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FC Augsburg

10.04.2019

Nach Entlassung von Manuel Baum: Das sagen regionale Fußball-Experten

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Auf Wiedersehen Augsburg: Die Amtszeit von Trainer Manuel Baum beim FCA ist vorbei.
Bild: Ulrich Wagner

Was Vertreter der Fußball-Szene aus der Region zur aktuellen Trainersituation beim FC Augsburg sagen und wie sie die vorangegangene Kritik der FCA-Spieler einschätzen.

Der FC Augsburg hat sich von Chef-Trainer Manuel Baum, Co-Trainer Jens Lehmann und Technischem Direktor Stephan Schwarz getrennt. Zu schlecht waren die jüngsten Resultate in der Bundesliga. Das 0:3 gegen die abstiegsbedrohten Nürnberger und die 0:4-Pleite zuhause gegen Hoffenheim waren genug. Das oberste Ziel für die restlichen sechs Spiele heißt, den Klassenerhalt zu sichern. Dies nimmt nun Baums Nachfolger Martin Schmidt in Angriff. Ganz überraschend kam die Entscheidung der FCA-Führung für viele Fans nicht. Beim Blick in die sozialen Netzwerke wird schnell klar, für viele war der Trainerwechsel sogar überfällig. Die DZ hörte sich unter Fußball-Trainern und -Funktionären in der Region um, diese waren ebenfalls wenig überrascht über die Entscheidung der FCA-Bosse Claus Hofmann und Stefan Reuter.

Lesen Sie hierzu auch: FCA entlässt Trainer Manuel Baum und Jens Lehmann - Reuter bleibt

Baums Entlassung überraschte nicht

„Nach der Leistung des FC Augsburg in der vergangenen Woche war das fast klar“, sagt Bernd Taglieber, Trainer des SV Wörnitzstein-Berg. Überrascht habe ihn nur, dass Co-Trainer Jens Lehmann ebenfalls gehen musste, schließlich sei der doch erst im Januar „installiert“ worden. Für Taglieber ist auch klar, „mit Baum und der Mannschaft hat es einfach nicht mehr funktioniert“. Das zeigen seiner Meinung auch die Aussagen von Martin Hinteregger, der nach seiner öffentlichen Kritik an Baum nach Frankfurt verliehen wurde, von Rani Khedira und zuletzt von Jeffrey Gouweleeuw. Letzterer hatte nach der Niederlage gegen Hoffenheim bemängelt: „Wir hatten von Anfang an keine Ahnung, was wir machen“. Taglieber sagt dazu: „Baum fällt seine Nicht-Profi-Karriere auf die Füße. Aber es ist einfach einen Trainer anzugreifen, der nicht selbst als Profi gespielt hat. Das heißt noch lange nicht, dass er kein guter Trainer ist!“

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Taglieber durfte während seiner aktiven Zeit beim TSV Rain bereits gegen Manuel Baum kicken, der als Torhüter in der Jugend des TSV 1860 München, beim FC Ismaning und beim FC Unterföhring spielte. Über die Bayernliga kam er selbst nie hinaus, war als Trainer jedoch bald deutlich erfolgreicher. Nach Stationen in Unterföhring, Starnberg 09 und Unterhaching, ging er zum FC Augsburg, war Chef-Trainer des Nachwuchsleistungszentrums, übernahm dann 2016 die erste Mannschaft.

Undisziplinierte Leistungsträger - feuern oder nicht?

„Vielleicht wollen Spieler vom eigenen Fehlverhalten ablenken, indem sie den Trainer kritisieren. Und die Tatsache, dass Baum selbst nicht als Profi gespielt hat, bietet eben Angriffsfläche, auch wenn er eigentlich gut arbeitet“, meint Taglieber. Vielleicht, so der 41-Jährige, hätte der FCA schon früher bei den Mätzchen von Spielern wie Caiuby oder Hinteregger eingreifen müssen. Es sei schwierig abzuwägen. Lässt man die Undiszipliniertheiten von wichtigen und teuren Spielern wie Caiuby halbwegs durchgehen und profitiert von ihrer Leistung, oder setzt man sie gleich an die Luft, um Ruhe in die Mannschaft zu bringen? „Das ist ein schmaler Grat“, sagt der Trainer.

FCA demonstrierte lange „Geschlossenheit“

Alexander Schroder vom TSV Rain hält dem FC Augsburg zugute, lange an Baum festgehalten zu haben. „Das demonstriert Geschlossenheit“, sagt der Geschäftsführer der Fußball-UG. Wenn dann aber Spieler Kritik üben, sei es schon sehr weit gekommen: „Die Spieler bestimmen mit, ob ein Trainer wegmuss.“ Schroder glaubt nicht, dass der FCA am Ende der Saison absteigen wird, dennoch hält er den Trainerwechsel nun für richtig.

Zur Personalie Jens Lehmann sagt Schroder: „Ich konnte sein Einstellung schon nicht nachvollziehen. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, er passt nicht zur Mannschaft. Außerdem wirkte seine Verpflichtung, als wäre er ein Aufpasser für Baum. Das kann nicht funktionieren. Mit Martin Schmidt habe den FCA laut Schroder ebenfalls ein „Trainer der neuen Generation“ übernommen, wie sie auch Baum und dessen Vorgänger Markus Weinzierl waren. Jedoch: „Auch er wird an den Ergebnissen gemessen“, betont Schroder.

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Schmidt hat sicher einen eigenen Trainerstab

Der Meinung ist auch Jens Meckert, Trainer der SG Flotzheim-Fünfstetten: „Wenn die Ergebnisse nicht stimmen wird immer der Trainer zur Verantwortung gezogen.“ Die Situation – insbesondere im Profi-Fußball – sei von außen sehr schwer einzuschätzen. Dennoch muss er zugeben, er selbst hätte wohl schon früher reagiert und nicht erst sechs Spieltage vor Saisonende.

Von Jens Lehmann als Co-Trainer sei Meckert nie überzeugt gewesen. Dass er nun ebenfalls gehen musste, deshalb nachvollziehbar: „Martin Schmidt hat sicher einen eigenen Trainerstab.“ Meckert wünscht sich allein schon für die Region, dass der FCA den Klassenerhalt schafft. „Klar, mit Nürnberg würde aktuell auch ein bayerisches Team absteigen. Aber wenn man so wenig Punkte hat wie der Club und Hannover (17 bzw. 14, Anm. d. Redaktion), dann hat man in der Bundesliga auch nichts zu suchen.

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