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Landkreis Donau-Ries

26.07.2020

Mehr Auslastung, dafür aber weniger Geld in den Tierheimen

Der Tierschutzverein Donauwörth und Umgebung betreibt das Tierheim in Hamlar. Eine weitere solche Einrichtung im Landkreis findet sich in Nördlingen. In beiden Häusern ist die finanzielle Lage wegen der Corona-Pandemie schlecht.

Plus Durch Corona fehlen Einnahmen. Mehr denn je brauchen Tierheime Spenden. Und nun sind auch noch Ferien - eine weitere große Herausforderung.

Abgemagert und vernachlässigt sieht das Kätzchen aus. Das eine Auge hat das von Parasiten befallene Tier schon verloren. Auch für das andere sieht es schlecht aus. Zwölf solcher Fälle beherbergt das Tierheim Hamlar momentan. Die kleinen Wesen sind befallen von Würmern, Flöhe und Zecken, haben Katzenschnupfen, Ausschläge, Durchfall, verletzte Augen oder sind schon fast blind. Meist stammen die Tiere von Bauernhöfen, auf denen die Tiere nicht kastriert werden. Durch Inzucht kommen die Tiere schon krank zur Welt und können sich glücklich schätzen, wenn sie ein trockenes Zuhause in einer Scheune finden. Ein Problem, das jedes Jahr auftritt, doch nun gestaltet sich die Hilfe noch schwieriger.

„Natürlich kümmern wir uns um die Tiere. Aber momentan belasten uns die Kosten“, gibt die Leiterindes Tierheims Hamlar Sonja Hoffmeister zu. Denn durch die Pandemie fehlt es dem Tierheim an Geld. Die Spenden sind weniger geworden, weil die Menschen eigene Sorgen haben. Futterspenden gab es zwar in den vergangenen Monaten immer wieder, doch die aktuell 75 Katzen im Tierheim verschlingen täglich fast die gesamten Vorräte. Momentan sind diese sogar komplett aufgebraucht.

Gut sieht es bei den Hunden aus

Gut sieht es dagegen bei den Hunden im Tierheim aus. Selbst Vierbeiner, die schon länger im Tierheim untergebracht waren, konnten nun vermittelt werden. Wer sich für ein Tier interessiert, muss momentan auch noch telefonisch einen Termin ausmachen. „Die Vermittlungen haben während der Corona-Pandemie sehr gut funktioniert“, berichtet Hoffmeister. Die Menschen wären nur vorbeigekommen, wenn sie sich auch ernsthaftes für die Tiere interessiert hätten.

Aus einer Krise ergibt sich oft aber auch Positives: „In Bayern hat sich zwischen den Tierheimen ein Netzwerk gebildet, indem man sich gegenseitig bei Problemen hilft“, sagt Hoffmeister. Vor der Pandemie hätte es das noch nicht gegeben. In mehreren Fällen hätte das Tierheim Hamlar auf diesem Weg auch schon Hilfe erhalten. „In einem Fall hatten wir schon länger einen Hund, der schwierig zu vermitteln war. Dieser mochte nicht jeden und hat auch mal gezwickt“, sagt Hoffmeister mit einem Schmunzeln. Eine andere Tierheimleiterin vermittelte jedoch ein Paar, das den Hund aufnahm. Hoffmeister erhält immer wieder Neuigkeiten, wie es dem Tier nun geht: „Er hat sich wohl super entwickelt.“

Auch in Nördlingen ist es eng

Auch das Tierheim in Nördlingen, dem sich in den vergangenen Jahren auch einige Kommunen aus dem Altlandkreis Donauwörth angeschlossen haben, steht vor finanziellen Engpässen: „Das Geld fehlt uns an allen Ecken“, berichtet die Leiterin Manuela Kaußen. Die meisten Einnahmequellen seien weggefallen: Der Flohmarkt konnte nicht mehr stattfinden, die Losbude auf der Nördlinger Mess’ und anderen Stadtfesten gab es nicht mehr und auch die Hundepension wurden abgesagt, weil die meisten Menschen nicht in den Urlaub fahren, sondern zu Hause bleiben.

Während den Ausgangsbeschränkungen stand die Tiervermittlung fast still. Nur über das Telefon konnte Interessierte melden. Doch Tiere wurden trotzdem ausgesetzt oder abgeben, was die Folge hatte, dass es mit dem Platz knapp wurde. „Die Katzenstation mit knapp 40 Plätzen war randvoll“, so Kaußen. Fast jedes zweite Tier käme mit Schnupfen und vernachlässigt an, sodass sie oft operiert werden müssen. Viele Anrufe gab es während des Lockdowns, ob man einen Hund „ausleihen“ könnte, berichtet die Leiterin des Tierheims.

„Wir werden keine Tiere auf der Straße stehen lassen“

Doch seit etwa einem Monat dürfen wieder maximal zwei Interessenten in der Einrichtung vorbeischauen, um womöglich einem heimatlosen Tier ein neues Zuhause zu bieten. Dass nun die Sommerferien begonnen, in denen traditionellen vermehrt Tiere abgegeben werden, was oft schon zu Engpässen innerhalb der Einrichtungen geführt hat, sieht Kaußen pragmatisch: „Wir haben noch Notfallzwinger frei. Und wir werden keine Tiere auf der Straße stehen lassen“, kündigt sie an. Notfalls nehme man mit anderen Tierheimen Kontakt auf. Ein Platz werde sich schon immer finden, so Kaußen.

Ähnlich beurteilt Hoffmeister die Situation. Auch in Hamlar ist die Ferienzeit traditionell seit jeher eine besondere Herausforderung. „Für Hunde haben wir aber momentan genügend Platz. Und auch für alle anderen Notfälle werden wir eine Lösung finden.“

Flohmärkte dürfen nun wieder stattfinden

Auch die finanzielle Lage könnte sich nun wieder etwas verbessern: Am Samstag konnte in Nördlingen wieder der erste Flohmarkt unter Hygiene-Maßnahmen stattfinden. Allerdings dürfen nicht mehr als 20 Personen gleichzeitig in der Halle am Tierheim in den Flohmarkt-Schätzen stöbern. Kaußen erhofft sich jedenfalls wieder einige Einnahmen, da die Veranstaltungen bisher immer einen guten Erlös erbracht hätten. Auch in Hamlar ist Hoffmeister zufolge in naher Zukunft wieder ein Flohmarkt geplant.

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