dagegen richtet sich nach den Kosten bei der Wasserversorgung. Im Sommer 2015 wurde der Hochbehälter Lauterbach saniert. Jetzt steht der Bau eines neuen Hochbehälters in Oberthürheim an (Fast vier Millionen Euro für sauberes Wasser in Buttenwiesen). Er soll zugleich den Buttenwiesener Hochbehälter ersetzen, der laut Kaltner ebenfalls langsam sanierungsbedürftig ist. „Alle Ausgaben der Wasserversorgung müssen wir komplett auf den Wasserpreis umlegen“, erklärt Kaltner die Gesetzeslage. Dazu gehören auch die neuen Wasserleitungen, die im Rahmen der Sanierungen der Ortsdurchfahrten in Buttenwiesen und Oberthürheim verlegt werden. Alles Maßnahmen, um ein sauberes Trinkwasser zu gewährleisten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von WZ-Redakteurin Birgit Alexandra Hassan:

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