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Landkreis Dillingen

21.02.2020

Von kurios bis gruselig: Die Geschichte der Sportlerbälle im Landkreis

Eine gewisse Foto-Unschärfe muss hier kein Nachteil sein: die Lauinger Handballer bei ihrem legendären „Sombrero-Auftritt“ Anfang der 90er-Jahre – und oben 1984 noch in Schwarzweiß als Steinzeit-Germanen.
Bild: tvl

Plus Sportlerbälle einst und heute: Osterbuchs „Halle des Schreckens“, Pfaffenhofens „Helden der Kindheit“. Die Faschingsflaute der 90er-Jahre scheint überwunden. Das ist das Trendgetränk.

Der alte Gassenhauer triff auf Sport wie Fasching zu: „Auf und nieder, immer wieder, …“, gilt beim Training ebenso wie beim närrischen Treiben im Vereinsheim: „...hammer’s erst gestern g’macht, mach mer’s heut’ au!“ Dass Fußballer, Handballer, Schützen und Co. nicht nur nach sportlichen Erfolgen ausgelassen Stimmung machen können, ist kein Geheimnis. Geht es aber heutzutage immer noch dermaßen rund wie in früheren Jahrzehnten, als der Sportlerball zur fünften Jahreszeit ein absoluter Höhepunkt des geselligen Gemeinschaftslebens war? Gerade in kleineren Orten. Drücken Rauchverbot oder geändertes Konsumverhalten bei alkoholischen Getränken auf die Laune? Darf man sich vor dem Hintergrund von Rassismus- und Genderdiskussionen noch guten Gewissens als Indianer und Mohr verkleiden – oder als Mann im Bikini präsentieren? Sorgen eine Live-Band oder der DJ für die „Mucke“? Und ist der Faschingsball im Sportverein überhaupt noch angesagt? Wir hörten uns im Landkreis um.

Aus drei wird zwei in Lauingen

Ende der 70er- und in den 80er-Jahren war Lauingens Stadthalle „das“ Epizentrum des lokalen Faschings. Daran hatten auch die beiden größten Vereine der Stadt ihren Anteil: mit oft frühzeitig ausverkaufen, rauschenden 1000-Besucher-Bällen. Der TV Lauingen mit dem TV-Ball, die Wintersportabteilung mit dem Ski-Ball und die Lauinger Fußballer mit dem FCL-Ball. Zwei davon haben die vielerorts registrierte leichte Faschings-Flaute der 90er-Jahre überlebt: Ski-Ball und FCL-Ball (letzterer steigt am heutigen Samstag!). Der TV-Ball wurde vor rund 25 Jahren eingestellt – eine närrische Delle in der Herzogstadt.

„Irgendwie hat das keinen mehr interessiert“, sagt Franz Thomas und blickt auch auf eine andere Lauinger Faschingsveranstaltung zurück, die fast zeitgleich aufgegeben wurde – den legendären Handballer-Ball. Der „Hababa“ wurde Mitte der 70er-Jahre im Gasthaus Pflug gefeiert, zu John Paul Youngs „Love is in the air“ aus der Jukebox. Die närrische Veranstaltung wechselte dann in den Ruderclub und schließlich in die TV-Halle.

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Die Familie von Franz Thomas hat damals die Garderobe in der Stadthalle organisiert. Heute ist der Ex-Handballer zwar in seinem Sport noch als Schiedsrichter unterwegs, bei Faschingsbällen allerdings nicht mehr. Thomas zählt zur „Generation 60plus“ und sagt: „Man sieht das etwas nüchterner – in jeder Beziehung.“

Gruseliges Treiben in Osterbuch

1976 veranstaltete der FC Osterbuch seinen ersten Sportlerball – und es gibt ihn immer noch. Vorsitzender Michael Abold: „Dieses Jahr war der Sportlerball wieder ein gelungener Abend,“ Er räumt aber ein: „Im Gegensatz zu der Veranstaltung Weiberfasching, welche zum zweiten Mal in Folge wegen zu geringer Teilnehmerzahl nicht mehr veranstaltet wurde.“ Beim Ball wird freilich weiter fröhlich gefeiert, „Alkohol wird genau so viel wie früher getrunken“, so Abold. Muss vielleicht auch sein, denn es war ein gruseliges Treiben Ende Januar in Osterbuch unter dem Motto „Halle des Schreckens“. Dafür, dass sich niemand zu sehr fürchtete, sorgten die Faschingsfreunde Steinheim, eine einladende Bar mit großer Auswahl an alkoholischen Getränken und DJ Achim mit traditioneller Faschingsmusik. Die kleine Turnhalle war wieder komplett gefüllt mit Vereinsmitgliedern, Gästen aus Osterbuch und Faschingsbegeisterten aus der Umgebung. Wegen des Erfolgs wird das närrische Treiben höchstwahrscheinlich auch nächstes Jahr wieder stattfinden.

