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Leichtahtletik

29.10.2020

Im Porträt: Wie ein Meringer mit der nationalen Elite mithält

Jakob Stade vom Kissinger SC gehört zu den besten 800-Meter-Läufern der Region. Wie der 16-Jährige mit der Corona-Krise umgeht, welche Ziele der Meringer noch hat und wie alles anfing.
Bild: Sebastian Richly

Plus Jakob Stade gehört zu den besten 800-Meter-Läufern Deutschlands. Dabei hat der 16-Jährige eher die Statur eines Hochspringers. Das ist sein Erfolgseheimnis.

Wer Jakob Stade auf der Tartanbahn in Kissing laufen sieht, könnte auf die Idee kommen, dass der 16-Jährige die Sportart verwechselt hat. Denn mit 1,94 Metern hat der Meringer, der für den Kissinger SC startet, eher die Statur eines Basketballers als die eines 800-Meter-Spezialisten. „Das ist eher ungewöhnlich, aber auch nicht so tragisch. Usain Bolt ist ähnlich groß und die Sprinter eigentlich noch kleiner. Wenn ich bei einem Wettbewerb bin, halten mich aber viele für einen Hochspringer“, so Stade. Der Läufer gehört zu den besten Leichtathleten des Wittelsbacher Landes. Trotz der Corona-Pandemie feierte der Nachwuchsathlet in diesem Jahr einige Erfolge, unter anderem wurde er Dritter bei der deutschen Meisterschaft.

Irgendwann möchte der angehende Abiturient bei den nationalen Titelkämpfen ganz oben auf dem Treppchen stehen. In der kommenden Saison werde das aber schwierig: „Dann bin ich wieder einer der Jüngsten. Außerdem kommen die Abiturprüfungen dazu. 2022 könnte dann wieder etwas gehen“, so Stade, der nach der Schule studieren möchte. „Ich bin in Sport und Mathe ganz gut, weiß aber noch nicht, was und wo ich studieren möchte.“ Ein Ziel für die Reifeprüfung hat der Meringer aber genau im Kopf: „Eine Eins vor dem Komma wäre gut.“ Um das Ziel zu erreichen, hofft er, dass die Schulen nicht wieder geschlossen würden: „Homeschooling fand ich nicht so toll. Ich gehe lieber in die Klasse, das bringt mir mehr. Wir haben ohnehin schon einiges an Zeit wegen Corona eingebüßt“, so der Schüler, der die zwölfte Klasse des Rudolf-Diesel-Gymnasiums in Hochzoll besucht.

Volleyballer Thomas Wolf.
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Jakob Stade: Zwischen Abitur und deutscher Meisterschaft

Auch sportlich hatte das Corona-Virus Auswirkungen für Jakob Stade. Neben zahlreichen ausgefallenen Wettbewerben änderte sich das Training. Der 800-Meter-Spezialist war die meiste Zeit auf sich alleine gestellt. „Ich trainiere auch sonst öfter allein, aber über Monate ohne Trainingspartner zu sein, ist schon blöd. Es gibt niemanden, der einen motiviert. Es gab Momente, da wäre ich beim Waldlauf beinahe wieder umgekehrt. Ich musste mich überwinden.“ Bis zu sechsmal pro Woche treibt der 16-Jährige Sport. Neben Ausdauer- und Tempoläufen stehen auch Kraft- und Athletiktraining auf dem Programm: „Es würde nicht viel bringen, wenn ich immer nur 800 Meter laufe. Die Technik darf man nicht unterschätzen. Gerade auf meiner Distanz spielt auch die Haltung eine wichtige Rolle. Der Laufstil macht da schon etwas aus.“

Das Training hat sich für Stade in diesem Jahr gelohnt. Neben Platz drei bei den nationalen Titelkämpfen holte er sich auch noch den Titel bei der bayerischen Meisterschaft. Seine Bestzeit liegt aktuell bei 1,54.32 Minuten. „Das war meine bisher beste Saison.“ Vor rund drei Jahren entschied sich Stade für die 800 Meter, davor trat er bei Wettbewerben in verschiedenen Disziplinen an: „Die Distanz liegt mir. Durch den Erfolg erhöht sich der Spaßfaktor, und die Motivation steigt.“ Doch Stade schätzt an seiner Spezialdisziplin auch andere Dinge: „Man braucht eine gute Mischung aus Ausdauer, Sprintstärke, und taktisch gibt es auch mehrere Varianten für so ein Rennen.“

