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Asyl

22.07.2019

Erste Familien wohnen jetzt in der Meringer Ankerdependance

Am Montag gegen 12 Uhr reisten die ersten 52 Flüchtlinge in Mering an. Schon bald sollen in der Ankerdependance 150 Menschen leben.
Bild: Eva Weizenegger

52 Flüchtlinge sind am Montag in die neue Einrichtung an der Hörmannsberger Straße in Mering gezogen, weitere sollen folgen. Die Marktgemeinde ist vorbereitet.

Morgens um 9 Uhr herrscht am Montag noch Ruhe an der Hörmannsberger Straße 18 in Mering. Doch gegen Mittag fährt ein großer Reisebus mit Anhänger an. 52 Flüchtlinge beziehen die Ankerdependance. Bei den Ankommenden handelt es sich um Familien mit kleinen Kindern aus der Türkei, Nigeria und Gambia, wie die Regierung von Schwaben informiert.

Nachdem das Ankerzentrum in Donauwörth aufgelöst und es aufgrund massiven Widerstands in der Bevölkerung kein neues in Kempten geben wird , soll in Schwaben ein Netzwerk mit einem Behördenzentrum in Augsburg und sieben Unterkunftsablegern mit insgesamt knapp 1200 Plätzen entstehen. Zu diesem gehört nun auch die Einrichtung in Mering.

Wer nun in der Meringer Ankerdependance wohnt

„Es sind elf Familien aus der Türkei, fünf aus Nigeria, eine Familie aus Gambia, die hier nun wohnen“, informiert Frank Kurtenbach, Leiter der Anker-Einrichtung Donauwörth, von der Regierung von Schwaben. Ihre Bleibeperspektive hängt vom jeweiligen Asylverfahren ab, sagt er. Bei den türkischen Familien sei sie beispielsweise sehr hoch. Die Familien seien sehr froh darüber, nun von Donauwörth nach Mering zu kommen. „Hier ist jeweils eine Familie pro Zimmer untergebracht, in Donauwörth war das nicht immer möglich“, so Kurtenbach.

Bürgermeister Hans-Dieter Kandler wurde am Mittwoch voriger Woche von der Regierung von Schwaben darüber informiert, dass die Unterkunft nun belegt wird. „Wir haben aber ein umfassendes Sicherheitskonzept, das mit den Behörden, unter anderem auch mit der Polizei, abgestimmt wurde“, sagt er. Kandler mahnt zur Besonnenheit: „Wir warten ab und hoffen, dass alles friedlich bleibt.“

Die ersten Familien sind angekommen. Schon bald soll das Gebäude in Mering mit 150 Personen belegt werden.
Bild: Eva Weizenegger

Im Vorfeld der Pläne hatte im März eine Gruppe der Identitären Bewegung Schwaben eine Kundgebung auf dem Marktplatz gegen die Ankerdependance abgehalten und zudem mit Plakaten die Meringer Bürgerversammlung gestört. Damals hatte Bürgermeister Kandler sie gestoppt, indem er den Bühnenvorhang zuzog und sie des Saals verwies. Bislang ist Kandler nichts bekannt, dass weitere Aktionen dieser Gruppierung in Mering geplant sind. Nach mehrjähriger Prüfung hat der Verfassungsschutz die Identitäre Bewegung als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt eingestuft.

Polizei in Mering vor Ort

Siegfried Hartmann, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwaben-Nord, informiert, dass die Polizei in Mering vor Ort ist. Die Erfahrungen seiner Kollegen mit der Einrichtung am Kobelweg oder in Inningen, dort gibt es ebenfalls eine Ankerdependance aus Donauwörth, zeigen jedoch, dass die Bevölkerung und die Bewohner der Einrichtung „gut miteinander zurecht kommen“. Die Polizeiinspektion Friedberg könne Unterstützung durch den Einsatzzug Augsburg anfordern, falls das benötigt werde.

Frank Kurtenbach von der Regierung von Schwaben (Mitte) im Gespräch mit Bürgermeister Hans-Dieter Kandler und Gilbert Kiser (links) von der Bürgerinitiative.
Bild: Eva Weizenegger

Er rechne damit, dass es in Mering zu keinen größeren Problemen komme. „Man kann diese Einrichtung überhaupt nicht mit dem Ankerzentrum in Donauwörth vergleichen“, so Hartmann. Zum einen werden in Mering Familien mit kleinen Kindern wohnen und andererseits seien auch keine so großen Belegungszahlen wie in Donauwörth geplant.

