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Landkreis Donau-Ries

07.10.2019

Das Aus für lukrative Sparverträge

Alte Prämiensparverträge boten den Kunden der Sparkassen oft lukrative Zinssätze, mit denen am Ende des Jahres ein dickes Plus im Sparschwein beziehungsweise auf dem Konto zu verzeichnen war. Damit ist nun Schluss.
Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Plus Die Sparkasse Neuburg-Rain hat alte Prämiensparverträge gekündigt und reagiert damit auf die aktuelle Zinspolitik der EZB. Wie die Situation bei anderen Geldinstituten aussieht.

Überraschend kam der Brief für den Mann aus der Region, nennen wir ihn Herr Schmitt, nicht. Es hatte sich bereits angekündigt, dass wohl viele Banken nach und nach lukrative Altverträge ihrer Kunden kündigen und damit auf die aktuelle Zinspolitik der EZB reagieren würden. Kürzlich also lag der Brief im Briefkasten. Darin informierte die Sparkasse Neuburg-Rain Herrn Schmitt, dass sie seinen Prämiensparvertrag, den er Ende der 90er Jahre mit einem Zinssatz von über drei Prozent abgeschlossen hatte, kündigen werde.

Erst im Mai entschied der Bundesgerichtshof, dass langjährige Prämiensparer die Kündigung hinnehmen müssen, wenn die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft ist. Denn die Verträge haben zwar keine Laufzeit, aber neben den Zinsen gibt es Bonuszahlungen, die Jahr für Jahr ansteigen, bis zuletzt eine 50-prozentige Prämienzahlung auf die Sparbeiträge erreicht ist. Genau das machte das Modell für Sparer auch so attraktiv.

Bei der Sparkasse Neuburg-Rain sind rund 1300 Kunden von den Kündigungen betroffen. Deren Verträge laufen seit mindestens 15 Jahren, haben keine Endfälligkeit und die höchste Prämienstufe ist bereits erreicht. „Die aggressive Geldpolitik der EZB macht derartige Entscheidungen nicht leichter“, sagt Vorstandsvorsitzender Nils Niermann. Denn mittlerweile müssen die Banken, um ihr Geld bei der EZB einzulagern, Strafzinsen zahlen. Und das bekommen nun auch die Sparer zu spüren. Niermann betont, dass die Bank den Großteil der betroffenen Kunden bereits im Vorfeld informiert habe und ihnen auch alternative Anlageformen angeboten hat beziehungsweise anbieten wird. Die Kündigungen gelten zum Ende des Jahres.

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Sparkasse Donauwörth kündigt Gespräche mit betroffenen Kunden an

Von der Sparkasse Donauwörth heißt es auf Anfrage, dass man ein regionales Kreditinstitut ist, „dessen Geschäftsmodell nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt“ sei. Vielmehr trage die Sparkasse Donauwörth zum Gemeinwohl in ihrem Geschäftsgebiet bei und übernehme Verantwortung in der Region. „Dies gelingt uns jedoch nur, wenn die Sparkasse selbst stabil, wirtschaftlich gesund und zukunftsfähig aufgestellt ist“, so Thomas Deuter von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Daher müsse man sich den aktuellen Herausforderungen wie Strafzinsen und Niedrigzinsphase stellen.

Deuter weiter: „Bis zum Jahresende werden wir mit allen Kunden, deren Prämiensparverträge bereits seit mindestens 21 Jahren bestehen und die mit Erreichung der höchsten Prämienstaffel ihren Vertragszweck erfüllt haben, persönliche Gespräche führen.“ Gemeinsam sollen Lösungen gefunden werden, wie die Wiederanlage des angesparten Guthabens und der Sparrate auch im derzeitigen Marktumfeld noch mit attraktiven Renditechancen erfolgen kann. „Hierfür haben wir für diese Kunden bis zum Jahresende 2019 zusätzlich sehr interessante Angebote und Vergünstigungen geschaffen.“

Lesen Sie hierzu auch: Sparkasse München kündigt 28.000 Prämien-Sparverträge

Kündigung der Verträge bis 1. Mai 2020

Für die betroffenen Prämiensparverträge, die laut BGH-Urteil kündbar sind und die Ende Januar 2020 noch bestehen, werde die Sparkasse Donauwörth mit dreimonatiger Kündigungsfrist zum 1. Mai 2020 die Kündigung aussprechen. Aus zahlreichen bereits hierzu stattgefundenen Gesprächen könne man Deuter zufolge berichten, dass die Kunden durchaus Verständnis für das Handeln der Sparkasse zeigen.

Den 1. Mai im kommenden Jahr hat auch die Sparkasse Dillingen-Nördlingen im Blick. Auch hier gehe es um Kunden, die seit mindestens 15 Jahren einen Prämiensparvertrag besitzen, der sich in der höchsten Prämienstaffel befindet und nach dem 31. Dezember 2019 noch besteht, heißt es vom Vorstand. Trotz der Niedrigzinsphase gebe es auch im heutigen Marktumfeld attraktive Anlagemöglichkeiten zum mittel- und langfristigen Vermögensaufbau mit attraktiven Renditechancen.

Die anhaltende Niedrigzinsphase stelle zwar auch für Genossenschaftsbanken eine Herausforderung dar. Dennoch sei eine Kündigung der bestehenden Zielsparpläne laut Vorstandssprecher Michael Kruck von der Raiffeisen-Volksbank Donauwörth nicht angedacht: „Wir halten uns an die gültigen Verträge“.

Die VR Bank Neuburg-Rain sehe momentan ebenfalls nicht die Notwendigkeit für eine solche Maßnahme, sagt Vorstandsvorsitzender Werner Halbig. „Vermutlich gibt es auch bei uns solche Verträge, aber wir machen es nicht. Und wenn es einmal notwendig sein sollte, dann nicht in Bausch und Bogen. Wir würden da immer Einzelfallentscheidungen treffen.“

Mehr zum Thema: Sparverträge werden oft falsch verzinst

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