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Dillingen

11.07.2019

Von Müllentsorgung, Zinsen und seltenen Tieren

Ein Schwerpunkt beim AWV bleibt das Thema Plastikvermeidung. Deswegen sollen Haushalte künftig Papiertüten für die Entsorgung des Biomülls erhalten.
Bild: Ulrich Wagner, Symbolbild

Wie sich die Zinsentwicklung auf das Jahresergebnis des Abfallwirtschaftsverbandes Nordschwaben auswirkt, ist Thema in Dillingen. Weitere Themen sind die Plastikmüllvermeidung und tierreiche Deponien.

Alle Sparer stöhnen über die aktuelle Zinssituation. Die niedrigen bis nicht mehr vorhandenen Zinsen wirken sich aber auch auf Unternehmen oder Zweckverbände aus. Beim Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben (AWV) bedeutet das eine deutlich höhere Zuführung zu Rückstellungen und damit einen wesentlich niedrigeren Jahresüberschuss. Schon 2016 mussten 1,6 Millionen Euro Rückstellungen gebildet werden, 2017 waren es 1,1 Millionen Euro. Auch 2018 setzte sich der Trend fort.

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Für die Nachsorge von Deponien werden Rückstellungen gebildet

Allein für die Deponie Binsberg gingen 752000 Euro in Rückstellungen, wie Werkleiter Gerhard Wiedemann und Wirtschaftsprüfer Albrecht Gnann (Gnann und Partner) den Verbandsräten bei der 15. Sitzung der Verbandsversammlung des AWV im neuen Sitzungssaal des Landratsamtes Dillingen erläuterten. Der Grund: Der AWV bildet aufgrund gesetzlicher Auflagen für die Nachsorge der Deponien Rückstellungen über 50 Jahre. Diese jährlichen Zuführungen müssen abgezinst werden. Die Folge: Je niedriger der durchschnittliche Zinssatz, desto höher die Zuführungen.

Die Rückstellungen 2018 insgesamt wuchsen um 1,392 Millionen Euro auf nunmehr 17,021 Millionen Euro. Der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses Georg Barfuß wertete die Rückstellungen als „Vorsichtsmaßnahme“ und bezeichnete den AWV als ein „grundgesundes Unternehmen“. Man habe im Abschluss nichts gefunden, „was uns Anlass zur Sorge bereiten würde“. Die Entlastung von Werkleitung und Verbandsvorsitzenden erfolgte dann auch einstimmig.

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Der Rückgang von Vermarktungserlösen bereitet Kopfzerbrechen

Denn trotz Rückstellungen verbleibt 2018 bei einer Bilanzsumme von 33,5 Millionen Euro ein Jahresüberschuss von rund 226000 Euro (2017: 806000 Euro). Zudem liege die Eigenkapitalquote bei 43,3 Prozent, der Cashflow bei rund drei Millionen Euro, die Anlagendeckung bei 125,9 Prozent und die Liquidität II. Grades bei 432,6 Prozent. Dies sei, so Wirtschaftsprüfer Gnann, nicht bei vielen Behörden zu finden. Werkleiter Wiedemann betonte, dass bei einer „normalen“ Zinssituation der Überschuss des AWV, der seit 2004 ohne Schulden auskomme, bei rund einer Million Euro liegen würde.

Kopfzerbrechen bereitet dem Werkleiter der Rückgang der Vermarktungserlöse zum Beispiel bei Papier, Altkleidern, Altholz auf nunmehr rund drei Millionen Euro (2011: vier Millionen). Mehreinnahmen seien dagegen insbesondere auf Restmüll- und Biotonnen sowie auf Deponiegebühren zurückzuführen. Wiedemann verwies darauf, dass die Gebühren bei Restmüll seit Jahren sinken, während die Gefäßvolumen pro Einwohner stetig stiegen. Von den Einnahmen 2018 über rund 21,5 Millionen Euro stammen 55 Prozent aus Restmüllgebühren.

Weiter im Blick habe man eine bürgernahe Erdaushub-Entsorgung in Maihingen sowie mit der jüngst „aufgemachten“ Verfüllungsmöglichkeit im Steinbruch in Haunsheim. Diese brächten Entsorgungs-Sicherheit für alle Bürger, insbesondere die Häuslebauer, betonte Dillingens Landrat Leo Schrell. Und der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle bezeichnete es als „wichtige Einnahmequelle für die AWV“. Auch dem Abschluss der AWV-Service GmbH, die sechs Photovoltaikanlagen betreibt und 129000 Euro erlöste, wurde geschlossen zugestimmt.

