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Landkreis Dillingen

12.01.2021

So wird die Notbetreuung der Kitas im Landkreis Dillingen genutzt

Dieses Foto ist ein Symbolbild, aber die Kinderanzahl ist passend: Maximal vier Kinder sind zurzeit gleichzeitig in der Notbetreuung des Aislinger und des Gottmannshofer Kindergartens. In anderen Einrichtungen ist hingegen mehr los.
Bild: dpa (Symbol)

Plus Erzieher und eine Mutter aus dem Landkreis Dillingen berichten über die Notbetreuung in den Kindergärten.

Sonja Lorenz-Bayer ist dankbar. Die Sonderpädagogin aus Dillingen hat zwei Töchter und arbeitet zudem in Teilzeit an der Theresia-Haselmayr-Schule. Ohne die Notbetreuung ihrer Tochter Anni, vier Jahre alt, im Kinderhaus Kringelland Hausen würden sie und ihr Mann „auf dem Zahnfleisch gehen“. Wie es sich anfühlt, mit einer Grundschülerin und einem Kindergartenkind arbeitstätig zu sein, hat Lorenz-Bayer bereits im ersten Lockdown erleben müssen.

Viele Videokonferenzen und Telefonate: Töchterchen Anni habe unter der Situation gelitten. „Es war furchtbar. Man wird weder seinen Schülern noch seinen Kindern damit gerecht.“ Umso glücklicher war sie über den Anruf der Kindergartenleiterin Edith Nückel, die sie auf ihren Anspruch auf Notbetreuung hinwies. „Da ich selbst in der Notbetreuung tätig bin, ist die Situation glasklar. Trotzdem war der Anruf hilfreich und gab mir das Gefühl, als berufstätige Mutter nicht im Stich gelassen zu werden.“ Die vierjährige Tochter von Lorenz-Bayer darf also weiterhin in den Kindergarten – ganz stolz mit Pausenbrot und Flasche – gehen und sei sehr froh über den Kontakt mit Gleichaltrigen.

Dillinger Kitas sind unterschiedlich stark ausgelastet

Nicht nur Sonja Bayer-Lorenz wurde vom Kindergarten über die Notbetreuung informiert. „Wir haben alle Eltern angerufen“, sagt Edith Nückel, die außerdem Gesamtleiterin der städtischen Kitas in Dillingen ist. Sie habe nur positive Rückmeldungen auf diese Anrufe erhalten. Der intensivere Kontakt mit den Eltern soll beibehalten werden. Vereinzelt hat es laut Nückel Eltern gegeben, die ihre Kinder ohne Notlage in die Tagesstätte schicken wollten. „Wir haben alle über die Regeln aufgeklärt“, so die Leiterin der Hausener Einrichtung, die von einem Lerneffekt aus dem ersten Lockdown in Sachen Kommunikation spricht.

Bis mindestens Ende Januar gilt weiterhin die Notbetreuung in den Kindertagesstätten in Bayern. Kinder, deren Eltern die Betreuung nicht auf andere Weise sicherstellen können, insbesondere, wenn sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen müssen, haben Anspruch auf die Notbetreuung. Im Gegensatz zum ersten Lockdown ist die Systemrelevanz der Arbeit nicht von Bedeutung. In den städtischen Kindergärten Dillingens wird das Angebot auf Nachfrage unserer Zeitung sehr unterschiedlich in Anspruch genommen.

Während der Bedarf bei der Kita St. Josef am Klosterhof und dem Kinderhaus Kringelland Hausen bei jeweils rund einem Viertel der tatsächlich angemeldeten Kinder liegt, werden im Kindergarten Schlesienstraße nur rund fünf Prozent der Kinder betreut. Für die unterschiedliche Nachfrage bei der Notbetreuung der städtischen Einrichtungen hat Gesamtleiterin Nückel keine pauschale Erklärung, doch sei die Frage, wie stark die Eltern vernetzt sind, von großer Bedeutung. Im Kringelland Hausen sind zurzeit 50 der 185 angemeldeten Plätze belegt. Während die Kinder damit mehr Bezugspersonen als üblich zur Verfügung haben, gibt es doch einen großen Wermutstropfen: „Die Außenanlage darf unter diesen Umständen nicht genutzt werden.“

