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Höchstädt

05.07.2019

So lieben Bienen Ihren Garten oder Balkon

Wie finden Bienen den Weg in Ihren Garten oder auf Ihren Balkon? Der Experte weiß es.
Bild: dpa/Symbolfoto/Gregor Fischer

Plus Alle reden von Artenvielfalt – aber was bedeutet das für den eigenen Garten oder Balkon? Ein Experte erklärt's, im Höchstädter Lehrgarten.

Na klar, im Kreislehrgarten in Höchstädt landet sogar ein Marienkäfer auf der Kamera. Zitronenfalter, Wildbienen, Hummeln, alle sind da (und mitunter im Haar). Das ist es, was den Menschen fehlt, deswegen haben so viele beim Volksbegehren Artenvielfalt unterschrieben. So einen Flugverkehr wollen viele im Garten haben. Und der Kreisfachberater für Obst und Gartenbau, Manfred Herian, erklärt, wie es geht.

Erstmal den Humus weg

Tipp für den Vorgarten: Schaffen Sie den Humus aus dem Beet. Das Ziel ist ein magerer, kiesiger Boden, gerne ein richtig schlechter. Stauden drauf, mit Kies mulchen, fertig. „Seit fast drei Jahren haben wir dieses Beet, es macht uns fast keine Arbeit. Unkraut kann sich im Kies kaum festsetzen. Man braucht auch keine Folie mehr“, wirbt Herian.

Manfred Herian
Bild: Antonie Schiefnetter

An der Sonne entsteht mit Berg- und Goldaster, Kartäusernelke, Zittergras, Ochsenauge, Thymian, der pfirsichblättrigen oder der bärtigen Glockenblume auf dem bunten Kies die blühende Alternative zur Steinwüste. Das Ziel sei eine Blüte von März bis September.

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Knallbunt und pflegeleicht: Aus dieser Fläche wurde der Humus komplett entfernt, durch einen schlechten Boden ersetzt und mit Kies gemulcht. Hier fühlen sich Stauden wie Zittergras, Ochsenauge, Glockenblume oder Thymian wohl. Eine Plastikfolie muss man nicht einziehen. Und auf dem Kies kann sich Unkraut nur schlecht festsetzen. Dieses Bild entstand im Kreislehrgarten in Höchstädt.

Auch Steppensalbei und Lavendel seien „unglaublich bienenfreundlich“. Schönes Beispiel: die Ortsdurchfahrt von Mödingen mit der Blumenmischung Bayern Silbersommer. Für jeden Standort gibt es laut Herian die richtige Staudenmischung. „Wichtig ist ein richtig schlechter Boden. Diese Stauden wollen es trocken.“

Ahorn, Eiche, Esche, Ulme, alle leiden unter dem Klima. Und jetzt?

Ideen für den Garten „Die Esche stirbt, die Ulme auch und der Ahorn wird von der Rußrindenkrankheit bedroht“, sagt der Experte. Welchen Baum kann man überhaupt noch pflanzen? Als Gehölze empfiehlt Herian einheimische Arten wie Kreuzdorn, Vogel- oder Mehlbeere, Kirsche, Birne, „einfach alles an Obst“. Unsere Apfelbäume halten dem Klima hervorragend stand – sie sind eng mit Sorten aus Kirgistan und Südkasachstan verwandt. Dort bilden Apfel- und Walnussbäume gewaltige Wälder. Weder eiskalte Winter noch trockene Sommer haben ihnen etwas an.

