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Friedberg

16.12.2019

Autofreie Ludwigstraße zum Friedberger Advent: Eine Frage der Zeit

Täglich ab 18 Uhr dürfen in der Veranstaltungszone des Friedberger Advents keine Autos mehr fahren. Eine Sperrung ab 16 Uhr scheiterte unter anderem am Widerstand der Geschäftsleute.
Bild: Tom Trilges

Plus Eine Sperrung der Ludwigstraße ab 16 Uhr scheiterte an Ladenbesitzern. Wie Polizei und Besucher zeigen sich aber nun zufrieden mit der gefundenen Lösung.

Ab 18 Uhr ist sie derzeit dicht, die Friedberger Ludwigstraße – zumindest für Autofahrer. Weiß-rote Poller grenzen dann die Festzone des Friedberger Advents ab. Es gab sogar Bestrebungen im Stadtrat, den Bereich gleich um 16 Uhr zu sperren, wenn der Friedberger Advent öffnet. Zur Freude der Geschäftsleute kam es dazu nicht. Die Polizei hat zwar keine Hinweise auf konkrete Gefährdungen, zeigt sich jedoch zufrieden mit dem seit 2017 praktizierten Konzept.

Reißner wollte Sperrung der Friedberger Ludwigstraße ab 16 Uhr

Martha Reißner von den Bürgern für Friedberg sagt als Mitorganisatorin des Friedberger Advents: „Ich hätte es befürwortet, ab nachmittags schon keine Autos mehr reinzulassen.“ In ihrer Funktion als SPD-Stadträtin und Dritte Bürgermeisterin setzte sich erfolglos für diese Neuerung ein. Mittlerweile ist sie gar nicht mehr so unglücklich darüber. „Es geht auch so. Viele verabreden sich an den Eingängen und gehen von dort aus auf den Adventsmarkt.“ Ohnehin fülle der sich unter der Woche erst in den Abendstunden so richtig, wenn die Leute Feierabend haben. Froh ist Reißner, dass der Bauhof nun einen kleinen Wagen hat, um die Poller zu transportieren und anzubringen.

Die Polizei hält die Sperrung der Innenstadt am Abend aus Sicherheitsgründen für sinnvoll, „auch wenn momentan keine Erkenntnisse hinsichtlich einer konkreten Gefährdung vorliegen“, wie der stellvertretende Leiter der Friedberger Dienststelle, Martin Binder, mitteilt. Dies sei nicht die einzige Maßnahme – auch die sichtbare Präsenz von Beamten gehöre zum Konzept.

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Binder unterstreicht, das Vorgehen werde zwar jedes Jahr einer prüfenden Reflektion unterzogen, im Großen und Ganzen habe sich das seit 2017 praktizierte Polizeikonzept aber bewährt. Die Sperrung in den Abendstunden bringe Verkehrsbehinderungen mit sich, gesonderte Polizeieinsätze deswegen seien allerdings nicht registriert. Überhaupt wirke es, als hätten sich die Verkehrsteilnehmer an die Umstände gewöhnt. Beschwerden darüber liegen nach seinem Kenntnisstand nicht vor.

Friedberger Geschäftsleute fürchteten Einbußen durch Sperrung

Renate Mayer, Geschäftsführerin des Aktiv-Rings, ist beruhigt, dass die Idee, bereits nachmittags eine autofreie Innenstadt vorzuschreiben, scheiterte: „Zwischen 16 und 18 Uhr machen die Unternehmer 40 Prozent ihres Umsatzes. Ein solcher Beschluss hätte wohl immense Einbußen bedeutet.“ Deshalb gab es Widerstand gegen die Pläne. Mit der Sperrung nach 18 Uhr dagegen könnten die Geschäftsleute Mayers Einschätzung nach gut leben: „Die meisten Läden schließen sowieso um diese Uhrzeit.“ Zudem sei der Friedberger Advent wichtig für die Stadt und eine gemütliche Atmosphäre mit mehr Sicherheit durch weniger Verkehr positiv zu sehen.

Diese Meinung teilt Gabriele Schadl vom Feinkostgeschäft am Marienplatz. „18 Uhr ist deutlich besser als zwei Stunden früher“, bekräftigt sie. „Nach der Mittagspause ist es bei uns so bis etwa 16 Uhr nämlich recht ruhig, aber dann kommen wieder mehr Kunden.“ Gerade in der Weihnachtszeit besuchten viele Leute ihren Laden, um Präsente zu kaufen, unter anderem Geschenkkörbe. Schadl sagt: „Die wollen sie dann verständlicherweise nicht so weit tragen.“ Zwar komme man mit dem Auto bis zum Marienplatz, dennoch seien manche Kunden verunsichert. „Einer rief mich neulich noch an, um zu fragen, ob er bis hier fahren könne“, erzählt Schadl. Die Schilder bereits unten an der Augsburger Straße sorgten teilweise für Irritationen. Schadl sieht zudem keine Notwendigkeit für eine frühere Sperrung: „Beim Friedberger Advent ist es bis 17.30 Uhr ohnehin ruhig, wir haben ja selbst einen Stand dort.“

Friedberg: Autofreie Ludwigstraße im Advent kommt gut an

Verkäuferin Claudia Bee von der Buchhandlung Gerblinger hätte auch eine frühere Abriegelung der Innenstadt erträglich gefunden: „Man kann auch sonst nicht direkt vor dem Laden parken, das wissen die Leute. Sie stellen sich in der Regel ins Parkhaus, das ist nichts Neues für sie.“ Die Mitarbeiterin betrachtet den Adventsmarkt als Gewinn. „Ab 16 Uhr bricht dann bei uns eine Stoßzeit aus, weil manche auf dem Weg dorthin bei uns reinkommen. Die Veranstaltung bringt also eher mehr Kundschaft“, sagt Bee. Dennoch favorisiert sie die getroffene Entscheidung, erst am Abend eine Sperrung einzurichten.

Die Besucher des Adventsmarkts scheinen den beruhigten Verkehr zu genießen. Der Friedberger Balazs Nemeth sagt: „Es ist entspannter. Man muss nicht ständig auf die Autos achten beim Herumlaufen.“ Allerdings hält er die Regelung nur auf Zeit für sinnvoll. „Das geht nicht immer. Es vor Weihnachten so zu machen, ist eine sehr gute Idee“, meint er und überquert dann ruhigen Schrittes die Ludwigstraße, um über den Friedberger Advent zu bummeln.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Tom Trilges: Man könnte sich an die Ruhe in der Friedbeger Ludwigstraße gewöhnen

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