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Landkreis Dillingen

19.11.2019

Höchstädter Spielabbruch: Wirbel um "rassistische" Äußerungen

Über ihren sechsten 2:0-Sieg dieser Saison freuten sich die Kicker des Landesliga-Spitzenreiters FC Gundelfingen gegen Ichenhausen, hier nach dem 1:0-Treffer: (von links) Elias Weichler, Torschütze Fabio Kühn, Tiemo Reutter, Janik Noller, Jonas Schneider, Philipp Schmid, Manuel Müller.
Bild: Walter Brugger

Plus Nach der abgebrochenen Kreisliga-Partie in Möttingen gibt es zwei konträre Versionen über die Berechtigung des Vorwurfs einer rassistischen Äußerung durch Zuschauer.

Ein Nachspiel wird das „halbe Kreisliga-Spiel“ zwischen dem TSV Möttingen und der SSV Höchstädt haben. Wie berichtet wurden hier lediglich die ersten 45 Minuten ausgetragen, nach der Halbzeit weigerten sich die Höchstädter Gäste weiterzuspielen. Der Vorwurf: rassistische Äußerungen durch Zuschauer gegen ihren Spieler Abdul Wahab Ibrahim-Ussif, der kurz vor der Pause mit „Rot“ vom Platz gestellt worden war.

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Höchstädt sagt so:

Die Sicht beider Parteien auf den Vorfall sind konträr. JohannesEbermayer von der Sportleitung der Höchstädter teilt in einer Stellungnahme mit: „Wir werden es garantiert nicht zulassen, dass hier vonseiten des Heimvereins vertauscht wird, wer eigentlich das Opfer ist. Unser Spieler hat weder absichtlich einen Ball auf einen Zuschauer geschossen, noch hat er in irgendeiner Art und Weise die Bank des TSV Möttingen beleidigt. Die SSV verurteilt jegliche Art von Rassismus und würde bei derartigen Vorfällen wieder genau so handeln.“ Abdul Wahab Ibrahim-Ussif, genannt „Sedju“ sei in der Mannschaft hoch angesehen. Man werde es nicht dulden, dass ihm durch solche Vorfälle der Spaß an seinem Hobby genommen wird und hoffe, dass der BFV hier seiner groß angelegten Kampagne „Nein zu Rassismus“ auch Taten folgen lasse. Weiter heißt es: „Wir haben auch keinerlei Interesse an einem erneuten Aufeinandertreffen mit dem TSV Möttingen im Rahmen eines Wiederholungsspiels. Durch unseren Abbruch wollten wir einzig und allein ein Zeichen setzen.“

Und der designierte Abteilungsleiter ThomasKehrle ergänzt: „Es geht uns nicht um die drei Punkte, das Foul oder die Rote Karte.“ Er benennt auch die durch einen Zuschauer ausgesprochene Beleidigung: „Irgendwas mit Affe, brauner oder fauler. Das hat unseren Spieler schwer getroffen, der daraufhin dem Zuschauer den Stinkefinger gezeigt hat. Folge war die Rote Karte.“ Der Schiedsrichter behauptet, so Kehrle, von der Beleidigung nichts wahrgenommen zu haben.

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Möttingen sagt so:

Möttingens Trainer GerhardWiedemann ist extrem verärgert, wie die Höchstädter mit einem „so sensiblen Thema“, das der Fußball-Verband als besonders wichtig auf seiner Agenda habe, umgehen würden. Er selbst habe sich in unmittelbare Nähe der fraglichen Vorfälle befunden und auf gar keinen Fall habe es rassistische Äußerungen gegeben. Fakt sei: „Auf unserer Seite der Bank und in deren direktem Umfeld ist keine rassistische Äußerung gefallen. Ein so sensibles Thema darf nicht dazu herhalten, um das Ausrasten eines Spielers zu kaschieren.“ Der vom Ball getroffene Zuschauer habe seine Personalien angegeben und erklärt, auf eine Anzeige gegen den Spieler zu verzichten. Grundsätzlich findet es Wiedemann „völlig unlogisch, nach einem vermeintlich so gravierenden Vorfall noch zehn Minuten weiterzuspielen und anschließend in der Kabine zu bleiben“.

Bei rassistischen Äußerungen von Zuschauern müsse der Referee das Spiel unterbrechen und die Personalien der betreffenden Personen aufnehmen, erläutert Kreisspielleiter FranzBohmann (Wertingen) das Regelwerk. Anschließend werde das Spiel fortgesetzt. Das Kreissportgericht wird nun entscheiden müssen, welche Darstellung der Vorfälle es als glaubwürdig erachtet.

Ruhiger und erfreulicher ging es beim 1:0-Sieg des FCLauingen in Ellzee zu. „Die Mannschaft stand defensiv überragend, ist als Einheit aufgetreten und hat in Unterzahl den entscheidenden Treffer zu drei wichtigen Punkten erzwungen“, sagt dazu FCL-Sportleiter JoachimHauf: „Auch der nicht gegebene Elfmeter brachte uns nicht aus dem Konzept. Nicht nur aufgrund der läuferischen und kämpferischen Leistung der zweiten Halbzeit war der Erfolg absolut verdient.“

Keinen Erfolg hatte die SSV Glött bei TGBGünzburg (0:2). Im Sturzflug haben sich die Lilien in die ersehnte Winterpause verabschiedet. Der Gesamtzustand der Truppe vermittelt aktuell ein besorgniserregendes Bild. Schon seit geraumer Zeit befindet sich die Mannschaft in einer stetigen Abwärtsspirale. Was zum Großteil auch daran liegt, dass sie in den beiden vergangenen Jahren ein Dutzend langjährige Stammspieler bzw. Leistungsträger aus diversen Gründe verloren hat.

