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Unterliezheim

01.02.2019

Pfarrer, Schuldekan, Kämmerer und Ehrenbürger

Das Bild zeigt Pfarrer Josef Bartl im Jahr 1937.
Bild: Helmut Herreiner (Repro)

Pfarrer Josef Bartl betreute 38 Jahre lang die beiden Pfarreien Unterliezheim und Oberliezheim. An ihnerinnert Pfarrer-Bartl-Straße in Unterliezheim.

„Straßen und ihre Namen“ heißt eine Serie unserer Zeitung. Dabei spüren wir der Geschichte von Straßen in unserem Landkreis nach.

Das Pfarrdorf Unterliezheim, heute ein Ortsteil der Gemeinde Lutzingen, wurde mit seinem Kloster erstmals im Jahr 1026 als Liedesheim urkundlich erwähnt. 1250 tauchte dann zum ersten Mal auch der Ort selbst in einer Urkunde auf. Rund 700 Jahre später lebte in Unterliezheim ein Pfarrer, der sich neben der seelsorgerischen Betreuung der Gläubigen der Nachbarpfarreien Unterliezheim und Oberliezheim auch der Geschichte der beiden Orte und ihrer Bewohner mit großer Akribie und Leidenschaft widmete. Josef Bartl, am 13. Dezember 1911 in Pähl südlich des Ammersees geboren, absolvierte seine Gymnasialzeit in Neuburg und Dillingen und legte sein Abitur am Johann-Michael-Sailer-Gymnasium ab.

Bartl studierte in Dillingen

Nach dem Abitur zog er lediglich ein Haus weiter, denn er studierte ebenfalls in Dillingen im Priesterseminar St. Hieronymus. Wieder nur einige Schritte weiter erhielt er im Juni 1937 die priesterliche Weihe von Bischof Joseph Kumpfmüller. Nach seiner Primizfeier im Heimatort Pähl am 4. Juli 1937 lauteten die weiteren Stationen Burgheim, Uffing am Staffelsee und St. Konrad in Augsburg, ehe Pfarrer Bartl im Juni 1940, im zweiten Kriegsjahr, seinen Seelsorgedienst in Unterliezheim antrat. Jahrelang war er hier nicht nur als Priester von Unter- und Oberliezheim tätig, sondern auch als Schuldekan und als Kämmerer. Nicht verwunderlich ist es somit, dass ihn die Gemeinde Unterliezheim zu seinem 60. Geburtstag im Dezember 1971 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde auszeichnete. Auch der Krieger- und Soldatenverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Pfarrer Bartls große Verdienste neben der kontinuierlichen Seelsorgetätigkeit bestanden unter anderem in der Durchführung der Außenrenovierung der ehemaligen Klosterkirche und des Turmes in Unterliezheim.

Als Mitte der neunziger Jahre das Baugebiet im Westen Unterliezheims erschlossen wurde, benannte man eine Straße nach Pfarrer Josef Bartl.
Bild: Helmut Herreiner

Glocken für Ober- und Unterliezheim

Nach dem Kriegsende 1945 gelang es ihm, die große Glocke der Pfarrkirche zurückzubekommen und zwei weitere Glocken zu beschaffen. Auch für Oberliezheim konnte er ein neues Kirchengeläut anschaffen. Immer interessiert war der Geistliche an der Geschichte der beiden Orte, für die er zuständig war. Schon 1942 verfasste er eine Ortsgeschichte von Oberliezheim, die Alois Zengerle später ergänzen und veröffentlichen konnte. Für Unterliezheim erstellte Josef Bartl einen Kirchenführer und schrieb auch hier bis 1961 eine Ortsgeschichte nieder, die ebenfalls als Basis für die wertvollen Forschungen von Alois Zengerle dienen konnten.

1962 erkrankte Pfarrer Bartl schwer, musste häufig das Bett hüten und hatte immer größere Mühe, seinen seelsorgerischen Aufgaben nachzukommen. Nach seinem Tod am 29. Juni 1978 fand er seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Unterliezheim, das ihm zur zweiten Heimat geworden war. „Pfarrer und Kammerer im Ruhestand“, so stand es auf seinem Sterbebild zu lesen. Im Jahre 1996 schließlich wurde in Würdigung seiner Verdienste um den Ort und im Gedenken an ihn eine Straße im neuen Baugebiet nach Pfarrer Bartl benannt. (HER)

Im Rahmen unserer Straßenserie bisher erschienen:

Dillingen:

Eine Gasse für den Seelenfrieden

Die Königstraße trug schon viele Namen

Der Galgen vor der Stadt Dillingen

Wertingen:

Fritz Carry im Herzen von Wertingen

Lauingen:

Diese Straße wurde aus dem falschen Grund so genannt

Wittislingen:

Doch nicht „arm“

Der unehrliche Schinder

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