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Krankenhaus Friedberg

28.04.2019

Die Geburtshilfe startet in Friedberg neu

In der Geburtshilfe am Friedberger Krankenhaus ist alles bereit, damit der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Die Hauptabteilung nimmt am 2. Mai formell den Betrieb auf. Es dauert aber noch einige Tage, bis dort Babys auf die Welt kommen können.

Nach einem Monat Zwangspause für die Geburtshilfe in Friedberg soll am 2. Mai – der 1. Mai ist Feiertag – die neue Hauptabteilung mit fest angestellten Ärzten ihren Betrieb aufnehmen. Das klappt auch, zumindest formell. Doch Babys werden dort diese Woche noch nicht auf die Welt kommen. Warum?

Nach Angaben von Dr. Krzysztof Kazmierczak, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, wurden mithilfe von Agenturen Mediziner für die Station gefunden, die bis Ende März als Belegabteilung betrieben worden war. In dieser Woche sollen die Verträge unterzeichnet und die Einsatzzeiten abgestimmt werden.

Ein neuer Chefarzt für Friedberg

Außerdem tritt der neue Chefarzt seinen Dienst an, der in Friedberg alles andere als ein Unbekannter ist. Dr. Siegbert Mersdorf, 65 Jahre, war hier von 1996 bis 2017 als niedergelassener Arzt tätig. Zuletzt arbeitete er am Sana-Klinikum in Hof. Der frühere Bundeswehr-Arzt, der auch im Stadtrat sitzt, wollte eigentlich in Ruhestand gehen, springt aber nun als „Interims-Chefarzt“ zur Rettung der Station ein.

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Laut Kazmierczak stehen für Mersdorf und die anderen Ärzte in den ersten Tagen organisatorische Aufgaben im Mittelpunkt, zum Beispiel Unterweisungen, Erläuterung der Medizintechnik und Absprachen mit dem OP. Außerdem müssen Rettungsdienste und andere Kliniken informiert werden.

Die schnellste Gründung aller Zeiten

Frühestens am Montag, 6. Mai, könne der operative Betrieb beginnen; den genauen Termin müsse der Chefarzt entscheiden. Kazmierczak erläutert, dass Aufbau und Vorbereitung einer Hauptabteilung ein „aufwendiges und komplexes Prozedere“ erfordern. „Das ist die schnellste Gründung, die ich je erlebt habe. Normalerweise dauert das sechs Monate“, sagt er.

Auch sei zu bedenken, dass die Haftung nun bei den Kliniken an der Paar liege. Und sobald diese mit dem operativen Betrieb der Hauptabteilung starten, seien sie auch bei Notfällen, zum Beispiel einem Unfall auf der Autobahn, zuständig.

Träger der Kliniken ist der Landkreis Aichach-Friedberg. Landrat, Werkausschuss und Kreistag hatten sich in der schwierigen Phase, in der zuerst die Geburtenstation in Aichach und dann die in Friedberg schließen musste, für die Rettung stark gemacht. „Die Freude ist groß, dass es den Kliniken gelungen ist, das Personal für die neue Hauptabteilung so schnell zu finden“, heißt es nun vom Landratsamt.

Einvernehmen mit den Friedberger Hebammen

Neben der Hauptabteilung werde es weiterhin eine Belegabteilung geben. Dort seien die niedergelassenen Ärzte tätig, wobei diese selbst den Umfang ihrer stationären Tätigkeit und die Rufbereitschaften organisieren. Den Beleghebammen konnte laut Landratsamt deren Wunsch erfüllt werden, weiter im Belegsystem zu arbeiten, künftig vertraglich abgesichert. Diese Lösung sei im Einvernehmen mit den Beleghebammen erzielt worden.

In den kommenden Wochen solle die ärztliche Besetzung der Hauptabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus Friedberg stufenweise erweitert werden. Die Kliniken haben bundesweit Stellenanzeigen geschaltet. Parallel werden die Möglichkeiten für die Kooperation mit der Uniklinik Augsburg diskutiert.

Delegation der Uniklinik kommt nach Friedberg

 Wie berichtet, wird eine Delegation des Augsburger Großkrankenhauses demnächst die Kliniken in Aichach und Friedberg besuchen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Sobald die Hauptabteilung in Friedberg stabil läuft, wollen sich der Landkreis und die Kliniken daran machen, die Geburtshilfe in Aichach wieder in Betrieb zu nehmen.

Das Drama um die Geburtentationen im 133 000 Einwohner zählenden Landkreis währt nun seit Herbst 2018. Damals schloss die Station in Aichach wegen Hebammenmangels. Ende März 2019 folgte nach einigem Auf und Ab diejenige in Friedberg. Die Belegärzte konnten die Rufbereitschaft nicht mehr sicherstellen. Prognostiziert werden für Friedberg künftig 1000 Geburten im Jahr (bislang 730). Die Finanzierung einer Hauptabteilung mit zehn Medizinern würde den Landkreis drei bis vier Millionen Euro im Jahr kosten. 75 Prozent würden über die Krankenkassen finanziert, aus dem Förderprogramm des Freistaats kämen weitere 850000 Euro im Jahr.

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