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Landkreis Dillingen

19.06.2020

So viele Flüchtlinge haben bislang im Landkreis Dillingen eine Wohnung gefunden

Wohnungen sind im Landkreis Dillingen dringend gesucht, auch von Flüchtlingen. Katja Finger vermittelt anerkannten Flüchtlingen Wohnungen. Ihre Erfahrungen stellte sie jetzt im Sozialbeirat des Landkreises dar.
Bild: Jens Schierenbeck/dpa/tmn, Symbolbild

Plus Im Sozialbeirat stellt Wohnungslotsin Katja Finger ihre Erfahrungen in den vergangenen fünf Jahren vor. Sie vermittelt im Landkreis Dillingen Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge. Eine Gruppe hat es besonders schwer.

Die Zahlen, die Katja Finger am Montagnachmittag im Sozialbeirat des Landkreises Dillingen vorstellte, sprechen für sich. Seit fünf Jahren ist die Wohnungslotsin im Amt. Auch Landrat Leo Schrell bescheinigt ihr, sie habe „absolut erfolgreich gearbeitet“. Finger vermittelt anerkannten Flüchtlingen Wohnungen.

Wohnungslotsin listet Personenanzahl für Landkreis Dillingen auf

2015 waren es 82 Personen in 25 Wohnungen/Häuser.

2016: 230 Personen in 62 W/H

2017: 232 Personen in 87 W/H

2018: 170 Personen in 55 W/H

2019: 158 Personen in 59 W/H

2020: bislang 26 Personen in zehn Wohnungen/Häuser.

Am liebsten, so sagte die Wohnungslotsin, würden die Flüchtlinge nach Dillingen ziehen. Ansonsten in einen Ort mit Supermarkt, Schule und Zuganbindung. Derzeit leben in

Dillingen 348 Personen in 124 Wohnungen,

in Lauingen 191 in 60 Wohnungen,

in Höchstädt 118 in 52 Wohnungen,

in Gundelfingen 87 in 24 Wohnungen, in Wertingen noch weniger. „Gundelfingen ist beliebt, hat jedoch wenige Wohnungen und Wertingen fehlt die Zuganbindung“, erklärte Finger.

Wohnungslotsin erreichen auch Anfragen vom Jugendamt

Die Wohnungslotsin betonte mehrmals, dass sie nur als Vermittlerin zwischen Vermieter und Mieter auftritt. Wohnungen sucht, Ansprechpartner für alle Parteien ist, Wohnungsbesichtigungen organisiert und besucht, bei Mietverträgen und Anträgen hilft und bei Problemen zwischen Mietern und Vermietern hilft. Aber Verträge schlössen immer nur die Flüchtlinge mit den Eigentümern ab. Neben anerkannten Flüchtlingen gehören zu den Wohnungssuchenden auch Flüchtlinge mit einem ausreichenden Einkommen, oder wenn Familien nachgezogen sind. Seit vergangenem Jahr erreichen die Wohnungslotsin auch Anfragen vom Jugendamt. Das schaltet sich dann ein, wenn die Gefahr besteht, dass Familien obdachlos werden – auch deutsche.

Katja Finger: Auch die Flüchtlinge selbst packen mit an

Nicht nur Ehrenamtliche helfen der Wohnungslotsin, sei es beim Anmelden der Flüchtlinge auf der Gemeinde, bei Müll, Strom und Co. oder beim Umzug. Auch die Flüchtlinge selbst packen immer mehr mit an, sei es als Dolmetscher, Umzugshelfer, Babysitter oder Chauffeur. Zu den Vermietern gehören Menschen, die schon mal an Flüchtlinge vermietet haben, die die Wohnungslotsin kennen, ehrenamtliche Helfer und ihre Verwandten und Bekannten sowie andere Migranten. Inzwischen sucht sie auch für Familien, die ihr das Jugendamt vermittelt, Wohnungen. Aktuell suchen sieben Familien ein neues Zuhause, darunter auch deutsche. Im vergangenen Jahr konnte sie zwei Personen in eine Wohnung vermitteln, heuer bislang 21 Personen in vier Wohnungen. Inzwischen wird die Wohnungslotsin von der Diakonie Neu-Ulm in Dillingen von einer Wohnungsnothilfe unterstützt.