Der AWV will die Bürger bei der Plastikvermeidung unterstützen

Der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben will seine Stellung als öffentlich-rechtlicher Entsorger sichern und für die Bürger weiter erster Ansprechpartner sein. Durch das Abfallwirtschaftskonzept 2020 bis 2025, das einstimmig verabschiedet wurde, soll insbesondere die mittelständische Entsorgungsstruktur in Nordschwaben erhalten bleiben. Ein Schwerpunkt sei das Thema Plastikvermeidung. Haushalte sollen dazu künftig Papiertüten für die Entsorgung des Biomülls erhalten. Auch die Aushub-Entsorgung habe Priorität.

Die Kosten für unbelasteten Aushub würden von fünf auf sechs Euro pro Kubikmeter steigen, dagegen sänken die Preise beim Kompostverkauf (2,50 Euro für die Füllung einer 65 Liter Wanne, die Wanne kostet sechs Euro). Neu sei die Abnahme von KMF-Abfällen (etwa Steinwolle oder Glaswolle), die bei der Firma Fisel verpresst, verdichtet und verpackt würden. Der Preis pro Tonne liege bei 382 Euro. Auch die geänderte beziehungsweise neue Gebührensatzung wurde einstimmig vom Gremium angenommen.

Eine Entscheidung in Nördlingen fällt binnen weniger Tage

Dass Grundstücke, die für Recyclinghöfe vorgesehen sind, für Firmenerweiterungen dienen können, zeigt das Beispiel Varta in Nördlingen. Der Batterie-Spezialist ist von drei Seiten her eingeengt und grenzt direkt an die geplante Erweiterungsfläche des Reyclinghofes Nördlingen, für die der Bauantrag bereits eingereicht war. Varta wuchs in jüngster Zeit stark von 180 Mitarbeitern auf nunmehr 450 und braucht deshalb dringend Fläche. Das Unternehmen bekam das Grundstück und der AWV erhielt eine Ersatzfläche für den Recyclinghof im Gewerbegebiet „Steinerner Mann“. Donau-Ries-Kreisrat Peter Schiele dankte den Vorsitzenden und dem Werkleiter „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ für die Flexibilität und „einer schnellen Entscheidung innerhalb weniger Tage“.

Landrat Rößle wies darauf hin, dass Varta der größte Arbeitgeber in Nördlingen sei. Auch diese Entscheidung wurde vom Gremium einstimmig abgesegnet. Weitere Details wurden in der nichtöffentlichen Sitzung behandelt.

Dass aus Deponien auch Rückzugsgebiete für bedrohte Tierarten werden können, betonte Gerhard Wiedemann. So sei in der Deponie Binsberg ein Junguhu eingezogen, in Haunsheim finde man eine Population nordafrikanischer Bienenfresser sowie Kreuzkröten und in der Deponie Ronheim Gelbbauchunken. Das führe inzwischen dazu, dass auch Naturschutzaspekte bei Deponien eine größere Rolle spielten.

Außerdem wurden während der Sitzung die Gewinner der Flursäuberungsaktion geehrt.

Die Landräte Stefan Rößle (Donau-Ries) und Leo Schrell (Dillingen) sowie die AWV-Verbandsräte bedankten sich bei den Teilnehmern der AWV-Flursäuberungsaktion 2019.

  • Die Zahlen: 333 Gruppen mit 8989 Helfern hatten 575 Kubikmeter Müll gesammelt und auf den Recyclinghöfen verwertet und entsorgt. Sieben Gruppen aus dem Donau-Ries und vier Gruppen aus dem Kreis Dillingen erhielten aus den Händen von Rößle Preise über jeweils 500 Euro.
  • Die Gewinner aus dem Donau-Ries: Verschönerungsverein Dornstadt, Auhausen, Club der Eichenfreunde Sulzdorf, Kaisheim, FFW Neuhausen, Marxheim, Jugendgruppe „Hüttn“ Burgmannshofen, Marxheim, Grund- und Mittelschule Oettingen, Veteranen- und Soldatenverein Hainsfarth. Einen Sonderpreis erhielten Gartenbauverein und Firmlinge Monheim.
  • Die Gewinner aus dem Landkreis Dillingen: Abenteuerschule 4u Dillingen, Fischereiverein Binswangen, „Wadelbeißer“ Schwenningen und Dorfgemeinschaft Baumgarten, Aislingen.
  • Das Ziel: Beide Landräte zeigten sich besonders erfreut, dass über 50 Prozent der Teilnehmer Kinder und Jugendliche gewesen seien. Sie betonten, dass das Thema Abfallvermeidung und -entsorgung noch stärker bei der Erziehung berücksichtigt werden müsse. Dem Thema Müllvermeidung und Recycling wolle man bei künftigen Aktionen stärker Rechnung tragen, so etwa bei der Teilnahme an der „Spielstadt“ Donau-Ries im August. (gush)
Die Gewinner der AWV-Flursäuberungsaktion 2019 flankiert von den Landräten Stefan Rößle (Donau-Ries) links und Leo Schrell (Dillingen) rechts.
Bild: Hans Gusbeth

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