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Donauwörth

22.07.2020

Donauwörth: Ein Schutzstreifen für Radler soll kommen

Radfahren, wie hier in der Donauwörther Bahnhofstraße, kann mancherorts gefährlich sein – zumal die Radler leicht übersehen werden. Optische Markierungen auf der Fahrbahn sollen in Zukunft in Donauwörth mehr Menschen auf die Räder bringen und mehr Sicherheit bieten.

Plus Ab Montag wird Donauwörth zur Modellstadt im Kreis. Die ersten Sicherheitsstreifen für den Radverkehr werden markiert. Wo sie zu sehen sein könnten.

Das Schild vor dem kleinen Brücklein ist zwar etwas unscheinbar, aber es befindet sich prominent platziert auf Kopfhöhe der Zweiradfreunde. „Radfahrer absteigen“ steht darauf, aber kaum jemand an diesem Sommernachmittag scheint einen Gedanken daran zu verschwenden, auch nur mal abzubremsen. Daneben, auf der Straße zwischen Donaubrücke und Nordheim, ist indessen viel los. Autos, Lastwagen, Baufahrzeuge. Es braucht Konzepte, um den Radverkehr sicherer zu machen, das ist seit Langem klar. In Donauwörth wird am kommenden Montag ein richtungsweisender Schritt unternommen: Der erste Schutzstreifen für Radfahrer wird in der Berger Allee auf die Fahrbahn aufgebracht.

"Das ist unbedingt zu unterstützen"

Um 9 Uhr sollen Arbeiter die weißen Markierungen auf der viel befahrenen Berger Allee aufmalen. Stephan Roßmanith ist Polizeihauptkommissar in Donauwörth und hat auch ein Amt inne, das den etwas sperrigen Namen „Sachbearbeiter Verkehr für den Landkreis Donau-Ries“ trägt. Doch der Titel sagt einiges aus: Roßmanith hat einiges an Konzepten studiert, die das Leben für Fußgänger, Radler und auch Autofahrer leichter gestalten könnten. Die Schutzstreifen für Fahrradfahrer gehören seiner Meinung nach zweifellos dazu: „Das ist unbedingt zu unterstützen“, kommentiert er den Entschluss zu den Markierungen.

Die Stadt Donauwörth und die Polizei zögen hierbei „an einem Strang“, um letztlich ein Mehr an Sicherheit zu gewährleisten. Und dabei handele es sich nicht etwa nur um ein Randthema im Bereich Verkehr. Trauriges Beispiel: Voriges Jahr ereignete sich in Rain ein tödlicher Unfall, als ein Radfahrer eine Frau mit Rollator übersah und diese unglücklich stürzte. So etwas passiere auch, wenn die Radfahrer aus Angst, sonst ungeschützt auf viel befahrenen Straßen zu fahren, auf Fußwege ausweichen.

Optische Linien

Bei jenen Streifen für die Radler auf den Fahrbahnen handele es sich um optische Linien, die von Kraftfahrzeugen nur ausnahmsweise – nämlich um notfalls auszuweichen – befahren werden dürfen; es darf auch nicht darauf geparkt oder gehalten werden. In anderen Städten, etwa in Augsburg, Dillingen und Steinheim sind die Streifen schon einige Zeit markiert. Vom Kreis Dillingen weiß Roßmanith zu berichten, dass es dort „keinerlei Probleme“ gebe – im Gegenteil: „Es läuft tadellos.“ Freilich seien die Markierungen „nur die zweitbeste Lösung“: Sie böten schließlich „keinerlei physischen Schutz“ – aber die Psychologie spielt eben auch mit. Roßmanith vergleicht den Unterschied Schutzstreifen – abgegrenzter Radweg mit dem Verhältnis Haustüre und Grenzlinie. Sprich: Bei dem einen kommt man nicht durch, das andere setzt Gesetzestreue beziehungsweise Anstand voraus. Oder auch, das gehört seit jeher leider zur Lernpsychologie: die Angst vor Sanktionen.

Indessen will man in Donauwörth die Radmarkierungen auch an weiteren Abschnitten aufbringen: Sie sind angedacht an der Dillinger Straße/Bahnhofsstraße, Zirgesheimer Straße sowie zwischen Nordheim und Umkehr. In der Pflegstraße wäre es wohl derzeit nicht wirtschaftlich, die Markierungen jetzt schon aufzubringen, sagt Roßmanith, da die Straße wahrscheinlich in absehbarer Zeit saniert werde.

In Nördlingen gibt es ein anderes Konzept

Donauwörth gilt derweil als Modellstadt für die schützenden Streifen im Landkreis Donau-Ries. In Nördlingen bedient man sich eines etwas anderen Konzepts, sogenannter Sharrows. Dabei handelt es sich um aufgesprühte Pfeile und Rad-Piktogramme auf der Fahrbahn. Der Nachteil laut dem Verkehrsexperten: Diese Markierungen hätten im Gegensatz zu den Schutzstreifen „keine Bindungswirkung“, eine Nichtbeachtung könne nicht sanktioniert werden.

Donauwörths Oberbürgermeister Jürgen Sorré sprach zuletzt von „deutlichen Verbesserungen für Radfahrer“ durch Schutzstreifen. Grundsätzlich sind vom Gesetzgeber bestimmte Weg- und Straßenbreiten für die Benutzung durch Radfahrer vorgeschrieben, sowohl im Falle eines für Radfahrer freigegebenen Gehweges als auch für Fahrradschutzstreifen auf der Straße. OB Sorré erklärt: „Deswegen nutzt die Stadt Donauwörth kontinuierlich die Chance, bei allen Straßenbaumaßnahmen das Radwegenetz Schritt für Schritt auszubauen und zu verbessern. Das geht natürlich meist ein Stück zulasten der Straße, die dadurch schmäler wird, aber wir möchten Radfahrern, wo immer es möglich ist, sichere Alternativen weg von der Straße anbieten.“

Schutzstreifen nur innerorts möglich

Schutzstreifen seien rechtlich nur innerorts möglich, wo es die Straßenbreite entsprechend zulässt, es sinnvoll ist und es die Gefahrenlage zulässt, heißt es aus dem Donauwörther Rathaus. Auch aus Sicht der Stadt wären Schutzstreifen beispielsweise in der Augsburger und Rainer Straße, der Nürnberger Straße, der Dillinger Straße, der Perchtoldsdorfer Straße und der Zirgesheimer Straße sinnvoll.

Beidseitige Schutzstreifen für Radler sind laut Polizei auf Fahrbahnen, deren Mindestbreite sieben Meter beträgt; sie selbst sind dann 1,25 Meter breit. \u0009

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