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Donauwörth

09.07.2018

Kirche: Es brodelt an der Basis

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3 Bilder
Aus drei bestehenden Pfarreiengemeinschaften mach eine große. Unser Foto zeigt das Liebfrauenmünster.
Bild: Foto: Thomas  Hilgendorf

Die Pläne des Bistums Augsburg, in Donauwörth eine Groß-Pfarreiengemeinschaft zu schaffen und zwei Pfarrer zu versetzen, löst bei den Katholiken Sorge aus. Es geht um Nähe

Von Elisabeth Müllers Haus in der Parkstadt hat man einen prächtigen Blick auf den Kirchturm. Christi Himmelfahrt heißt ihre Heimatpfarrei – und deren Eigenständigkeit sei, so befürchten es viele Katholiken hier auf dem Schellenberg, in Gefahr. Und nicht nur dort an der Basis ist man verunsichert, verärgert und geschockt ob der jüngsten Entscheidung des Bistums Augsburg, die drei bestehenden Pfarreiengemeinschaften Riedlingen, Parkstadt und Liebfrauenmünster zu einer Groß-Pfarreiengemeinschaft mit 10800 Katholiken zusammenzufassen – und zwei der drei Pfarrer zu versetzen.

Jede Pfarrei soll zwar eigenständig bleiben, faktisch wird aber zentralisiert. Jene Entscheidung zur PG Donauwörth von Generalvikar Monsignore Harald Heinrich hat in weiten Teilen der aktiven Basis Unmut hervorgerufen. Viele wollen sich mit den Plänen nicht abfinden, einige aktiv gegen die Zentralisierung kämpfen.

Im Augsburger Alleingang

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Elisabeth Müller hat in den vergangenen Jahren viele Dokumente gesammelt, Ordner angelegt mit dem, was da alles kundgetan wurde in Augsburg hinsichtlich der Pastoralreform 2025. Und mit dem, was jetzt schließlich wieder abgeändert wurde. Scheinbar im Augsburger Alleingang, wie es die Menschen hier verstehen – oder verstehen mussten, als sie im Münster über den Beschluss informiert wurden (wir berichteten). Bischof Konrad Zdarsas Reform hatte ursprünglich andere Veränderungen für die katholische Landschaft in der Region vorgesehen: Riedlingen sollte beispielsweise mit Tapfheim und die Parkstadt mit Kaisheim fusionieren. Den Pfarrern Wyrwich und Pfeifer sei zudem ihre Wichtigkeit für die hiesigen Pfarreien bei einer größeren Visitation zuletzt nachhaltig beschieden worden, ist aus den Reihen der kirchlich Aktiven zu hören. Es kam anders, die neue Nachricht zudem prompt.

Unmut und Angst

Der Kern des Unmuts an der Basis hängt damit unmittelbar zusammen: Die zwei leitenden Pfarrer Franz Pfeifer (Riedlungen/ Wörnitzstein) und Jacek Wyrwich (Parkstadt) werden an andere – der Öffentlichkeit bislang nicht bekannte – Orte versetzt. Dekan und Stadtpfarrer Robert Neuner wird ab September 2019 die entstehende „Pfarreiengemeinschaft Donauwörth“ künftig alleine leiten. Unterstützt wird er von zwei Kaplänen und seelsorgerlichen Mitarbeitern.

Angst habe sie, sagt Elisabeth Müller. Angst, dass das hier mithilfe von Pfarrer Wyrwich Aufgebaute brachliegen oder zerbrechen wird. Dekan Neuner oder die Überbringer der vermeintlich schlechten Nachrichten könnten da nichts dafür. Augsburg müsse zurückrudern. Viele hier im Kirchenvolk seien verängstigt, dass die Kontinuität, das familiäre Kirchenleben durch den fehlenden Pfarrer vor Ort wegbricht.

