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Verkehr 

16.11.2019

Birnbaum ab, Brunnen weg, Bankett zerstört

So sieht es aus, wenn sich ein 40-Tonner durch die Altstadt in Harburg zwängt. Trotz Verbots wählten täglich Lkw-Fahrer diesen Weg. An mehreren Gebäuden entstanden Schäden. Die Verursacher flüchteten meistens.
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So sieht es aus, wenn sich ein 40-Tonner durch die Altstadt in Harburg zwängt. Trotz Verbots wählten täglich Lkw-Fahrer diesen Weg. An mehreren Gebäuden entstanden Schäden. Die Verursacher flüchteten meistens.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Die Sperrung der B25 zwischen Harburg und Großsorheim und der daraus resultierende Ausweichverkehr hat viele Anwohner genervt sowie Behörden und Polizei eine Menge Arbeit beschert. Eine Bilanz. 

„Wir atmen auf.“ Mit diesen Worten hat der Harburger Bürgermeister Wolfgang Kilian am Freitagvormittag die Tatsache kommentiert, dass die B25 zwischen Harburg und Großsorheim wieder frei ist. Über 70 Tage war die Bundesstraße gesperrt, auf der täglich im Schnitt so um die 14000 Fahrzeuge unterwegs sind. Den Umleitungsschildern zufolge sollten die Verkehrsteilnehmer die Umleitung über Monheim, Wemding und Fessenheim nehmen. Doch es kam anders. Auto- und Lkw-Fahrer nutzten täglich zu Tausenden jeden erdenklichen Schleichweg in der Burgstadt und deren Umgebung. Das verärgerte nicht nur viele Anwohner, sondern sorgte auch für zahlreiche Schäden – vor allem durch Lastwagen. Nun ist der Spuk vorbei. Zeit für eine Bilanz.

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Aus dem Asphalt gerissen: diese Fahrbahnbegrenzung in Großsorheim.
Bild: Wolfgang Widemann

Schon wenige Tage nach dem Start der Bauarbeiten und der damit verbundenen Sperrung der Bundesstraße riefen die Bewohner des Stadtteils Heroldingen regelrecht um Hilfe. Zählungen ergaben, dass täglich rund 10000 Pkw- und mehr als 1000 Lkw-Fahrer den kürzesten Umweg durch das Dorf nahmen. Das Landratsamt reagierte und sperrte die ohnehin schon sanierungsbedürftige Kreisstraße für Laster.

Wer gedacht hatte, das Verkehrsproblem sei damit gelöst, musste sich schnell eines Besseren belehren lassen. Zwar wählten mehr Verkehrsteilnehmer die offizielle Umleitungsstrecke über B2 und Staatsstraßen, jedoch ignorierte ein Teil der Lkw-Fahrer sämtliche Hinweis- und Verbotsschilder – und versuchte, die Altstadt in Harburg zu durchqueren. Deren Gassen sind für 40-Tonner jedoch schlicht zu schmal. Dutzende Male schrammten Lastwagen in der Nördlinger Straße am Haus von Hilmar Maiwald. Von alleine gestoppt hat dem Anwohner zufolge kein einziger. Auch andere Hausbesitzer im historischen Zentrum erwischte es. Mal wurde eine Haustreppe zertrümmert, mal ein Gartenzaun eingedrückt. Auch ein rund 100 Jahre alter Birnbaum an der Burgstraße musst dran glauben. Ein Lkw fällte ihn. An der Unfallstelle blieb ein Blinker zurück.

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Die Polizei zeigte im Raum Harburg über 300 Lkw-Fahrer an.
Bild: Wolfgang Widemann

Der unrühmliche Höhepunkt: Am 26. September rauschte ein Ukrainer mit seinem Sattelzug in die Altstadt, streifte mehrere Häuser und entschied sich dann für etwas, was schlicht unmöglich ist: Der 45-Jährige wollte von der Nördlinger Straße kommend am Marktplatz nach rechts in die Schlossstraße abbiegen. Blöd nur, dass an der Ecke der Marktplatzbrunnen im Weg war. Der Laster riss das filigrane, von Touristen oft fotografierte Werk des Künstlers Fred Jensen komplett vom Sockel.

Der aus Bronze gefertigte Brunnen wurde ziemlich demoliert, kann aber – so stellte der Erschaffer fest – repariert werden. Kürzlich ist nach Auskunft von Bürgermeister Wolfgang Kilian im Auftrag der Versicherung, bei welcher der Lkw gemeldet war, eigens eine Kunstsachverständige aus Hamburg angereist, um den künstlerischen Wert des Brunnens zu beurteilen. Der Schaden an diesem dürfte bei über 100000 Euro liegen. Das Kunstwerk soll laut Kilian hergerichtet und wieder aufgestellt werden. Dies sei augenscheinlich der Wunsch der Bevölkerung und des Stadtrats.