CO²-Ampeln und Notbetreuung in den Dillinger Kitas

Stattdessen gibt es ein neues Gerät, das die Erzieherinnen und Kinder ein wenig auf Trab hält: Die Stadt Dillingen hat alle städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen, mit sogenannten „CO²-Ampeln“ ausgestattet. Ebenso wurden für die Klassenzimmer der Mittelschule sowie der Grundschulen in der Kernstadt und in den Stadtteilen solche Geräte angeschafft. Zwei dieser Ampeln helfen im Hausener Betreuungsalltag dabei, die Qualität der Raumluft zusätzlich zu überwachen. Springt das Licht von Grün auf Gelb, heißt das: Es sollte bald gelüftet werden. Rot würde heißen: Jetzt ist es allerhöchste Zeit, die Fenster zu öffnen. Die Geräte haben sich nach einigen Tagen im Einsatz für das Kinderhaus Hausen bewährt: „Unsere Kinder sind sehr achtsam und rufen sofort, wenn bereits das zweite grüne Licht aufleuchtet.“ So wird ungefähr im Stundenrhythmus gelüftet. Die Geräte werden dauerhaft – auch „nach Corona“ – in den Räumen bleiben, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Vier Kinder in der Notbetreuung in Gottmannshofen

Das Betreuungsangebot in Wertingen wird ebenfalls unterschiedlich stark wahrgenommen. Das sagt Dieter Nägele, Leiter der städtischen Hauptverwaltung. Das liege auch an der unterschiedlichen Größe der Einrichtungen. Während im Kinderhaus Sonnenschein 20 von 140 Plätzen besetzt sind, verteilen sich je nach Wochentag bis zu vier Kinder im Kindergarten Gottmannshofen. Regina Herdin ist die Leiterin der Einrichtung im Wertinger Stadtteil. Ihr fehlen die Kinder sehr. „Es ist schon sehr ruhig hier.“ Normalerweise wuseln 25 kleine Menschen durch den eingruppigen Kindergarten. Von den Eltern hat sie am Montag einen Zettel zurückerhalten, auf dem notiert ist, an welchen Tagen eine Betreuung notwendig ist. Herdin versucht, soweit wie möglich, alltägliche Rituale beizubehalten. „Die Kinder beschäftigen sich relativ selbstständig miteinander und spielen gerne draußen im Schnee.“

In Aislingen kommt der Kindergarten per Post

Patrizia Gumpp, Kindergartenleiterin in Aislingen, ist optimistisch gestimmt. Zurzeit werden höchstens vier der 40 angemeldeten Kinder gleichzeitig betreut. Den Kindern gefalle die neugewonnene Aufmerksamkeit – auch wenn der eine oder andere Spielpartner fehle. Eltern, die einen Anspruch auf die Betreuung haben, nehmen diese laut Gumpp größtenteils wahr. Für die kommende Woche habe sie bereits weitere Anfragen erhalten.

Auch Eltern, die nicht die Voraussetzungen erfüllen, hätten sich nach einer Betreuungsmöglichkeit erkundet. „Ich habe sie auf die geltenden Bestimmungen hingewiesen“, sagt Gumpp. Sie nutzt die neugewonnene Ruhe im Kindergarten für „Dinge, die im Alltag zu kurz kommen“. So recherchiert sie naturwissenschaftliche Experimente für die Vorschulkinder, schreibt Beobachtungsbögen und kümmert sich um Verwaltungsaufgaben. Und: Die „Home-Kindergartenkinder“ haben Briefe und Fotos vom Erzieherteam erhalten. Dazu gab es Bastelideen zum Thema Schnee und passendes Material, wie Papier und Knete.

Schon im ersten Lockdown hätten die Mitarbeiterinnen es so gehandhabt, „damit der Bezug nicht verloren geht“. Die Kinder hätten sich damals sehr über die Post aus dem Kindergarten gefreut, sagt Gumpp, die den Mehraufwand auf freiwilliger Basis deshalb gerne auf sich nimmt. Außerdem sollen die Kinder durch das Lernmaterial spielerisch die Zahlen eins und zwei lernen. Im Idealfall können die Aislinger Kindergartenkinder im Februar dann vor Ort mit der Zahl drei anknüpfen.

Lesen Sie den Kommentar dazu: Notbetreuung: Kindergartenbesuche wirklich nur in der Not

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