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Justiz

06.07.2019

Haftstrafen für vier junge Drogenhändler aus Donauwörth

Amtsgericht Augsburg verurteilt 19-Jährigen nach Messerattacke in Monheim zu drei Jahren Gefängnis

Es war „eine unserer blödesten Ideen“, bekannten vier junge Männer aus Donauwörth, die jetzt vor dem Jugendschöffengericht des Augsburger Amtsgerichts die Quittung bekamen. Sie wollten mit Drogen handeln. Dabei wurde in Monheim ein Mann mit einem Messer erheblich verletzt. Einer der vier – der Messerstecher – wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, seine Freunde bekamen Bewährungsstrafen zwischen acht und zehn Monaten.

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Es war Ende Mai 2018, als ein heute 20-jähriger Angeklagter die Idee hatte, den eigenen Drogenkonsum durch Drogenhandel mitzufinanzieren. In Bopfingen besorgte er zunächst 150 Gramm Marihuana. Dann trommelte er drei Kumpels zusammen, die sich in seinem Auto auf den Weg machten, um Teile des Stoffs gewinnbringend zu verkaufen. Die Reise ging unter anderem nach Monheim. Dort sollten Freitagabend gegen 23 Uhr elf Gramm Marihuana an einen 29-Jährigen verkauft werden. Der Käufer wollte aber offensichtlich den damals gerade 18-jährigen Mitangeklagten „abziehen“, den Stoff im Wert von über 100 Euro also ohne Bezahlung für sich behalten.

Er schob den 18-Jährigen weg und lief davon. Der 18-Jährige indes entsann sich eines Klappmessers, das er meist mit sich führte. Damit stach er dem 29-Jährigen drei Mal in die Schulter und den rechten Oberarm. Anschließend ließ er ihn allein zurück und flüchtete mit seinen drei Begleitern im Auto. Dabei warf er auch das Messer aus dem Fenster, das bislang nicht gefunden wurde. Als Passanten das blutende Opfer entdeckten, leitete die Polizei eine Fahndung ein und stieß auf das Fahrzeug mit den vier Komplizen. Der Angeklagte mit dem Messer wurde in U-Haft genommen, er sitzt seit 14 Monaten im Gefängnis.

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In der Hauptverhandlung legten alle vier Angeklagten Geständnisse ab. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe stellte fest, dass die Voraussetzungen für Jugendstrafrecht bei allen erfüllt sind. Zwei der Angeklagten waren zur Tatzeit minderjährig. Ein Blick ins Bundeszentralregister der vier Männer zeigte, dass sie alle bereits ein- oder mehrfach wegen Betäubungsmitteln mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Staatsanwalt Andreas Kraus forderte in seinem Plädoyer für den Messerstecher eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Für die drei anderen beantragte er jeweils Haftstrafen von einem Jahr und vier Monaten zur Bewährung. Zudem forderte er die Verhängung von Hilfsdiensten und Geldauflagen sowie die Verpflichtung zur Teilnahme an Gesprächen über Drogenmissbrauch.

Verteidigerin Martina Sulzberger plädierte, ihren Mandanten, den heute 19-Jährigen mit dem Messer, zu zwei Jahren Haft zu verurteilen, damit er umgehend in Freiheit eine Lehrstelle antreten und sein Leben neu organisieren könne. Als Kriegsflüchtling aus Syrien sei er stark impulsgesteuert – eine gefährliche Neigung, die einer Behandlung, aber nicht einer längeren Haft bedürfe.

Das Gericht um Vorsitzenden Richter Kugler sah dies anders und verurteilte den Angeklagten zu einer Jugendfreiheitsstrafe von drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidiger Jörg Seubert, Roland Aigner und Karl Würth forderten für ihre Mandanten jeweils niedrigere Haftstrafen als der Staatsanwalt sowie weniger Arbeitsstunden und geringere Geldauflagen.

Das Gericht belegte den 20-jährigen Drogenkäufer und Fahrer des Autos mit einer Haftstrafe von einem Jahr zur Bewährung. Zudem muss er 80 Stunden Hilfsdienste leisten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Keine Hilfsdienste muss der dritte Angeklagte leisten, der zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt wurde. Weil er einer geregelten Ausbildung nachgeht, muss er stattdessen 400 Euro Geldstrafe zahlen, das Urteil ist rechtskräftig. Acht Monate Haftstrafe auf Bewährung lautet das (nicht rechtskräftige) Urteil für den vierten Angeklagten. Seine Strafe fällt deswegen etwas niedriger aus, weil er half, das Rauschgift zu finden. Auch er muss 80 Stunden Hilfsdienste ableisten.

Während drei der jungen Männer nach dem Urteilsspruch erleichtert den Gerichtssaal als freie Menschen verlassen durften, führte der Weg für ihren Freund zurück ins Gefängnis.

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