Von einem Laster gefällt: dieser Birnbaum in der Burgstraße in Harburg.
Bild: Wolfgang Widemann

Der größte Schaden entstand an der Burgstraße auf dem Abschnitt zwischen B25 und der Einmündung der Schlossstraße. Die Straße am Hang war dem Gewicht der 40-Tonner nicht gewachsen. Die Laster zogen tiefe Furchen ins talseitige Bankett, die Straße drohte regelrecht abzubrechen. Deshalb wurde sie verengt und mit einer Ampel versehen. Auch das hielt Lkw-Fahrer nicht davon ab, trotz Verbots diesen Weg zu nehmen.

Der Abschnitt der Burgstraße muss erneuert werden. Die Kosten werden dem Bürgermeister zufolge auf rund 600000 Euro geschätzt. Vorerst ist die Verbindung von der B25 her nur noch als Einbahnstraße benutzbar – bis eine Firma den Asphalt provisorisch ausbessert. Die Stadt hofft, dass sie eine staatliche Förderung für die Erneuerung bekommt, die 2020 stattfinden soll.

Dieser Abschnitt der Burgstraße in Harburg drohte durch das Gewicht der Lastwagen abzurutschen. Die Fahrbahn muss nun erneuert werden. Kosten: schätzungsweise 600000 Euro. Zunächst wird die Burgstraße jetzt zur Einbahnstraße.
Bild: Geyer

Mächtig Arbeit beschert haben der Ausweichverkehr und seine Folgen auch die Polizei. Die zeigte in den vergangenen Wochen insgesamt gut 300 Lkw-Fahrer an, die sich in Harburg und in Heroldingen nicht an das Durchfahrtsverbot hielten. Bei den Gesetzeshütern wurden im Harburger Stadtgebiet auch zwölf Unfallfluchten aktenkundig sowie zehn Verkehrsunfälle auf den Ausweichstrecken. Es gab sieben Verletzte. Bemerkenswert: Zwei der Unfallfluchten passierten im Stadtteil Schrattenhofen, wo es nicht einmal eine Durchgangsstraße gibt. Lkw-Fahrer verirrten sich dorthin und prallten beim Wenden gegen geparkte Autos. Kurios: Ein Autofahrer, der auf den Radweg neben der gesperrten B25 auswich, stieß mit ordentlicher Geschwindigkeit mit einem Reh zusammen. Bei einer Kontrolle in der Burgstraße in Harburg ging der Polizei ein Lkw-Fahrer ins Netz, der 1,7 Promille Alkohol im Blut hatte.

Damit nicht genug: Ein Laster prallte bei einem Rangiermanöver in Harburg gegen ein Polizeiauto. An diesem entstand Totalschaden.

Man habe leider erkennen müssen, dass ein Teil der Verkehrsteilnehmer die Verbotsschilder einfach ignoriere, erklärt Stephan Roßmanith, Pressesprecher der Polizeiinspektion Donauwörth. Auch das Bußgeld für Lkw-Fahrer schrecke offenbar nicht ab. Eine weitere Erkenntnis: Lkw-Fahrer verlassen sich blind auf ihr Navigationsgerät. Das sei oft ein Mobiltelefon mit Google Maps. „Sie sind anscheinend mehr auf der Handyspur als auf der realen Fahrspur“, merkt Roßmanith dazu an.

Mit Putzbrocken übersät war die Nördlinger Straße an dieser Stelle, nachdem gleich mehrere Lastwagen das denkmalgeschützte Haus von Hilmar Maiwald geschrammt hatten.
Bild: Wolfgang Widemann

Eine Erfahrung der vergangenen Wochen sei, dass man bei derartigen Sperrung künftig „gleich vom ersten Tag an alle Register ziehen muss“. Soll heißen: Sofort bauliche Maßnahmen treffen, wo sie möglich sind, und Präsenz zeigen.

Für die Bundes- und Staatsstraßen im Donau-Ries-Kreis verantwortlich ist das Staatlichen Bauamts Augsburg. Dessen Vertreter Stefan Greineder wehrt sich dagegen, dass seine Behörde angesichts der Probleme wiederholt den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen habe. Tatsache sei aber, dass das Bauamt nicht für die Kreis- und Gemeindestraßen verantwortlich sei. Die zuständigen Stellen seien im Vorfeld bereits mit am Tisch gesessen und hätten reagieren können.

Blechlawine in Heroldingen: Viele Verkehrsteilnehmer wählten diese Route.
Bild: Wolfgang Widemann

Bürgermeister Wolfgang Kilian ist derweil froh, dass im Stadtgebiet keine Fußgänger zu Schaden gekommen sind: „Wir sind heilfroh, dass es so abgegangen ist.“ Die Nerven der Harburger seien schon arg strapaziert worden. Die Stadt werde jetzt einen Planer beauftragen, um mit baulichen Maßnahmen vor allem in der Nördlinger Straße die Lastwagen abzuhalten, denn: „Die nächste Sperrung der B25 kommt bestimmt.“

Lesen Sie dazu den Kommentar von Wolfgang Widemann

B 25: Das Problem mit den Lastwagen

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