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Landkreis Dillingen

18.05.2020

„Wieder reinfühlen“: So lief der Neustart in den Biergärten

Vor den Lokalen und im Biergarten genießen viele das schöne Mai-Wetter (von links): Peter und Inge Jandel sowie Doris und Horst Handgrätinger in Lutzingen auf der Goldbergalm.
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Vor den Lokalen und im Biergarten genießen viele das schöne Mai-Wetter (von links): Peter und Inge Jandel sowie Doris und Horst Handgrätinger in Lutzingen auf der Goldbergalm.
Bild: Polednia

Plus Seit Montag dürfen Gastronomen wieder ihre Außenanlagen bewirtschaften. Ein Stück Dolce Vita kehrt zurück. Wie Menschen im Landkreis Dillingen am ersten Tag des Neustarts die neue Freiheit nutzen.

Während der Italien-Urlaub noch nicht in trockenen Tüchern ist, ist mit der Öffnung der Außengastronomie am 18. Mai ein Stück Dolce Vita zurück im Landkreis Dillingen – zumindest täglich bis 20 Uhr. So auch auf dem Wertinger Marktplatz beim Eiscafe Casal. Ein Ansturm auf die Sitzplätze bleibt am Montag jedoch aus. Mit dem nötigen Abstand finden nur noch fünf statt zwölf Tische Platz. Heißbegehrt sind die Sitzplätze jedoch nicht. An diesem sommerlichen Nachmittag sind lediglich drei Tische besetzt.

Außengastronomie: Kaffee und Kuchen in der Sonne genießen

Nicht nur in Wertingen genießt man die Sonne. In der Dillinger Altstadt sitzt Renate Schmid vor dem Lokal Roggenkugel. Vor sich hat sie Kaffee und Kuchen. Mit dem Rad ist sie spontan aus Günzburg hergefahren. Das Sitzen im Café habe sie vermisst und umso froher ist sie nun über das strahlende Wetter und das Öffnen der Außengastronomie. „Als Rentnerin hat man schließlich dafür Zeit“, betont Schmid.

Ein paar Meter weiter sind die Außenplätze des Kings Road Pubs gut besucht. Die Freunde Klaus, Nico und Ralf aus Dillingen sind Stammgäste des Lokals und waren umso begeisterter, dass ihre Lieblingskneipe wieder öffnen konnte – und das nicht nur aus Freude an der Geselligkeit: „Man macht sich natürlich schon Sorgen, ob die Stammkneipe die Krise überlebt“, sagt Nico, der sogar ein Fan-Shirt des Lokals trägt. „Es ist schön, wieder unter Leuten zu sein“, meint Klaus. Wenn das Wetter passt, möchten sie den Pub durch ihre Besuche so oft wie möglich unterstützen.

„Wieder reinfühlen“: So lief der Neustart in den Biergärten

Gäste haben das Cafesito in Dillingen vermisst

Ebenso treue Gäste, jedoch in der Cafesito-Bar, sind Sylvia Lemeunier und Matthias Meck. Die Dillingerin und der Bächinger sind Arbeitskollegen und verbrachten vor den Ausgangsbeschränkungen gerne ihre Zeit bei einer Limo oder einem Heißgetränk vor und im Lokal. Dass das nun wieder geht, finden sie toll. Als sie von der neuen Regelung in den Medien erfahren hatten, war die Vorfreude groß. „Irgendwann fällt einem Zuhause einfach die Decke auf den Kopf“, sagt Lemeunier. Über Whatsapp wurde daraufhin gleich ein Termin für ein Treffen im Freien vereinbart. Die Maskenpflicht im Innenraum und auf dem Weg zur Toilette halten beide für angemessen. „Hauptsache wir können miteinander reden“, sagt Lemeunier und betont, wie wichtig ihr persönlicher Kontakt sei. Daniel Ostertag ist Betriebsleiter des Cafés. Er ist froh, dass er zumindest den Außenbereich wieder bewirten darf. Dafür musste das Personal laut Ostertag über das Wochenende „Gas geben“ um allen Bestimmungen Folge leisten zu können. Viel Platz für Tische und Stühle gibt es vor dem Lokal an der Rosenstraße in Dillingen jedoch nicht. Ostertag hofft auf Ausweichmöglichkeiten, wie die Nutzung von gesperrten Parkplätzen.

Essen und Trinken zur Unterstützung der Gastronomie im Landkreis Dillingen

Zu Currywurst, Pommes und Co. sitzen Gabi Friedrich, ihre Töchter Ronja Friedrich und Justine Schneller sowie Enkelin Laurena vor dem Restaurant Benedikt's in Dillingen. „Wir wollten uns sowieso treffen. Bei gutem Wetter und Essen natürlich umso lieber“, sagt Gabi Friedrich, die selbst das Lokal „Zum Deutschen Michel“ in Dillingen führt. Deshalb unterstütze sie gerne die Gastronomie in Dillingen.

In Pfaffenhofen, idyllisch unter Kastanien- und Lindenbäumen gelegen, befindet sich der Biergarten Beim Lagoi. Inhaber Robert Sapper startet am Montag um 16 Uhr mit der Bewirtschaftung und weiß bereits wie viele Kunden ungefähr zu erwarten sind: „200 Gäste haben bereits reserviert“, sagt Sapper, dessen Handy wegen eingehender Reservierungen ständig klingelt. „Aber besser so als gar nicht“, ist seine pragmatische Antwort. Mehr als 250 dürfen nun nicht mehr in den Biergarten, normalerweise sind es mit rund 500 Plätzen doppelt so viele. Im Lagoi gibt es keine Selbstbedienung. Die Gäste werden zu einem Tisch geführt, bestellen und bezahlen bei der Bedienung. Der Mund-Nasenschutz muss, neben dem Weg zur Toilette, beim Betreten und Verlassen des Biergartens getragen werden.

Bernd Klinger: "Wir müssen uns erst reinfühlen"

Auch auf der Goldbergalm in Lutzingen werden sowohl Stammgäste als auch durstige Radfahrer von der Kellnerin zum Platz gebracht. Einige Tische sind zur Mittagszeit besetzt. Inhaber Bernd Klinger ist der gemächliche Start nach neun Wochen Zwangspause äußerst recht. „Wir müssen uns erst reinfühlen“, sagt der Gastronom. Vor allem für den Vatertag gebe es auf der Goldbergalm bereits einige Reservierungen. An einem der Tische mit Panoramablick sitzen vier Personen. Die „erste Ausfahrt seit Wochen“ ist es für Peter und Inge Jandel. Ihnen gegenüber sitzen Peter Jandels Schwester Doris Handgrätinger und ihr Mann Horst. Aus Landsberg und dem württembergischen Blaubeuren angereist, treffen sie sich zweimal im Jahr auf dem Höchstädter Friedhof, am Grab der Eltern. Und aus Tradition geht es danach zum Essen und Austauschen auf die Goldbergalm. „Die Atmosphäre ist schon anders“, sagt Peter Jandel. Und seine Frau Inge betont: „Ich fühle mich von den Maßnahmen beschützt, nicht gestört“.

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