Newsticker

Corona-Neuinfektionen mit 23.449 Fällen leicht über Vorwochenniveau
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Ein großer Name – und viele Rätsel

Rain

06.10.2017

Ein großer Name – und viele Rätsel

Ausschnitt aus dem Titelblatt der Erstausgabe des Sternenatlas „Uranometria“ von Johannes Bayer. 
Bild: Foto: fondosdigitales

Der Astronom Johannes Bayer wird zum Jubiläum des Freundeskreises Alt Rain in den Fokus gerückt. Professorin Dr. Christine Zerbe will Licht ins Dunkel um diese historische Persönlichkeit bringen

Es gibt zwei Örtlichkeiten in Johannes Bayers Heimatstadt Rain, an denen der große Astronom verewigt ist: Die dortige Grundschule trägt seinen Namen und eine Straße ist ihm gewidmet, die von der evangelischen Kirche zum Bahnhof führt. Darüber hinaus wissen wohl die wenigsten Menschen knapp 400 Jahre nach seinem Tod noch, wer er eigentlich war, was er geleistet hat und warum er zu den großen Söhnen der Stadt gehört. In der Tat ist heute eine Vielzahl von Spuren verwischt, die Bayer zeitlebens hinterlassen hat.

Sein Wirken – ja, das lässt sich eher fassen. Es hat sich vor allem im Sternenatlas „Uranometria“ manifestiert. Aber sein Leben? Wer war der Mensch Johannes Bayer? Kein einziges Bild, keine Porträtzeichnung von ihm existiert. Und seine Biografie scheint im Jahr 2017 nur noch aus Bruchstücken zu bestehen. Sie zusammenzufügen, nimmt sich die Naturwissenschaftlerin Dr. Christine Zerbe vor. Die Professorin der Hochschule Augsburg will am Mittwoch, 11. Oktober, Licht ins Dunkel bringen. Ihr Vortrag im Rahmen des 20. Jubiläums des Freundeskreises Alt Rain beginnt um 19 Uhr in der – wie sollte es anders sein – Johannes-Bayer-Grundschule Rain. Wir sprachen vorab mit Christine Zerbe über Johannes Bayer.

Frau Dr. Zerbe, Johannes Bayer wurde 1572 in geboren und starb 53-jährig in Augsburg. Was war das für eine Zeit, in der er gelebt und wissenschaftlich gearbeitet hat? Wie müssen wir uns die Lebensumstände und die Umstände seiner Forschung vorstellen?

Christine Zerbe: Die Zeit Bayers war eine ereignisreiche Zeit, eine „Welt im Wandel“. Das galt für die Astronomie, die geprägt war von einem Umsturz des herrschenden Weltbilds. Die moderne Weltsicht mit der Trennung von Wissenschaft und Religion kam schon allmählich auf. Allerdings verlief dieser Wandel nach dem Motto „Zwei Schritte vor, einer zurück“. Und auch die Gesellschaft befand sich im Wandel. Augsburg kämpfte mit Arbeitslosigkeit und Armut. Die Zeit der großen Handelshäuser Fugger und Welser war abgelaufen. Dies führte zu Veränderungen in der Stadt. Doch scheint Bayer in geordneten Verhältnissen gelebt zu haben, die ihm erlaubten „Hobbies“ wie der Archäologe und Astronomie nachzugehen.

Eigentlich war Johannes Bayer von Beruf ja Jurist. Als solcher hat er in Augsburg gearbeitet. War er Richter, war er Advokat? Was weiß man darüber?

Christine Zerbe: Nach seinem Studium hat er zuerst selbstständig als Jurist gearbeitet. Seit 1612 war er dann ein so genannter Ratskonsulent. Das ist ein juristisch kundiger Berater des städtischen Rats gewesen. Diese Position hatte er bis zu seinem Tod inne.

Wie waren die Lebensumstände in seinem Elternhaus? Und hatte er selbst auch Familie?

Christine Zerbe: Leider ist über sein Elternhaus nichts bekannt. Weder wo es stand, noch wer seine Eltern waren. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die Kirchenbücher der Stadtpfarrei, die darüber Auskunft hätten geben können, vernichtet. Seine Familie schien aber nicht besonders wohlhabend gewesen zu sein, da er während des Schulbesuchs und des Studium von Rainer Geistlichen und Professoren finanziell unterstützt wurde. Bayer selbst blieb Zeit seines Lebens unverheiratet.

Was hat Johannes Bayer der Nachwelt hinterlassen? Ist seine Forschung im 21. Jahrhundert noch von Bedeutung?

Christine Zerbe: Sein Himmelsatlas „Uranometria“ ist heute noch jedem Astronomen – egal ob Profi oder Amateur – ein Begriff. Die darin eingeführte Bezeichnung der einzelnen Sterne in einem Sternbild wird seitdem verwendet.

Was ist das Besondere seiner „Urometria“?

Christine Zerbe: Sein Himmelsatlas enthielt mehr Sterne als vergleichbare Werke, die figürliche Darstellung trat zugunsten der Genauigkeit der Sternpositionen in den Hintergrund und er führte eine Bezeichnungen für die Sterne ein. Die Karten waren für die Anwendung praktisch, da sie den Himmel so zeigten, wie wir ihn sehen - nicht „von außen“ wie Vorgängerwerke.

Ist in der Zukunft mit weiteren Erkenntnissen zum Leben Johannes Bayers zu rechnen?

Christine Zerbe: Vermutlich schlummern im Augsburger Stadtarchiv noch einige Schriftstücke, die Auskunft zu seinem Leben geben können. Auch wenn es oft nur kleine „Puzzlestücke“ sind, die auftauchen, ergeben sie vielleicht doch nach einiger Zeit ein genaueres Bild.

Info Der Vortrag der Augsburger Professorin Dr. Christine Zerbe über den Astronomen Johannes Bayer findet am kommenden Mittwoch, 11. Oktober, um 19 Uhr in der Johannes-Bayer-Grundschule statt. Der Eintritt ist frei.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren