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Aichach-Friedberg

28.01.2020

Aichach-Friedberg: Tisch reserviert – und keiner kommt

Immer öfter kommt es vor, dass Gäste, die einen Tisch im Lokal reserviert haben, einfach nicht erscheinen. Für Wirte ein Problem.
Foto: Christine Hornischer (Archivfoto)

Plus Manchmal erscheinen gleich 15 Gäste nicht im Restaurant. Lokale haben hohe Einbußen. Wie gehen die Wirte im Landkreis Aichach-Friedberg damit um?

Es ist ein Phänomen der modernen Gesellschaft: Verabredungen werden spontan vereinbart, man hält sich mehrere Optionen offen und entscheidet sich dann kurzfristig. Das bekommen auch Wirte zu spüren. Gäste reservieren für mehrere Personen und „vergessen“, rechtzeitig abzusagen, falls es doch nicht klappen sollte. Vor Weihnachten sei es besonders arg gewesen, erzählt Ingrid Ferrari vom gleichnamigen Restaurant in Friedberg. An einem Abend sei ein Tisch für 15 Personen reserviert worden – und kein Einziger erschien. Ferrari hatte eine Telefonnummer, griff zum Hörer, rief mehrmals an: Keiner meldete sich.

Kein Einzelfall: Gäste reservieren und bleiben fern

Solche Geschichten seien kein Einzelfall, im Gegenteil: Sie häufen sich. „Für uns ist das sehr ärgerlich, weil wir teilweise anderen Gästen absagen mussten“, berichtet Ferrari. Gerade bei derart großen Reservierungen werde eine zusätzliche Servicekraft und manchmal zusätzliches Küchenpersonal für den Abend ins Lokal geholt. Das vergrößere den Verlust noch. Ferrari glaubt, dass die Menschen teilweise in mehreren Lokalen parallel reservieren und sich kurzfristig entscheiden, worauf sie Lust haben. „Dann abzusagen, ist ihnen wohl peinlich“, vermutet sie.

Stefanie Kreisi vom „Schillers“ in Friedberg kennt das Phänomen ebenfalls: „Inzwischen kommt es immer häufiger vor, dass weniger Gäste als angegeben erscheinen.“ Von Anfang an mit weniger Kunden zu rechnen, komme für sie aber nicht in Frage. Falls jemand überhaupt nicht erscheint, ruft Kreisi an und erkundigt sich nach dem Grund. Häufig legen die Angerufenen aber direkt auf. Andere geben zu, sich spontan für eine andere Option entschieden zu haben.

"No Show": Kühners Landhaus in Kissing hat keine Probleme

Erst reservieren und dann nicht erscheinen, hat in der Gastro-Szene sogar einen Begriff: „No Show“. Anja Kühner vom „Kühners Landhaus“ in Kissing musste damit noch keine Erfahrungen machen. „Meist sind die Leute erkrankt, sagen rechtzeitig ab und entschuldigen sich“, erklärt die Wirtin. Stammgäste fühlten sich eher dazu verpflichtet, rechtzeitig abzusagen, als Gäste, die das Restaurant seltener besuchen. Aber auch bei Kühners erscheinen häufiger weniger Gäste, als zuvor angegeben. Dabei würde es viel bringen, auch spontan noch abzusagen. Manche Leute lassen sich beispielsweise auf die Warteliste des Gasthauses setzen und werden angerufen, falls jemand anderes die Reservierung storniert.

Um Absagen, notfalls kurzfristig, bittet auch Marietta Baumüller vom „Andechser“ in Mering. „Wir können dann reagieren und müssen Leute unter Umständen nicht wegschicken.“ Auch, wenn man mit weniger Personen komme, sei eine Information wichtig für die Wirtin. Baumüller hat den Eindruck, dass sich das „No Show“-Phänomen häuft: „Es ist nicht täglich der Fall, aber früher kam das kaum vor.“ Der Schaden sei ärgerlich. „Wenn jemand nicht erscheint, ist das übel.“ Nicht immer gelinge es, die Tische an Laufkundschaft zu vergeben.

Goldener Stern aus Rohrbach erinnert Gäste an Reservierungen

Ein anderes Problem stellen Menüabende dar. „Wenn von 70 geplanten Gästen zehn nicht erscheinen, ist das ein immenses Problem, da das Essen exakt vorgeplant ist“, erklärt Stefan Fuß vom „Goldenen Stern“ in Rohrbach. Es entstehe wirtschaftlicher Schaden, da man Personal nicht einfach wieder nach Hause schicken könne. Deshalb hat sich das Restaurant dafür entschieden, im Voraus Eintrittskarten für die Gourmet-Menü -Abende zu verkaufen und bleibt damit zumindest von finanziellen Einbußen verschont.

Im Tagesgeschäft setzt Fuß auf engen Kontakt mit den Kunden. Einen Tag vor der Reservierung werden die Gäste noch einmal telefonisch daran erinnert und gefragt, wie viele Personen letztendlich kommen. So ergeben sich freie Tische für andere Gäste. „Durch gutes Reservierungsmanagement kann man die Einbußen kompensieren“, erklärt Fuß. Das sei aber nur mit einem immensen Aufwand möglich. So sei ein Mitarbeiter nur für Reservierungen tätig, wenn man die Arbeitsstunden zusammen rechne.

Reservierung im Restaurant: "Absagen ist Ehrensache"

Lorenz Hintersberger vom „Rieder Hof“ gibt an, frei gewordene Tische nicht spontan an andere Gäste weitergeben zu können. Jedoch bringe es auch etwas, eine halbe Stunde zuvor abzusagen, da er die Tische dann noch einmal umstellen und anderen Interessenten bescheid sagen kann. Auch wenn sich der wirtschaftliche Schaden noch in Grenzen hält sind sich die Restaurant-Inhaber einig: „Es ist eine Ehrensache, so früh wie möglich abzusagen, falls es doch nicht klappen sollte“, wie es Kühner formuliert. Auch Ferrari sieht das so: „Eine Frau musste wenige Tage vor Weihnachten absagen und hat angeboten, wir sollen ihr eine Rechnung schreiben.“ Das habe sie dann aber nicht gemacht. „Der Frau hat es selber so leid getan.“

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