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Naturschutz

17.01.2019

Brauchen die Bienen in Aichach-Friedberg Hilfe?

Die Bestände der Honigbiene sind im Wittelsbacher Land stabil - doch ihre wilden Artgenossen werden immer weniger.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Die Initiatoren des Volksbegehrens haben sich das Insekt als Maskottchen ausgesucht. Warum das manche Bauern im Wittelsbacher Land problematisch sehen.

Eigentlich geht es bei dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ darum, die Artenvielfalt sämtlicher Pflanzen und Tiere in Bayern zu erhalten. Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), die das Volksbegehren auf den Weg gebracht hat, hat sich dafür die Biene als Maskottchen ausgesucht. So richtig glücklich sind Imker und auch Bauern im Landkreis Aichach-Friedberg darüber nicht – aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Viele Bürger hätten bei dem Bienen-Maskottchen die Honigbiene vor Auge – und die sei eigentlich kein gutes Beispiel für das Artensterben, findet Hubert Vogl, Vorsitzender der Imker in Aichach-Friedberg. Es sei wichtig, das Nutztier von seinen wilden Artgenossen zu unterscheiden. „Die Honigbiene ist ein Haustier“, stellt Vogl klar. Bei der Art sei kein Rückgang zu verzeichnen. Im Gegenteil: Im Wittelsbacher Land sind sie sogar auf dem Vormarsch. Vor fünf Jahren gab es dem Imker zufolge in Aichach-Friedberg 350 Imker. Inzwischen sind es 450. Um die Wildbienen, um die es eigentlich gehen sollte, stehe es dagegen schlecht. Auch im Landkreis hätten die Tiere Probleme, Pollen zu finden, berichtet er. Nicht nur deshalb unterstützen die Imker in Aichach-Friedberg das Volksbegehren.

Der Bayerische Bauernverband unterstützt das Volksbegehren nicht

Nicht so die hiesigen Landwirte, die dem Bayerischen Bauernverband (BBV) angehören. An der Kampagne stört BBV-Kreisobmann Reinhard Herb auch das Maskottchen: „Mir geht’s da um Ehrlichkeit. Wir müssen die Bienen nicht retten. Es gibt mehr Honigbienen als zuvor.“ Er sieht die Bürger manipuliert, denn für die Tiere wolle jeder etwas tun. Auch inhaltlich kritisiert der Sielenbacher das Volksbegehren: „Das bedeutet für uns Bauern wieder mehr Bürokratie.“

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Die ÖDP und ihre Partner möchten das Bayerische Naturschutzgesetz zu ändern. Es sollen Passagen eingefügt werden, die das Artensterben bremsen. Viele davon betreffen die Landwirte. So wird unter anderem gefordert, gesetzlich festzulegen, dass bis 2020 ein Fünftel der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Freistaat ökologisch bewirtschaftet wird.

Naturschutzorganisationen schlagen Alarm

Wolfgang von Thienen ist Biologe und einer der Sprecher des Aktionsbündnisses. Für ihn ist es allerhöchste Zeit, mit Gesetzen gegen das Artensterben anzukämpfen. Zwar würden immer wieder Tiere und Pflanzen von der Erde verschwinden. „Momentan wird die Aussterberate aber um das 1000-Fache überstiegen“, betont der Meringer. Jedes Insekt erfülle eine wichtige Funktion im Ökosystem. „Das wird immer instabiler“, erklärt er. Stefan Höpfel, Kreisvorsitzender des Landesbund für Vogelschutz (LbV), berichtet, dass sich der Rückgang der Insekten auch auf den Bestand der Vögel auswirkt. Kiebitze und Lerchen, die von Insekten leben, würden bei uns immer seltener werden: „Die Tiere finden kein Futter mehr“, erklärt Höpfel.