Das hofft auch Bürgermeister Kandler: „Jetzt wird sich zeigen, ob sich die Regierung von Schwaben und Innenminister Joachim Herrmann an ihre Versprechungen halten, dass bei uns in Mering hauptsächlich Familien aus der Türkei mit kleinen Kindern untergebracht werden.“ Sorgen macht sich Kandler jedoch um den sozialen Frieden in der Marktgemeinde. Die Wohnungsnot sei hoch und Geringverdiener oder Sozialhilfeempfänger fänden in Mering kaum bezahlbaren Wohnraum. „Es wäre deshalb gut gewesen, wenn wir endlich die Zusage des Innenministeriums bekommen hätten, dass die Häuser in der Hartwaldstraße, die eigentlich für Flüchtlinge gedacht waren, nun über die Kreiswohnbau GmbH an Familien in Not vermietet werden könnten.“ Doch es fehle noch immer eine Unterschrift des Innenministeriums. „Dabei hat Herrmann uns zugesichert, dass wir als Gemeinde nicht nur belastet werden können, sondern auch eine Entlastung erfahren sollten“, berichtet Kandler.

Bürgerinitiative "Ankerzentrum Mering"

Nachdem bekannt wurde, dass Mering eine Ankerdependance bekommt, gründete sich die Bürgerinitiative „Ankerzentrum Mering“. Deren Sprecher Gilbert Kiser ist am Montag ebenfalls vor Ort: „Hier zeigt sich wieder mit welcher Konsequenz der Bürgerwillen übergangen wird.“ Nun sei die Einrichtung nicht mehr zu verhindern. „Wir werden aber sehr genau dokumentieren, was hier geschieht“, verspricht er.

Die BI spricht sich dafür aus, dass wenn die Einrichtung in Mering belegt wird, nicht mehr als 100 Personen dort wohnen. Zudem seien für die Marktgemeinde alleinreisende Männer aus den Flüchtlingsgebieten „nicht zumutbar“. „Die Entfernung zur nächsten Polizeiinspektion ist einfach zu weit“, so Kiser. „Wenn es hier zu ähnlichen Vorfällen wie jüngst in Donauwörth kommt, als ein Mann willkürlich Autos demoliert hatte, dann braucht die Polizei über 15 Minuten bis sie in Mering ist“, so Kiser.

Man habe sich vor Wochen mit einem umfangreichen Fragenkatalog an die Meringer Gemeinderäte gewandt und bis heute noch nichts gehört. „Wir wollen Informationen und Antworten auf unsere Fragen“, fordert Kiser. Er betont, dass die Bürgerinitiative nicht mit rechten Gruppierungen oder Mitgliedern der AfD zusammenarbeite. „Wir wollen das Thema Ankerdependance nicht den Rechten überlassen, sondern aus der politischen Mitte heraus unsere Sorgen und Anmerkungen zu diesem Thema geben“, betont Kiser.

Für Frank Kurtenbach von der Regierung von Schwaben ist es kein Problem, dass auch Kiser die neue Unterkunft am Montagmittag ansehen kann. „Wir haben hier nichts zu verbergen“, sagt er und lädt Kiser mit ein zum Rundgang. Auch zum Zaun, der um das Gelände herum gezogen wird, nimmt Kurtenbach Stellung: „Wir wollen uns nicht abriegeln, sondern wissen, wer hier auf das Gelände kommt“, sagt er. Am Eingang wird es Kontrollen geben. „Ins Gebäude dürfen nur Bewohner, deren Verwandte ersten und zweiten Grades, unsere Mitarbeiter sowie in Absprache Ehrenamtliche“, erklärt Kurtenbach.

Zwölf Sercurity-Mitarbeiter seien tagsüber vor Ort und zehn nachts. Bis Mitte August wird es bei den 52 Flüchtlingen bleiben. „Wir benötigen einfach auch die Zeit, um hier die Abläufe einspielen zu können“, sagt Kurtenbach. Doch schon bald soll das Gebäude mit 150 Personen belegt werden.

Lesen Sie dazu auch das Interview: Diese Meringer kämpfen gegen Rassismus in ihrem Ort

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