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Stromtrasse

29.05.2014

Gegen die Stromtrasse: Widerstand über Grenzen hinweg

Die geplante Stromtrasse soll von Sachsen-Anhalt bis nördlich von Augsburg reichen.
Bild: Christoph Schmidt, dpa

Marxheim, Oberndorf und Mertingen schließen sich überregionalem Verein gegen die Stromtrasse an. Abgeordneter Lange sieht so keine Zukunft für das Projekt.

Die Gegner der geplanten Stromtrasse von Bad Lauchstädt nach Meitingen organisieren sich nun auch überregional. Am Montagabend hat sich im oberfränkischen Pegnitz der Verein „Kommunen gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost“ gegründet. Zu den 26 Kommunen, die beigetreten sind, gehören auch die Gemeinden Marxheim, Oberndorf und Mertingen aus dem Landkreis Donau-Ries.

Das Landratsamt war selbst nicht vertreten, sondern ließ sich über das Landratsamt Eichstätt informieren. Die Gemeinde Niederschönenfeld hat bereits angekündigt, ebenfalls beitreten zu wollen. Marxheims Bürgermeister Alois Schiegg, seit Beginn an der Spitze der Gegner auf kommunaler Ebene, wird vermutlich als Mitglied des Vorstandes berufen. In diesem Gremium soll je ein Bürgermeister der insgesamt zwölf betroffenen Landkreise vertreten sein.

Leitung von Sachsen-Anhalt bis Augsburg soll verhindert werden

Hauptziel des Vereins ist es, die Leitung von Sachsen-Anhalt bis nördlich von Augsburg zu verhindern. Pro Einwohner zahlen die beigetretenen Gemeinden einen Beitrag von 50 Cent. Damit sollen unter anderem Gutachten finanziert werden. Schiegg, der mit seinen Bürgermeisterkollegen aus Mertingen, Albert Lohner, und Hubert Eberle aus Oberndorf bei der Gründungsveranstaltung dabei war, will nichts unversucht lassen, die Trasse zu verhindern.

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So organisierte er auch, dass bis zum heutigen Stichtag rund 1000 Briefe aus Marxheim und den benachbarten Kommunen an die Bundesnetzagentur gesandt wurden. Denn am 28. Mai endet die Möglichkeit, dass Bürger, Gruppierungen und Kommunen zum Netzentwicklungsplan 2014 und zur strategischen Umweltprüfung des Projekts Stellung nehmen können. Auch Landrat Stefan Rößle und viele Städte und Gemeinden haben ihre Stellungnahmen und Einwände dorthin gesandt.

Dienstagabend hat die Stadt Harburg ein entsprechendes Schreiben im Stadtrat noch verabschiedet. Bis 19 Uhr sind laut Amprion 3986 Stellungnahmen eingegangen. „Wenn ich sehe, dass allein wir 1000 Einschreiben und E-Mails abgeschickt haben, kann ich diese Zahl nicht für richtig halten“, sagt Alois Schiegg.

Mehrheit der Bürger gegen Stromtrasse

Sowieso ärgert er sich maßlos über den Ablauf der Planungen. Es sei extrem unübersichtlich, zu was Bürger und Kommunen bis zu welchem Zeitpunkt Stellung nehmen dürfen. Für Schiegg eine Taktik, die Bürger mürbe zu machen. Wer nichts schreibe, könne damit rechnen, nicht weiter per E-Mail informiert zu werden. Und ob die Einwände tatsächlich berücksichtigt werden, sei ja gar nicht klar.

Der Widerstand gegen die geplante Stromtrasse formiert sich an vielen Orten im Landkreis – hier ein Schild am Ortseingang der Gemeinde Otting. Ein überregional gegründeter Verein will die Proteste bündeln und Gutachten finanzieren. Marxheim, Oberndorf und Mertingen sind bereits beigetreten.
Bild: Wolfgang Widemann

Dass die Mehrheit der Bürger gegen die Stromtrasse ist, kann nicht einfach ignoriert werden, sagt Bundestagabgeordneter Ulrich Lange auf Nachfrage. „Die zahlreichen Stellungnahmen und Befürchtungen der Bürger müssen sich im zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) widerspiegeln. Man kann hier nicht an den Köpfen der Menschen vorbei entscheiden.“ Lange, der im Bundestag im Juli 2013 für die Start- und Endpunkte der Leitung gestimmt hat, ist sich sicher: „Diese Trasse hat so keine Zukunft.“ Ob es auch eine Zukunft ganz ohne geben könnte, sagt der CSU-Kreisvorsitzende aber nicht.

Bürger verlieren Vertrauen durch schlechte Kommunikation

Bis zur parlamentarischen Debatte im Bundestag über den Bundesbedarfsplan gäbe es noch verschiedene Stufen, die er als Abgeordneter im Einzelnen genau verfolgen werde und sich einbringen möchte. Problematisch ist auch in seinen Augen die „schlechte Kommunikationspolitik“ der Netzbetreiber. Denn so hätten sie gegenüber den Bürgern viel Vertrauen verloren. Deshalb sei es kein Wunder, dass sich so viele verschiedene Gruppierungen wie der jetzt neu gegründete Verein bilden. Lange: „Die zahlreichen Resolutionen und Schreiben von Gemeinden und Zusammenschlüssen können auch vom Netzbetreiber nicht einfach zur Seite geschoben werden.“

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