Wohnungsgemeinschaften haben Vorteile

Insgesamt sind seit Februar 2015 rund 300 Wohnungen und Häuser von 930 Personen angemietet worden. Darunter waren 559 Syrer, 162 Afghanen und 125 Eritreer, insgesamt 21 Nationalitäten. Unter diesen wiederum waren 203 Familien mit insgesamt 826 Personen und 104 Singles. Inzwischen können auch die bislang vom Landratsamt dezentral angemieteten Unterkünfte an einzelne Familien vermietet werden. So fanden allein im vergangenen Jahr 95 Personen in 13 Wohnungen Platz. Der Familiennachzug betraf 35 Mal Syrer, fünfmal Menschen aus Eritrea und eine Familie aus Afghanistan. Der Großteil davon reiste in den Jahren 2016 bis 2018 ein. War keine Wohnung frei, kamen sie vorübergehend im Asylheim unter. Auch WGs waren laut Katja Finger eine gute Möglichkeit, vor allem für Singles mit kleinem Budget, eine ordentliche Bleibe zu finden. In insgesamt 35 WGs wohnen aktuell 186 Menschen. Drei Frauen-WGs gibt es auch. Wer eine WG vermietete, habe zwei Vorteile: Er bekomme auf die Kaltmiete einen Aufschlag in Höhe von 30 Prozent und hat ein Sonderkündigungsrecht.

Viele anerkannte Flüchtlinge suchen weiterhin ein Zuhause

Neben den sieben Familien vom Jugendamt suchen weitere 285 Personen ein Zuhause. Sie leben, obwohl anerkannt, immer noch in Gemeinschaftsunterkünften, weil sie keinen Wohnraum finden. Unter diesen 285 so genannten Fehlbelegern sind 66 Singles, 62 Männer und vier Frauen, davon 30 aus Eritrea, elf aus Afghanistan, acht aus Syrien und 13 aus anderen afrikanischen Ländern. Darüber hinaus brauchen 13 Familien aus Eritrea, neun Familien aus anderen afrikanischen Ländern, 17 Familien aus Afghanistan und 13 Familien aus Syrien noch eine eigene Bleibe. Inzwischen hat Katja Finger weit mehr afrikanische Anfragen als syrische.

Afrikaner haben besonders Schwierigkeiten auf dem Wophnungsmarkt

Ein großes Problem sei allerdings: „Afrikaner finden schwieriger Wohnungen. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber es fällt auf.“ Weitere Schwierigkeiten: Wird einem Flüchtling gekündigt, droht aufgrund des angespannten Wohnungsmangels schnell die Obdachlosigkeit. Inzwischen gehören auch Türken zu den Suchenden und weniger zu den Vermietern. Außerdem seien Flüchtlingsfamilien oft wählerisch und wollen nur ungern aufs Dorf ziehen. Außerdem gibt es grundsätzlich viel zu wenige bezahlbare Wohnungen. Aus der Not heraus würden Flüchtlinge sogar in Bruchbuden ziehen – was die Wohnungslotsin unbedingt vermeiden will. Leicht ist das nicht, die Nachfrage sei einfach wesentlich größer als das Angebot. „Auf ein Wohnungsinserat im Internet kamen kürzlich 100 Anfragen“, berichtet Finger. Das Coronavirus hat die Wohnungsvermittlung zudem fast auf Eis gelegt. „Es gab schon Vermieter, die sind mit dem Handy durch ihre Wohnung, haben alles gefilmt und uns ein Video geschickt“, erzählte Finger ein positives Beispiel. Doch das sei Ausnahme gewesen.

Kreisrat Erich Seiler (AfD/Rep) erkundigte sich, aus welchen afrikanischen Ländern die Flüchtlinge abgesehen von Eritrea kommen. Finger sagte, es seien Anerkannte aus dem Senegal, dem Kongo, aus Sierra Leone und Äthiopien. Auf die Frage von Kreisrat Dietmar Bulling (SPD), wie viele Flüchtlinge dem Landkreis Dillingen bislang zugewiesen wurden, sagte Oberregierungsrat Peter Alefeld: rund 20. Die Zahl sei auch coronabedingt verschwindend gering, die Unterbringung kein Problem.

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