Letzter Faschingsball in Pfaffenhofen

In die Vergangenheit zurück blickten die Pfaffenhofener am gleichen Januar-Samstag unter dem Motto „Helden der Kindheit“ bei ihrem jährlichen Schützenball. Die Mottoparty war mit 160 Besuchern, überwiegend Vereinsmitglieder und Ortsansässige, ein amüsantes Faschingstreiben. Hubertus-Vorsitzender Markus Braun: „Den Schützenball zu organisieren, macht dem Verein trotz vieler Arbeit riesigen Spaß. Außerdem ist es der letzte Faschingsball im Dorf Pfaffenhofen, der noch aufrechterhalten wird.“ Der Unterschied zu früher sei, dass die jungen Leute damals mehr Bier und heutzutage mehr Schnaps konsumieren. Braun: „Geraucht wird etwas weniger, dazu muss man ja raus in die Kälte.“ Neu beim Ball im alteingesessenen Schützenheim, der dort seit 1979 gefeiert wird, war heuer der Musikverantwortliche. Für den langjährigen DJ Norre (Norbert Müller) sorgte Christian Leissner für Stimmung bis in die frühen Sonntagmorgenstunden.

Lutzingen: zeitweise zweimal 300 Besucher

Auch bei den Fußballern der SG Lutzingen wird die fünfte Jahreszeit seit 1974 mit einem Sportlerball gefeiert. In den 90er Jahren war das Interesse dafür auch nicht mehr so groß. Um dem Besucherschwund zu trotzen, versuchte man es mit einem neuen Format – dem Kappenabend. Mit großem Erfolg, der Zulauf war so groß, dass bis 2011 sogar zwei Veranstaltungen an einem Wochenende stattfanden. Mit jeweils 300 Besuchern pro Abend. Seit einigen Jahren können sich die Besucher frei nach Lust und Laune, ganz ohne Motto ihre Faschingsverkleidung präsentieren. Die Besucherzahl hat sich jedoch auf rund 200 Besucher reduziert. Fußball-Abteilungsleiter Harald Rieder berichtet: „Seit 2013 haben wir die Band Blue Swing engagiert, welche die Stimmung noch so richtig angeheizt hat.“ Rauchen und Alkoholkonsum? Rückläufig. Einlagen der Faschingsgesellschaft Epponia oder das kleine Prinzenpaar aus Höchstädt rundeten heuer den närrischen Abend ab.

Kicker des SC Unterliezheim "glänzen"

Zur Fasnacht findet seit 15 Jahren der Sportlerball des SC Unterliezheim im örtlichen Klosterbräu statt. Dabei glänzen die Fußballer mit ihren Show-Einlagen. Grundsätzlich gibt es für das Faschingstreiben kein vorgegebenes Motto, um den Besuchern eine freie Auswahl der Kostümierung zu ermöglichen. Seit vielen Jahren heizt die Band Riccardos den Narren mit stimmungsvoller Musik ein, auf die es sich gut tanzen lässt. Die Gästezahl liegt konstant bei rund 150 Besuchern, das Publikum ist bunt gemischt aus heimischen Gästen, Vereinsmitgliedern und Fußball-Kameraden, die sogar bis aus dem oberen Kesseltal zum bunten Faschingstreiben nach Unterliezheim kommen. SCU-Vorstandsmitglied Peter Hurler: „Unsere Spieler helfen beim Auf- und Abbau kräftig zusammen. Das Rauchverhalten und der Alkoholkonsum sind je nach Stimmungslage. Jedes Jahr wird ein neues Trendgetränk hervorgehoben, in diesem Jahr wurde der altbewährte Gin-Tonic ausgeschenkt.“

In diesem Sinne für die restliche Faschingszeit: Helau! Blunz blauz! Oder wie auch immer der närrische Gruß lautet.

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