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Historischer Verein

14.11.2017

Wie Bayern über Nacht zur Republik wurde

Dr. Katharina Weigand von der Universität München referierte auf Einladung von Dieter M. Schinhammer, dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, im Colleg über das Thema „Ludwig III. – Das Ende des Königreichs Bayern“.
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Dr. Katharina Weigand von der Universität München referierte auf Einladung von Dieter M. Schinhammer, dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, im Colleg über das Thema „Ludwig III. – Das Ende des Königreichs Bayern“.
Bild: Pawlu

Katharina Weigand charakterisiert im Colleg die Persönlichkeit Ludwigs III.

Während die Erinnerung an Ludwig II. im Bewusstsein vieler Bayern fest verankert ist, verblasst das Bild Ludwigs III. immer mehr. Bei einem Vortragsabend des Historischen Vereins (HV) und der Volkshochschule Dillingen erläuterte Dr. Katharina Weigand von der Universität München die Gründe für diese unterschiedliche Wahrnehmung bayerischer Herrscher.

Das Leben Ludwigs III., so betonte HV-Vorsitzender Dieter M. Schinhammer in seiner Begrüßung, sei durchaus „ereignisreich und tragisch“ gewesen. Die Tragik, Dramatik und Problematik dieser Biografie verdeutlichte Katharina Weigand mit detaillierter Sachkenntnis und stilistischer Prägnanz. Im Duktus einer akademischen Vorlesung vermittelte sie im Großen Saal des Collegs den zahlreichen Zuhörern das farbige Panorama einer Epoche, die sich durch soziale Veränderungen und drei Kriege charakterisierte. Ludwig (1845-1921), Sohn des Prinzregenten Luitpold, galt als „Erzkatholik“ und verfolgte als Verweser des Königreichs Bayern (1912/13) und als König (1913-1918) konsequent das Ziel, die Stellung Bayerns im deutschen Kaiserreich auszubauen und zu stärken. Nach 1866 fürchtete er die Hegemonie Preußens, was ihn beim sogenannten „Moskauer Zwischenfall“ von 1896, als bei der Inthronisation Nikolaus II. die anwesenden Repräsentanten der deutschen Länder als „Gefolge“ des Preußenprinzen Heinrich begrüßt wurden, zu einer vehementen Klarstellung veranlasste: Die Bundesfürsten seien Verbündete, nicht Untertanen Preußens.

Ludwigs soziales Engagement veranlasste sogar den SPD-Gründer August Bebel, diesem Wittelsbacher die Eignung für die Führung des Reiches in der Rolle des Kaisers zu attestieren. Dennoch musste Ludwig III. in seiner Regierungszeit als bayerischer König eine permanente Beeinträchtigung seines Ansehens hinnehmen. Die Komplikationen bei der Verfassungsänderung, die den formal noch regierenden, aber kranken König Otto (1886-1913) absetzten und Ludwig den Weg zur Herrschaft freimachten, erschienen nicht nur der SPD-Fraktion im Landtag als Verfassungsbruch. Im Laufe des Ersten Weltkriegs verbreitete sich in weiten Bevölkerungskreisen der Eindruck, dass Bayern im Reichsverband ausgenutzt wird. Die Streitereien um die Zuweisung staatlicher Unterhaltszahlungen an die Hofhaltung trübten das Image Ludwigs III. ebenso wie das militärische Unvermögen des Königs, der im „Bruderkrieg“ von 1866 schwer verwundet worden war. Obwohl Ludwig sein Leben lang um die Übernahme bürgerlicher Konventionen und um Kontakte mit der Bürgerschaft bemüht war, löste seine Absetzung durch eine Proklamation Kurt Eisners am 7. November 1918 keine Gegenrevolution aus. Ludwig starb am 18. Oktober 1921 auf Schloss Nadasdy im ungarischen Exil.

Katharina Weigand sieht auch in der raschen Resignation des letzten bayerischen Königs eine Ursache für den Sieg der Revolutionäre von 1918: „Und sie sollte gelingen, diese Revolution, auch deswegen, weil der König noch in der Nacht vom 7. auf den 8. November aus München floh und weil sich niemand sonst zu sofortiger Gegenwehr entschließen konnte. Quasi über Nacht war Bayern zur Republik geworden.“

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