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Kommentar

09.10.2020

Hepatitis-C-Infektionen: Das seelische Leid wurde unterschätzt

Ein mit Hepatitis C infizierte und medikamentenabhängige Arzt soll sich in Donauwörth an für Operationen bereitgestellten Medikamenten bedient haben.
Bild: Szilvia Izsó

Plus Bei der damaligen Aufarbeitung der Geschehnisse und der Suche nach den Betroffenen hat man unterschätzt, welche Spuren das alles auf der Seele der Opfer hinterlässt.

Ist es wirklich schon zwei Jahre her, dass die Geschehnisse um einen medikamentenabhängigen Narkosearzt in der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth für wenige Wochen die Schlagzeilen in Bayern füllten? Angesichts der aktuell alles überlagernden Corona-Pandemie kommt einem der damalige Skandal sehr viel weiter weg vor.

Doch für die Betroffenen ist ihre Infektion und die Folgen immer noch präsent. Es war das mindeste, dass sie Schmerzensgeld erhalten haben. Doch welcher Betrag ist angemessen, das körperliche und seelische Leid auszugleichen? Dass der Gedanke, es könnte noch was nachkommen, wie eine schwarze Wolke über einem schwebt?

Bei der damaligen Aufarbeitung der Geschehnisse und der Suche nach den Betroffenen hat man unterschätzt, welche Spuren das alles auf der Seele der Opfer hinterlässt. Man blickte nur auf die messbare Seite der Medizin: Behandlung, kein Virus mehr im Blut, alles gut? Mitnichten.

Deshalb ist es wichtig, dass die Hintergründe, wie das alles still und ungesehen am OP-Tisch passieren konnte, öffentlich behandelt und aufgearbeitet werden – in einer Verhandlung vor Gericht gegen den unter Verdacht stehenden Arzt. Dann können die Opfer verstehen und einen Schlusspunkt setzen.

Und es ist wichtig, dass die Verantwortlichen der Klinik ein echtes Zeichen der Anteilnahme senden. Solange die Schmerzensgeldzahlungen noch nicht komplett abgeschlossen sind, ist das nicht möglich – sagt Landrat Stefan Rößle. Aus Gründen der Haftung. Dann aber wolle man den Betroffenen schreiben. Er bitte um Verständnis. Ob die Opfer eine Entschuldigung nach all der Zeit noch ernst nehmen können, ist mehr als fraglich.

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