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Harburg-Heroldingen

26.11.2019

Initiative will Steinbruch erhalten

Eine Interessengemeinschaft in Heroldingen möchte die Kiesgrube am Badersberg als „Biotop“ erhalten. Jetzt soll der Stadtrat darüber entscheiden, wie bei der Angelegenheit weiter verfahren wird. Bekanntlich möchte der AWV Erdaushub in der gewaltigen Grube ablagern.
Foto: Foto: Wolfgang Widemann

Plus Eine Erdaushub-Deponie am Badersberg sehen viele Heroldinger kritisch. Nach einer Unterschriftensammlung befasst sich nun der Stadtrat mit dem Thema

Die Absicht des Abfallwirtschaftsverbands (AWV) Nordschwaben, den Steinbruch am Badersberg bei Heroldingen mit Erdaushub zu verfüllen, stößt in dem Harburger Stadtteil offenbar auf erhebliche Vorbehalte. In dem Dorf hat sich eine Interessengemeinschaft (IG) „Erhalt der Heroldinger Kiesgrube als Biotop“ gegründet – und über 150 Unterschriften gesammelt. Die Listen reichten Vertreter der Initiative am Montag im Rathaus ein, verbunden mit der Forderung, dass der Stadtrat keinen Beschluss zu einer möglichen Deponie fällt, „bis die Bürger sich eine Meinung zu diesem Vorhaben bilden können“.

Wie berichtet, hat sich der AWV an die Kommune gewendet. Der Verband würde in dem großen Steinbruch gerne Erdaushub ablagern – und zwar vom Typ Z.1.1. Dabei handelt es sich um Erdreich mit maximal zehn Prozent Beton- oder Asphaltbrocken. Die Kapazität am Badersberg schätzt der AWV auf rund 350000 Kubikmeter. Das Material würde ausschließlich aus den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen angeliefert.

AWV-Werkleiter Gerhard Wiedemann erklärt im Oktober im Stadtrat, dass nach derzeitigen Kenntnissen keine Gefahr für das Grundwasser bestünde und auf dem Gelände wohl auch keine besonders geschützten Pflanzen- und Tierarten lebten. Die Naturschutzauflagen könnten zwar hoch sein, jedoch würden sie das Projekt an sich wahrscheinlich nicht infrage stellen. Größtes Problem wäre die Zufahrt zum Steinbruch. Hier würde der AWV von der Ortsverbindungsstraße Heroldingen – Huisheim her bestehende Feldwege ausbauen. Geschätzte Kosten: rund 300000 Euro.

Zehn Prozent als Pacht

Wiedemann bot an, die Stadt würde vom AWV zehn Prozent der Gebühren, die durch die Deponie eingenommen werden, als Pacht bekommen. Die Zahl der Lkw, die täglich anliefern, hielte sich in Grenzen. Bürgermeister Wolfgang Kilian erklärte in der Sitzung, er habe das Thema bei der Bürgerversammlung in Heroldingen angesprochen und „ein gewisses Kopfnicken“ bei den Anwesenden registriert.

Nachdem unsere Zeitung von dem Vorhaben berichtet hatte, wurden aber einige Personen in Heroldingen aktiv. In einem Schreiben an den Bürgermeister, das sechs Männer – darunter der frühere Stadtrat Roland Zühlke – unterschrieben haben, heißt es, die Bewohner seien „sehr stark irritiert“, dass das Projekt „ohne Einbindung der Bevölkerung über die Bühne gehen soll“. Die Bewohner sollten aber eingebunden werden, weil eine solche Verfüllung die Heroldinger in den kommenden Jahren und Jahrzehnten „sehr stark belasten“ würde.

Nach Informationen der IG sind im Bereich des Steinbruchs sehr wohl streng geschützte Tierarten angesiedelt. „In der Gegend“ brüte seit Jahren ein Uhupaar, neuerdings befinde sich in dem Gebiet sogar ein Brutplatz von Wanderfalken. Und weiter: „Auch die Kreuzotter ist in diesem Biotop beheimatet.“

Die IG bittet die Stadträte, die am Donnerstag, 28. November, vorgesehene Beratung und einen möglichen Beschluss zum Badersberg „von der Tagesordnung zu nehmen und eine Bürgerversammlung in Heroldingen anzusetzen“. Bei dieser solle die Deponie als einziger Punkt behandelt werden.

Stadt Harburg nimmt den Protest ernst

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Bürgermeister Kilian, dass man den Protest zur Kenntnis und ernst nehme. Allerdings betont der Rathauschef auch gleich, dass bezüglich einer Deponie „noch nichts untersucht“ worden sei. Folglich kenne auch niemand die Fakten. Die geplante Abstimmung bedeute noch keine endgültige Entscheidung für oder gegen eine solche Ablagerungsstätte. Es gehe zunächst darum, den Weg für Voruntersuchungen freizumachen und Fachbehörden zu hören. Dann würde sich auch zeigen, ob beziehungsweise welche Tiere dort leben und welche Auflagen beziehungsweise Einschränkungen dies zur Folge hätte. Auf dieser Grundlage könnte der Stadtrat dann im neuen Jahr – wahrscheinlich nach der Wahl in neuer Zusammensetzung – über das Projekt entscheiden.

Die Stadtratsfraktionen erhielten Kilian zufolge inzwischen die Unterlagen aus Heroldingen und könnten sich damit bis zur Sitzung am Donnerstag beschäftigen. Die Unterschriftenaktion werde sicher in die Überlegungen einfließen.

Naturschutz mit einbeziehen

AWV-Werkleiter Wiedemann gibt zu bedenken, dass die Naturschutzbehörden in jedem Fall einbezogen würden. Der Steinbruch Badersberg würde höchstwahrscheinlich nicht komplett verfüllt. Man würde auch eine Felswand freilassen. Auch in der Deponie Binsberg bei Donauwörth hätten sich Uhus angesiedelt – obwohl dort ständig Betrieb herrsche. Deshalb sieht Wiedemann auch keinen Widerspruch.

Die AWV-Verbandsräte hätten mittlerweile bei einer Versammlung beschlossen, dass die Planungen für die Deponie aufgenommen werden könnten, sobald der Stadtrat dem Vorhaben zustimmen würde.

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