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Nordschwaben

04.12.2020

IHK-Expertin für Nordschwaben: "Es ist sehr bitter für die Händler"

Bettina Kräußlich ist Regionalgeschäftsführerin der IHK in Nordschwaben und kennt die Lage der Händler vor Ort gut.
Bild: Helmut Bissinger

Plus Lokale Händler in Donauwörth und Dillingen befürchten, Verlierer des Lockdowns zu werden. Bettina Kräußlich von der IHK erklärt, was dahinter steckt.

Eigentlich wäre jetzt die beste Zeit des Jahres für den Handel in Nordschwaben. Jetzt, vor Weihnachten, würde in den Geschäften dickes Gedränge herrschen, die Suche nach dem Geschenk für die Liebsten laufen. Für viele wäre der Einkaufsbummel in stimmungsvoll beleuchteten Straßenzügen eine Selbstverständlichkeit und nach dem Besuch des Weihnachtsmarktes wäre eine kleine Shoppingtour angesagt. Das alles gibt es in dieser Form heuer coronabedingt nicht.

„Es ist sehr bitter für die Händler“, sagt Bettina Kräußlich, Regionalgeschäftsführerin der IHK in Nordschwaben und daher bestens vernetzt mit den Inhabern und Betreibern der Läden zwischen Donauwörth und Dillingen. 8400 sind bei der IHK gelistet, viele würden vor Weihnachten etwa ein Viertel ihres Jahresumsatzes machen, der 2020 erwartungsgemäß deutlich geringer ausfällt. Es sei einfach unattraktiv, zum Shoppen in die Stadt zu fahren und länger als nötig mit Maske im Geschäft zu bleiben. „Und danach kann man ja nicht einmal einen Kaffee trinken gehen“, beschreibt sie die Szenerie, die wohl jeder gut nachvollziehen kann. Der Spaß bleibe auf der Strecke und „die Kunden einfach weg“. Deshalb wäre es manchen Händler lieber, sie würden für wenige Wochen zumachen und wie die Gastronomie von staatlichen Hilfen profitieren können.

EInkaufen mit Maske - für viele Kunden ist das unattraktiv.
Bild: Wolfgang Widemann

Doch es geht nicht nur um den Dezemberumsatz, der nach und nach das Gefühl bei den Händlern erzeugt, sie könnten am Ende die Verlierer des immer länger dauernden Lockdown light werden. Zwar gäbe es Unterstützungshilfen, doch diese seien bis vor Kurzem an hohe Hürden gekoppelt gewesen. „Da hätte von unseren Händlern kein einziger profitiert“, berichtet die IHK-Expertin. Erst am Dienstag aber hätte es gute Nachrichten aus dem Wirtschaftsministerium gegeben. Denn es wurde angekündigt, dass speziell für den Einzelhandel in Innenstädten ein besonderes Programm zur Überbrückung der Umsatzlücken umgesetzt wird. Dieses gilt für Händler, die entweder im November oder im Dezember 2020 oder in beiden Monaten mindestens 40 Prozent Umsatzeinbußen gegenüber den Vorjahresmonaten zu verzeichnen haben.

Ungeachtet dessen ist die IHK als Dachorganisation des Handels und des Industriegewerbes gefragt wie nie. Hier laufen die relevanten Informationen zusammen, können sich die Mitglieder zu neuesten Regelungen, Auflagen und wichtigen Anträgen beraten lassen. „Wir sind in Dauerschleife mit dem Gesetzgeber in Kontakt und geben Informationen gebündelt an die Branchen weiter“, sagt Kräußlich. Während Betriebe Kurzarbeit anmelden, kann sich die IHK vor Anfragen kaum retten.

Mit Aktionen wie dem Lichtpark in Donauwörth soll der Besuch in der Stadt auch zu Coronazeiten attraktiv sein.
Bild: Rudi Brix

Blitzumfragen bei den Mitgliedern sind wichtige Stimmungsbarometer für die Wirtschaft. So ist es natürlich auf der einen Seite die sinkende Nachfrage der Kunden, die die Betriebe umtreibt. Gleichzeitig kämpfen sie aber auch mit dem Problem, dass Mitarbeiter ausfallen, weil sie in Quarantäne oder Isolation müssen. Und dann sei da noch die große Unsicherheit. „Ein großes Thema ist, dass die Wirtschaft nicht weiß, was kommt“, so Kräußlich.

2020 wird für die Händler in Donauwörth und Umgebung schmerzhafte Verluste bringen

Wie überall beschleunigt Corona auch im Handel den Trend, der vorher abzulesen war. Onlineaktive Geschäfte profitieren. Wer hier nichts bietet, fällt durchs Raster. Und wenn 2020 für diese Läden schmerzhafte Verluste bringt, sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch der Trend der sterbenden Innenstädte beschleunigt. Bisher gibt es nur einzelne Geschäftsaufgaben, die auch nicht nur auf Corona zurückzuführen seinen. Doch die Expertin ist sich sicher: „Da rollt was auf uns zu.“ Leere Schaufenster in den Einkaufsstraßen der schönen nordschwäbischen Städtchen gibt es ja bereits jetzt schon. Donauwörth ist aktuell ein unerfreuliches Beispiel. Doch in der Zeit der Pandemie ist es schwieriger denn je, Händler zu finden, die in Engelhof und Co. neue Geschäfte eröffnen wollen. Ob der Stadtladen die Wende bringt, steht in den Sternen.

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