Reinhard Herb sagt, die Bauern im Wittelsbacher Land würden schon ihren Beitrag leisten. Die Landwirte hätten bereits Hunderte Hektar Blühstreifen angelegt. „Das zahlen wir aus eigener Tasche. Herb sieht die Bürger in der Verantwortung. Vergangene Woche traf sich Herb mit Vertretern des Aktionsbündnisses auf deren Einladung zu einem Gespräch. Eine Zusammenarbeit ergab sich nicht. „Die wollen Gesetz, wir wollen Freiwilligkeit“, resümiert Herb. Während der BBV das Volksbegehren ablehnt, unterstützt der Konkurrenz-Verband Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die Kampagne.

Das unternimmt der Landkreis für den Artenschutz

Was aber unternimmt der Landkreis Aichach-Friedberg in Sachen Artenschutz? Landrat Klaus Metzger (CSU) sieht das Wittelsbacher Land in Sachen Artenschutz gut aufgestellt. 2016 habe man sich „auf den Weg gemacht“ und vieles nicht nur angestoßen, sondern bereits realisiert. Im vergangenen Jahr bewarb man sich als „Öko-Modellregion Paartal“, es gab den ersten Biodiversitätstag auf Schloss Blumenthal und die Aktion „Das Wittelsbacher Land blüht“. 2019 sollen entlang der Kreisstraßen weitere Blühstreifen angelegt werden.

Aber noch einmal zurück zu den Bienen: Im Rahmen der Kampagne ist für das Insekt noch ein ganz besonderer Auftritt geplant: Wer zur Kundgebung des Aktionsbündnisses am 31. Januar in Friedberg im Bienenkostüm kommt, dem wollen die Veranstalter ein Geschenk überreichen.

Während das Volksbegehren läuft, haben viele Rathäuser länger oder sogar samstags geöffnet. Weitere Infos dazu im Rathausfinder.

Veranstaltungen des Aktionsbündnisses im Überblick

  • Vortrag „Wir sind dann mal weg – vom Aussterben der Arten“ im Bäckerwirt Dasing am Sonntag, 20 Januar, um 18 Uhr.
  • Vortrag „Wir sind dann mal weg – vom Aussterben der Arten“ im Voglbräu Inchenhofen am Mittwoch, 23. Januar, um 19 Uhr.
  • Vortrag „Wir sind dann mal weg – vom Aussterben der Arten“ im Gemeindezentrum Petersdorf am Dienstag, 29. Januar, um 19 Uhr.
  • Kino Der Film „Bienen in 3D“ wird am Mittwoch, 30. Januar, um 19.30 Uhr in der Bücherei Mering gezeigt.
  • Aktion Zum offiziellen Start des Volksbegehrens findet am Donnerstag, 31. Januar, um 16 Uhr vor der Stadtpfarrkirche in Friedberg eine Kundgebung mit sämtlichen Bündnispartnern statt. Anschließend gehen die Teilnehmer gemeinsam ins Rathaus, um zu unterschreiben.
  • Vortrag Der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz Norbert Schäffer spricht über das Volksbegehren in der Wandelbar Aichach am Donnerstag, 31. Januar, um 19 Uhr.
  • Wanderung Unter dem Motto „Wir schwärmen aus für die Bienen“ findet eine gemeinsame Wanderung zum Eintragungsort der VG Aindling statt. Treffpunkt ist am Samstag, 2. Januar, um 9.30 Uhr am Gelände des SSV Petersdorf.
  • Vortrag „Wir sind dann mal weg – vom Aussterben der Arten“ in der Pilsstube Affing am Freitag, 8. Februar, um 20 Uhr.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: „Rettet die Bienen“: Ein Volksbegehren zum Anfassen

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18.01.2019

Es werden Blühstreifen an den Kreisstraßen angelegt! Als ob das den Insekten helfen würde, wo den ganzen Tag Verkehr ist und die Luft hoch schadstoffbelastet ist. Typisch Politiker, die glauben etwas gutes getan zu haben!.

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