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Jugendarbeit in Friedberg: Brot und Spiele

Kommentar Von Thomas Goßner
18.01.2019

Die Aufweichung des Schnapsverbots am Faschingsdienstag dient nur einem Zweck.

Stadträtin Cornelia Böhm von der FDP hat schon recht: In der Frage nach dem Schnapsausschank bei der Friedberger Tiefgaragenparty könne man gar nicht richtig entscheiden, sagte sie. Auf der einen Seite stehe die besondere Fürsorgepflicht der Stadt, auf der anderen Seite die Aufgabe, junge Erwachsene in ihrem öffentlichen Engagement zu fördern.

Einer schwierigen Abwägungsfrage sahen sich die Kommunalpolitiker mit Blick auf den Fasching 2019 ausgesetzt. Sollten sie, dem Wunsch des Friedberger Jugendclubs entsprechend, die Cocktailbar genehmigen? Oder wäre es besser, am bewährten Konzept inklusive Verbot branntweinhaltiger Getränke am Faschingsdienstag festzuhalten, wozu alle Fachleute von der Polizei bis zur Jugendpflege raten? Angesichts der Oberflächlichkeit der Diskussion im Stadtrat liegt die Vermutung nahe, dass Bürgermeister Roland Eichmann und andere Befürworter einer Aufweichung von der Komplexität des Themas überfordert sind. Die klare Mehrheit entschied sich nach dem Motto: „Augen zu und durch!“

Eine offene Auseinandersetzung, insbesondere mit der kritischen Expertenmeinung, kam nicht zustande. Munter wurde stattdessen schwadroniert, ein Glas Wein sei auch nicht anders als ein Cocktail. Gerade die Kombination „süß und stark“ ist es nach Einschätzung von Fachleuten jedoch, die Longdrinks und andere Mixgetränke im Vergleich zu Bier und Wein für junge Leute so gefährlich machen.

Stattdessen war nebulös von Engagement und der Übernahme von Verantwortung die Rede. Machen wir uns doch nichts vor: Das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten für im Ehrenamt tätige Menschen wird es für die Organisation einer Faschingsparty in der Tiefgarage sicher nicht geben. Ein kluger Kopf hätte vielleicht versucht, Einsatzbereitschaft und Tatendrang der Jugendclub-Macher in andere Bahnen zu lenken. Aber in Friedberg konzentriert sich Jugendarbeit nicht zum ersten Mal auf die simple Formel von „Brot und Spiele“.

So dient die Aufweichung des Schnapsverbots letztlich nur dazu, die Vereinskasse des Jugendclubs zu füllen – zu welchem Zweck auch immer. Da hätte es freilich ein höherer Zuschuss auch getan. Doch welcher Politiker will sich schon ein Jahr vor der nächsten Wahl bei der jungen Generation als derart uncool präsentieren?

Lesen Sie unseren Bericht aus der Stadtratssitzung Friedberg genehmigt Schnapsausschank im Fasching 

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