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Dillingen

12.11.2017

Mit der Dillinger Polizei auf Streife

Atilla Süral (links) und Willi Janta sind beide Polizeiobermeister bei der Polizeiinspektion in Dillingen. Sie arbeiten im Streifendienst und sind Tag und Nacht im Einsatz. Dazu zählt auch, dass sie im Landkreis an neuralgischen Punkten Präsenz zeigen.
Bild: Simone Bronnhuber

Eine Nachtschicht mit den Dillinger Polizisten Atilla Süral und Willi Janta.

Schon kurz nach dem Ortsschild sind die Buben zu sehen. Zwei von ihnen rennen panisch davon, ein Dritter bleibt verängstigt stehen. In der Hand hält er eine Klopapierrolle, die er zuvor mit seinen Freunden über die Obermedlinger Hauptstraße zwischen zwei Leitpfosten gespannt hatte. Atilla Süral lässt die Scheibe seines Autos herunter und mustert den Knaben, dem es die Sprache verschlagen hat. „Was macht ihr da? Das muss doch nicht sein. Räumt es wieder weg – aber passt auf der Straße auf“, sagt der Polizeiobermeister mit ruhiger, aber bestimmender Stimme. Der Junge nickt, entschuldigt sich kleinlaut und räumt sofort alles auf. „Das sind einfache Einsätze“, sagt Süral lachend und lenkt das Fahrzeug um das Gebäude am Ortseingang herum. Auf der Rückseite stehen die zwei anderen Buben an einer Hauswand und blicken im Scheinwerferlicht des Polizeiautos stumm auf den Boden. „Macht’s keinen so ’nen Schmarrn, Jungs. Aufpassen!“, ruft der 25-jährige Polizist durch das offene Fenster. Sein Kollege Willi Janta, der vorne neben ihm sitzt, schmunzelt. „Kinder halt. Aber das ist noch harmlos.“ Es ist kurz nach 21 Uhr an diesem Dienstagabend. Seit knapp drei Stunden sind die beiden Polizisten der Inspektion Dillingen im Einsatz. Bis 6.30 Uhr am nächsten Morgen kümmern sie sich um alles, was in dieser Nacht anfällt. Süral und Janta sind im Streifendienst tätig. Fast alle Polizisten durchlaufen in ihrer Karriere diesen Schichtdienst.

24 Stunden, sieben Tage die Woche sind sie im Einsatz. Da kommt einiges zusammen, wie Wolfgang Trittner, der Dienstgruppenleiter in dieser Nacht ist, erzählt. „Im Streifendienst lernt man die Polizeiarbeit kennen. Das ist das Herzstück der Inspektion. Es ist sehr abwechslungsreich, aber auch sehr anspruchsvoll.“ Das sei unter anderem der „Vollkasko-Haltung“ der Bürger geschuldet. Die Erwartungen seien sehr hoch. Natürlich sollten die Bürger anrufen, „aber es wäre schön, wenn sie sich dann auch mal was sagen lassen würden“. Die Leute würden nicht mehr miteinander reden. „Aber genau das machen wir auch – und der Landkreis ist groß.“ Seit 1983 ist Trittner in Dillingen, seit 17 Jahren Dienstgruppenleiter. Er schickt die Kollegen zu den Einsatzorten, koordiniert und überwacht alles, was in seiner Schicht anfällt. „Ich habe heute noch Herzklopfen, wenn ich rausfahre. Man weiß nie, was einen erwartet.“

Atilla Süral und Willi Janta stehen am Anfang ihrer Karriere. Aber: „Der Respekt gegenüber uns wird immer weniger.“ Dennoch mache ihnen die Arbeit, speziell der Streifendienst, viel Spaß. „Man hat den direkten Kontakt zu den Menschen, und denen will man ja helfen“, sagt der 28-jährige Janta. Kollege Süral ergänzt: „Man bekommt eine andere Sicht auf die Welt. Wir haben eine andere Perspektive.“ Dass es dabei auch gefährlich für sie werden kann, ist immer im Hinterkopf. Die Gefahr ist ihnen bewusst. Angst haben sie aber nicht. „Ich wollte von klein an immer schon zur Polizei“, sagt Willi Janta. Dass heute Nacht sein Partner der drei Jahre jüngere Atilla Süral, den alle „Ati“ rufen, ist, ist Zufall. „Wir haben ein flexibles Schichtmodell. Jeder kann sich eintragen, wie es passt, und deshalb gibt es keine festen Partner mehr wie früher“, so Janta. Im Schnitt habe jeder Polizist so im Monat sechs bis zehn Nachtschichten. „Mir macht das nichts aus. Man gewöhnt sich daran“, sagt er.