Auch in Günzburg, bei einem keinesfalls übermächtigen Gegner, brachte die Truppe um Kapitän Daferner spielerisch wie auch im Zweikampfverhalten so gut wie nichts mehr auf das Feld. Entsprechend bedient zeigte sich dann auch Trainer StefanSchneider: „Der Gegner hat es uns heute vorgemacht, was es heißt, gallig und zielstrebig zu agieren. Wir haben das alles vermissen lassen. Klar muss man sehen, wie wir momentan aufgestellt sind, bei dem einen oder anderen geht vielleicht nicht mehr. Doch vom Großteil der Mannschaft müsste einfach mehr kommen.“ Schneider hofft nun, dass nach diesem völlig verkorksten Jahr sein Team etwas zur Ruhe kommt. Doch ihm ist auch klar: „In der Winterpause muss nun erst mal alles gründlich hinterfragt werden.“

Nach dem starken Auftritt samt Sieg beim Bezirksligaabsteiger SV Donaumünster-Erlingshofen verabschiedet sich der BCSchretzheim in die Winterpause. Nach einem schwachen Start mit fünf Niederlagen in Folge konnten sich die Kleeblätter in der Kreisliga Nord fangen und in den letzten Wochen immer mehr beweisen, dass sie auch nächste Saison dort spielen wollen. Aus den jüngsten sechs Partien wurden starke elf Punkte geholt und die Abstiegsplätze verlassen. Nur die 2:3-Derbyniederlage gegen SVHolzheim schmerzt dabei noch ein bisschen. Nun ist in der Rückrunde noch alles drin, der Anschluss ans Mittelfeld wieder hergestellt.

Auch beim SV Kicklingen-Fristingen sind die Verantwortlichen um Abteilungsleiter PeterReschnauer froh, dass die Winterpause beginnt. Dabei beurteilt er den Auftritt des Aufsteigers – trotz der 1:3-Niederlage in Reimlingen – über die Saison gesehen positiv: „Etliche angeschlagene und verletzte Spieler können sich nun wieder regenerieren und ihre Blessuren auskurieren. Insgesamt war das Jahr 2019 ein sensationell geiles Jahr für uns.“

Eine Feststellung, die so ähnlich auch für das Aushängeschild des Landkreis-Fußballs, den FCGundelfingen, zutrifft. Angefangen beim schwäbischen Hallentitel im Januar bis zur Herbstmeisterschaft in der Landesliga. „Jetzt will ich auch an der Spitze überwintern“, hat Trainer Martin Weng nach dem 2:0-Derbysieg gegen den SC Ichenhausen gleich als nächstes Zwischenziel ausgegeben. Mit einem Erfolg aus den beiden noch ausstehenden Partien beim FV Illertissen II und gegen den SV Bad Heilbrunn wäre das auch geschafft.

Doch so weit wollten die Grün-Weißen nach dem Abpfiff gegen Ichenhausen noch nicht denken, zu sehr waren sie noch mit der Aufarbeitung der 90 Derby-Minuten beschäftigt. „Ichenhausen war einfach bissiger, laufstärker“, lautete nicht nur das Urteil von Gundelfingens Sportlichem Leiter Stefan Kerle, der hinterher eigentlich nur mit dem Ergebnis zufrieden war. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff war Kerles erster Weg nicht zu eigenen Kickern, sondern zum Ichenhauser KilianKustermann, der beim Stande von 0:0 dafür sorgte, dass Referee Rico Spyra den gerade für den SCI gepfiffenen Elfmeter wieder zurücknahm. „Das ist schon eine herausragende Aktion. Ich weiß nicht, wie viele meiner Spieler das Gleiche getan hätten“, gab Kerle unumwunden zu.

Allerdings hat er auch einen Akteur in seinen Reihen, der dies in der Vergangenheit bereits praktiziert hat. Stürmer Jonas Schneider war vor eineinhalb Jahren für die Gundelfinger U23 aufgelaufen und bekam im Kreisliga-Spiel beim SV Waldstetten einen Strafstoß zugesprochen. Schneider ging daraufhin zum Referee und erklärte, dass kein Foul vorlag. Damals endete die Partie 0:0.

Auch gegen Ichenhausen trat Schneider mehrmals positiv in Erscheinung, als er mit seinen Tempodribblings die Gegner vor Probleme stellte. Dass er bei der von FCG-Coach Martin Weng und dessen Gegenüber Oliver Unsöld als Schlüsselszene bezeichneten Spielsituation zum passiven Hauptdarsteller wurde, war dem 20-Jährigen sichtlich unangenehm. Für die Tätlichkeit, die sich SCI-Verteidiger Benjamin Sturm leistete, konnte Schneider nichts. Sturm droht nach seinem Fußtritt eine lange Sperre. Zum Vergleich: Vor drei Jahren wurde der damalige FCGler OguzYasar für sechs Partien auf Eis gelegt, obwohl damals sogar der TSV Schwabmünchen gegenüber dem Sportgericht erklärte, dass der Gegenspieler gar nicht getroffen wurde. Dies war bei Sturm nachweislich anders, der zusätzlich zum Platzverweis verhängte Elfmeter, der zum 2:0-Endstand führte, war die sofort verhängte Strafe. Über die sich SCI-Coach Unsöld nicht beschwerte, vielmehr schimpfte er über seinen eigenen Kicker: „Mit dem Platzverweis und dem Elfmeter war alles kaputt. Zu elft hätten wir noch die Chance auf das 1:1 gehabt, so war alles hinfällig.“ (gül/mro/wab/fm)

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