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08.05.2015

Was machen die ehemaligen Bürgermeister?

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Der Tag von Norbert Schön ist immer noch vollgepackt – weil er es so will. 24 Jahre war er Bürgermeister von Zöschingen, nun, in der Rente, geht er seinem eigentlichen Beruf nach: Landwirt. Täglich hilft er seinem Sohn auf dem Hof.

Sieben Bürgermeister im Landkreis Dillingen wurden vor einem Jahr nicht mehr gewählt. Weil sie nicht mehr antraten oder abgewählt wurden. Was hat sich für sie verändert?

Termine bis spät in die Nacht, Veranstaltungen am Wochenende, Ärger mit Behörden, Beschwerden der Bürger, Trauungen, Gemeinderatssitzungen vorbereiten, Telefonate am laufenden Band oder Mitarbeiter koordinieren. Die Liste ist noch länger. Und: Als Bürgermeister einer Stadt oder Gemeinde steht man in der Öffentlichkeit. Alle schauen genau hin, jeder Tag ist vollgepackt bis oben hin. Doch was, wenn sich das von einem Tag auf den anderen ändert? Wenn von heute auf morgen ein anderer im Mittelpunkt der Gemeinde steht? Vor einem Jahr wurden bei der Kommunalwahl im Landkreis sieben Bürgermeister nicht mehr gewählt – weil sie nicht mehr angetreten sind oder weil die Bürger ihre Kreuzchen beim Gegenkandidaten gemacht haben. Wir wollten von Hildegard Wanner, Wilhelm Gumpp, Norbert Schön, Dieter Ott, Josef Foitl, Otmar Ohnheiser und Georg Keis wissen, wie sich ihr Leben im vergangenen Jahr verändert hat. Ob sie ihrem Amt als Erster Bürgermeister nachtrauern oder die neu gewonnene Freizeit genießen.

Wilhelm Gumpp hat eine klare Meinung: „Ich freue mich sehr darüber, dass ich jetzt Zeit für Dinge habe, für die ich jahrelang keine Zeit hatte.“ Besonders freue er sich darüber, dass er nun immer für seinen Sohn da sein könne, wenn dieser ihn brauche. Gumpp war 30 Jahre Bürgermeister in der Gemeinde Blindheim, bei der Wahl 2014 wurde er von Jürgen Frank mit deutlicher Mehrheit abgelöst. „Es hat mir wesentlich weniger ausgemacht, als erwartet. Der Schmerz war ziemlich schnell weg. Ich war nicht lange traurig“, erzählt Gumpp. Er genieße es, in den Tag hineinleben zu können und nicht von Termin zu Termin hetzen zu müssen. Trotzdem beobachte er das Gemeindegeschehen nach wie vor. Vor allem Projekte, die er während seiner Amtszeit schon angepackt habe, würden ihn interessieren.

Auch Hildegard Wanner verfolgt, was in Höchstädt und den Stadtteilen passiert – aber mit Distanz, wie sie betont. „Alles andere bringt auch nichts“, sagt sie. Zwölf Jahre war sie die Erste Bürgermeisterin der Donaustadt, schmerzlich wurde sie am 1. Mai 2014 von Stefan Lenz mit 53,55 Prozent abgewählt. „Das war für mich eine große Umstellung. Das sage ich ganz offen. Ich wollte das nicht und war dann ruckzuck Rentnerin“, sagt Wanner. Auf diesen neuen Lebensabschnitt sei sie so nicht vorbereitet gewesen, sie habe sich erst damit arrangieren müssen. Wanner: „Das war nicht einfach für mich. Auch, wenn ich jetzt die Zeit im Garten und mit Lesen gerne verbringe, so musste ich mich an die viele Zeit auch erst gewöhnen.“ Zu ihren neuesten Hobbys zählt seither auch das Nordic Walking. Jeden Tag läuft sie durch den Stadtwald oder an der Donau entlang – bei jedem Wetter. Außerdem ist sie weiter Vorsitzende der Feuerwehr Höchstädt und des Förderkreises für das Schloss Höchstädt sowie aktiv als Kreisrätin und Stiftungsrätin bei Regens Wagner im Landkreis unterwegs.

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Auch der Tag von Norbert Schön ist vollgepackt – aber genau so wolle er das auch. Er sagt: „Ich arbeite von früh bis abends und mache genau das, was ich gelernt habe und mir Spaß macht.“ Schön war 24 Jahre Bürgermeister in Zöschingen, er trat 2014 nicht mehr zur Wahl an. Seither hilft er seinem Sohn auf dem landwirtschaftlichen Hof – mit voller Begeisterung. „Ich bin in kein Loch gefallen. Im Gegenteil. Ich habe es mir so rausgesucht und genieße mein Rentnerleben“, erzählt Norbert Schön. Als besonders wertvoll finde er aber, dass der Druck weg und der Kopf freier sei. „Ich kann ein wenig ruhiger leben. Hinzu kommt, dass es mit dem neuen Bürgermeister und Gemeinderat sehr gut klappt, das war mir wichtig.“

Laugnas Altbürgermeister Georg Keis nutzt seine Zeit vor allem für die Familie. Entweder geht er mit seiner Ehefrau Anni und den fünf ältesten seiner insgesamt neun Enkelkinder Wandern in Tirol oder verbringt die Wochenenden in Fußballstadien – Heidenheim und Augsburg drückt er die Daumen.

Otmar Ohnheiser, Villenbachs ehemaliger Rathauschef, hat heute eine ganz andere Funktion. Die Bürger sehen ihn nun häufiger mit dem Kinderwagen durch die Gemeinde gehen. Enkel Maximilian ist sein größter Stolz. Aber auch Einkaufen im Supermarkt mit Ehefrau Regina steht bei Ohnheiser mittlerweile auf dem Programm.

Der Alltag von Dieter Ott ist dagegen nicht weniger stressiger geworden. Aber das habe er bewusst so gewählt, wie er erzählt. Haunsheims ehemaliger Bürgermeister trat vor einem Jahr nicht mehr zur Wahl an, weil er sich beruflich verändern wollte. Nun ist er hauptberuflich für den Berufsverband Maschinenring mit Sitz in Neuburg an der Donau tätig. Jeden Tag pendelt er dort hin. Ott: „Wenn ich aber heimkomme oder an den Wochenenden, dann habe ich frei. Das war als Bürgermeister nicht so.“ Nach wie vor interessiere ihn aber die Entwicklung von Haunsheim, mit seinem Nachfolger Christoph Mettel stehe er regelmäßig in Kontakt. So ist Dieter Ott auch bei der offiziellen Einweihung der Kinderkrippe in Haunsheim mit dabei. „Und trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass man so schnell weg ist“, so Ott.

Josef Foitl gab sein Amt im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen auf. Er ist mittlerweile aus dem Landkreis weggezogen.

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