Mit der Dillinger Polizei auf Streife

In diesem Moment ist erst ein kurzes Piepsen, dann ein Rauschen und schließlich eine weibliche Stimme durch das Funkgerät zu hören. Eine Kollegin ist mit ihrem Partner ganz in der Nähe – sie suchen eine Person, die mit einem dunkeln Umhang und angeblich mit einem Beil in der Hand in Echenbrunn unterwegs ist. Kurzerhand beschließen die zwei Polizeiobermeister, die Suche zu unterstützen. Vergeblich. Ihre Fahrt geht weiter nach Lauingen. Sie machen einen Abstecher zu der Diskothek, drehen eine Runde durch die Innenstadt und werfen einen Blick zum Bahnhof – neuralgische Punkte in der Mohrenstadt. „Wir wissen, wo sich wer aufhält. Wir zeigen Präsenz, das hilft. Wir reden viel“, so Süral.

In einer kleinen Seitengasse in Lauingen stoppt das Duo und beobachtet den Verkehr. Es ist mittlerweile spät am Abend. Ein dunkles Auto braust vorbei – etwas zu schnell. Der Fahrer, ein 18-jähriger Fahranfänger, muss sich einer allgemeinen Verkehrskontrolle unterziehen. Der junge Mann wirkt nervös, er steckt die Hände in seine Hosentasche. Nein, getrunken habe er nichts, er habe auch noch nie Drogen genommen. „Das ist eine Lüge“, sagt Atilla Süral und schaut ihm tief in die Augen.

Der 18-Jährige zögert kurz, knickt ein und gibt zu, dass er hin und wieder mal kiffe. „Aber jetzt schon lange nicht mehr. Ehrlich.“ Nachdem Verbandskoffer und Warndreieck vorhanden waren, die üblichen Vorschriften solch einer Kontrolle ordnungsgemäß eingehalten waren, lassen ihn die Polizisten weiterfahren. „Ich merke, wenn jemand lügt. Ich habe ihm geglaubt, dass er aktuell nichts mit Drogen am Hut hat. Trotzdem ist jedes Auto ein Überraschungsei. Es gibt nichts, was man nicht sieht“, sagt Süral und schmunzelt. Die schwierigsten Einsätze, so erzählen die Polizisten, sind schwere Unfälle, im schlimmsten Fall mit Todesfolge. „Es ist nicht leicht, einer Mutter zu sagen, dass ihr Sohn gerade tödlich verunglückt ist. Das tut weh“, sagt Süral, und Janta sagt: „Im ersten Moment arbeiten wir unsere Liste ab, später beginnt für uns die Verarbeitung. Wir sind auch nur Menschen und wollen niemandem etwas Böses.“

Alle Einsätze kommen per Funk direkt von der Integrierten Leitstelle aus Augsburg. Der Dienstgruppenleiter vor Ort kennt oft mehr Details und koordiniert die Kollegen auf Streife. Alles muss genau dokumentiert und der nächsten Schicht hinterlassen werden. „Also selbst wenn es mal eine ruhige Schicht gibt, dann haben wir genug zu tun. So ist es normal, dass wir nachts um vier auch Einsatzberichte schreiben“, erklärt Willi Janta. In dieser Nacht ist es ruhig – zumindest aus Sicht der Polizisten. Zurück in der Dienststelle berichten sie Trittner. „Geht schon was, aber nichts Außergewöhnliches“, sagt Janta knapp. Trittner lächelt und erwidert: „Abwarten.“ " Diese Woche

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