Das Familiäre sei ihr selbst immens wichtig, die so nahe liegende Kirche Teil der Identifikation, seit jeher: „Meine Familie ist christlich geprägt, ich bin nah an einer Kirche aufgewachsen. Und später, nachdem wir hierher in die Parkstadt gezogen sind, sind wir reingewachsen in die hiesige Kirchenfamilie.“ Kommunion- und Firmgruppen habe sie geleitet, jetzt ist es die Bücherei der Pfarrei. Das alles solle zwar, so betonte es Stadtpfarrer und Dekan Robert Neuner, erhalten bleiben. Aber die Bezugsperson muss eben gehen. „Es tut weh“, resümiert die Mutter zweier erwachsener Kinder mit Blick auf die Reformen. Ob sie weiterkämpfen will trotz der zuletzt als „gesetzt“ titulierten Planungen des Generalvikars? „Ja“, sagt sie, „weil es um Menschen geht und nicht nur ein Projekt. Es geht um die Existenz von Stadtpfarrer Wyrwich und unserer Pfarreiengemeinschaft.“

Ortswechsel. Auf der anderen Seite der Stadt: Riedlingen. Am Abend bei Wilhelm Rister im Hof ist es ruhig, idyllisch, hier im Altdorf mit seinen sanften Hügeln, alten bäuerlichen Anwesen, engen Sträßlein und sich in der abklingenden Sommersonne rekelnden Kätzchen. Zwei Kirchen gibt es, St. Martin im Altdorf und die recht moderne Dreifaltigkeitskirche. Das kirchliche Leben ist hier sichtbar, gegenwärtig, es wird sorgsam gepflegt.

Das sieht jeder, der beispielsweise am Kindergarten St. Martin vorbeifährt. Rister schiebt hier im Winter vor der Arbeit Schnee auf dem Parkplatz, wenn es sein muss ab 4.30 Uhr, vor der Frühschicht. Er macht noch mehr und er macht das freiwillig, für seine Kirche – und eben auch für Stadtpfarrer Pfeifer, wie er betont: „Dieser Mann bringt den Himmel in die Kirche“, sagt Rister. Die Strukturen liefen hier „wie am Schnürchen“: Gut 150 Ehrenamtliche (inklusive Chor), 50 Ministranten, Bibelkreise, Krabbelgruppen, ... Derzeit sammelt Wilhelm Rister mit weiteren Mitstreitern aus der Pfarrei Unterschriften um beim Bistum zu erreichen, dass Pfeifer bleiben darf, der hier viel mit aufgebaut habe und laut Rister eben eine essenzielle Bezugsperson ist. Wie sollten Kapläne in seine Fußstapfen treten, junge Priester, die nach zwei bis drei Jahren wieder weg seien?

Auch in Riedlingen fürchtet die Basis um die Kontinuität des teils mühsam Gewachsenen. Darüber sprechen, wie viele Unterschriften er bereits habe, mag er vor deren Übergabe an das Bistum nicht. Nur so viel: Es sind viele – mehr als sich manch einer denken mag. „Da sieht man den Willen des Kirchenvolkes, es ist die Stimme des Volkes.“ Die Aktion spreche für eine „lebendige Pfarrgemeinde“, sagt der 58-Jährige, der auch in der Kirchenverwaltung tätig ist.

Kirche ist mehr als ein Sonntag

Kirche, das sei mehr als der Sonntag, mehr als eine aus einem Pflichtgefühl heraus besuchte Messe. Es sei im besten Falle eine echte christliche Gemeinschaft. „Wir machen alles gerne und umsonst. Wir zahlen sogar noch drauf dafür. Wir sind eine Gemeinschaft“, fasst Rister zusammen. Die Pläne aus Augsburg quittiert er mit Kopfschütteln.

Dem Priestermangel begegne man nicht auf eine Weise, die gerade auch die Jugend nicht nachvollziehen könne. Die Menschen in seiner Pfarrei wie auch andernorts in Donauwörth, sie wünschten sich ein Gespräch auf Augenhöhe mit dem Generalvikar, ein gemeinsames Überdenken und Ausarbeiten von den zu gehenden Wegen in der katholischen Kirche.

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