Jakob Stade freut sich über eine neue Bestzeit.
Bild: Sabrina Radke

Im Lauftreff fing beim Meringer alles an

Obwohl Stade keiner ist, der groß taktiert: „Ich laufe am liebsten von vorne. Da kann ich das Tempo vorlegen und habe freie Bahn.“ Diese Renntaktik hänge auch mit seiner Größe zusammen: „Mit 1,94 ist es nicht immer leicht, von hinten nach vorne zu laufen. Es besteht die Gefahr, dass man hängen bleibt. Auf der Bahn kann es ganz schön zur Sache gehen, da wird schon mal mit den Ellenbogen gearbeitet.“ Dabei kam Jakob Stade eher zufällig zur Leichtathletik. „Meine Eltern haben mich als Kind immer zum Lauftreff mitgenommen. Da war ich fünf oder sechs Jahre alt.“ Einmal pro Woche wurde trainiert. Im Alter von zehn Jahren ging es dann zum Kissinger SC: „Man hat mein Talent erkannt und mir geraten, zu einem Verein zu gehen.“ Nebenbei war Stade auch noch im Kinderturnen aktiv und spielte einige Zeit Badminton in der Schule. In seiner Freizeit geht es ab und an mit Freunden auch auf den Fußballplatz.

An erster Stelle steht aber die Leichtathletik: „Es gibt so viele Disziplinen, da ist für jeden etwas dabei. Das macht die Faszination aus.“ Dennoch ist der 16-Jährige froh, als Läufer zu starten. „Ich bin vor Wettkämpfen immer sehr nervös. Bei technischen Disziplinen hätte ich einen Nachteil, aber so kann ich die Nervosität einfach rauslaufen.“ Um sich konzentrieren zu können, geht Stade die Läufe vor dem Start im Kopf durch. „Das hilft mir.“

Die Sommersaison neigt sich für die heimischen Leichtathleten dem Ende zu. Nach den Herbstferien geht es in der Halle weiter. Dann will Jakob Stade die Grundlagen für die kommende Freiluftsaison legen. Dabei hat sich der 16-Jährige neben seiner Paradestrecke auch über die 400 Meter einiges vorgenommen. Außerdem will es der Meringer in den Bundeskader schaffen. „Es wäre schön, mal international zu starten“, so Stade, für den aber der Spaß im Vordergrund steht. „Geld verdienen kann man mit dem Sport ohnehin kaum. Natürlich will ich gewinnen, aber mir macht der Sport einfach viel Spaß. Auf der Bahn sind wir Konkurrenten. Ansonsten bin ich mit vielen anderen Läufern befreundet.“

Jakob Stade im Porträt: Das ist sein Vorbild

Wen möchten Sie gerne einmal kennenlernen?

Usain Bolt, weil er der Star unserer Sportart ist. Aber auch Marc Reuther würde ich gerne einmal treffen. Er ist mehrfacher Deutscher Meister über die 800 Meter und mein sportliches Vorbild. Von ihm könnte ich mir sicher noch ein paar Tipps holen.

Mit welcher Sportart können Sie nichts anfangen?

Da fällt mir spontan Sportfischen ein. Ich habe neulich zufällig ein Video davon gesehen. Einfach nur rumsitzen und warten bis einer anbeißt – sportlicher Wettbewerb sieht für mich anders aus. Da geht es jetzt aber nicht um die Bewegung. Schach ist für mich schon ein ernst zu nehmender Wettbewerb.

Womit kann man Sie auf die Palme bringen?

Wenn jemand behauptet, dass Laufen langweilig ist. Solche Leute sind noch nie im Wettbewerb gelaufen und können gar nicht wissen, von was sie reden. Aber auch Arroganz und Selbstverliebtheit gehen gar nicht.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Mir fehlt manchmal der letzte Biss. Manche geben erst recht Gas, wenn der Konkurrent zehn Meter vorne liegt. Das fällt mir eher schwer.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Quitters never win, winners never quit – oder eher, dass man sein Ziel nicht aus den Augen verlieren soll und weitermacht, auch wenn es mal keinen Spaß macht. Das gilt für den Sport, aber auch sonst.

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