Kreislehrgarten Höchstädt, Himbeeren.
Bild: Cordula Homann

Wer’s kleiner mag: Auch Him-, Brom- oder Heidelbeeren sowie Rosen sind erstklassig für Insekten geeignet. Im schattigen oder halbschattigen Bereich fühlen sich dagegen etwa die Akelei, das Salomonsiegel, Buschwindröschen, Leberblümchen, Märzenbecher oder die Traubenhyazinthe wohl. Letztere sei zwar nicht einheimisch. „Aber das macht nichts, sie bildet trotzdem gute Insektenweiden.“

Aus einer Kiesgrube wurde in Höchstädt ein Insektenparadies

Ein Teil des Kreislehrgartens, eine ehemalige Kiesgrube, hat sich mit blauem Natternkopf, Eisenkraut, Knöterich und Co zu einem Insektenparadies entwickelt. Die Aussaaten würden sich sehr verändern. Herian spricht von prachtvollen Jahren und nicht so schönen. Mohn, Klee und Johanniskraut hätten von der Trockenheit im vergangenen Jahr profitiert und seien deswegen heuer so massiv gewachsen. Das giftige Jakobskreuzkraut leider auch.

Der 33000 Quadratmeter große Kreislehrgarten liegt bei Höchstädt.

So eine Wiesenfläche sollte mit einer Motorsense oder einen Balkenmäher bearbeitet werden. „Mit einer Motorsense sehen Sie den Frosch oder die Eidechse im Gras noch rechtzeitig, mit einem Rasenmäher nicht.“ Achtung, vor dem Einsatz einer Sense einen Kurs besuchen.

Wichtig: Das Unkraut muss zuerst weg

Das Gemähte muss entfernt werden, damit die Böden nicht fetter werden. Ein Mähroboter sei dort hilfreich, wo man reinen Rasen will. „Etwa um den Pool herum“, nennt Herian, kein Mähroboter-Fan, ein Beispiel. Vor der Aussaat in einem Blumenbeet gibt es erst mal Arbeit: Das Unkraut muss draußen sein. „Säen Sie erst mal nichts ein und schauen Sie, was alles wächst.“ Das müsse herausgerecht werden. Dann sollte man noch mal zwei Wochen warten und abwarten, was noch wächst. „Dann graben wir die Erde wieder um. Es ist schon mit Mühe verbunden. Aber ohne Unkraut im Boden geht es sonst schief.“ Herian graut vor allem vor der Hühnerhirse, die sei das Schlimmste. Danach kann eine zum Standort passende Blumenmischung eingesät werden.

Achtung, eine Hecke wächst - nicht nur in die Höhe

Vor der Anschaffung einer Hecke sollte man auch hier unbedingt auf die Wuchsstärke der Pflanzen achten. Und den Abstand zum Nachbarn. Schönes Beispiel: die Heimbuchenhecke beim Dillinger Rewe.

Selbst auf dem Dach einer Garage können in Substraten unterschiedliche Pflanzen wie Fette Henne oder Mauerpfeffer gedeihen. Herian warnt allerdings davor, dass die Pflanzen teils viel Wasser speichern können. Deswegen sollte man unbedingt einen Fachmann fragen, damit die Garage nicht zusammenbricht. (Weniger für Bienen als fürs Auge: Mülltonnen könnten mit einem Gitter umgeben werden, daran rankt als Sichtschutz hervorragend Efeu hoch.)

Herian traut keinem Balkon – und jetzt brach auch noch in Stuttgart einer ab, wegen eines zu großen Pools (wir berichteten). Doch auf so kleinen, begrenzten Flächen, können sich Insekten wohlfühlen. Dank Zitronenmelisse oder Salbei. Tomaten, Gurken und Geißblatt würden an einem Gerüst hochgezogen sogar noch einen guten Sichtschutz zum Nachbarn bilden.

Machen Sie mit bei unserer DZ-Aktion

Sie haben auch einen tollen Garten? Dann melden Sie sich bei uns. Wir stellen den ganzen Sommer über kleine Paradiese vor. Das können auch ein Balkon, ein Winter- oder ein Schrebergarten sein. Telefon: 09071/7949-12, E-Mail an redaktion@donau-zeitung.de

Hier gibt es weitere Informationen rund um Saatmischungen

Hier gelangen Sie zur Seite des Dillinger Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege mit Informationen über den Kreislehrgarten in Höchstädt

Lesen Sie dazu auch:

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