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Mering

11.10.2019

Merings Ortszentrum: Viele Pläne, kein Ergebnis

Mit dem Ringverkehr 2011 hat Merings langer Weg zur neuen Verkehrsgestaltung begonnen. Seitdem ist viel geplant doch nichts verwirklicht worden.
Bild: Carmen Janzen (Archiv)

Plus Mit dem Ringverkehr hat es vor neun Jahren angefangen. Seitdem hat die Mering immer weiterreichende Konzepte in Auftrag gegeben – doch umgesetzt wurde nichts.

Die Ungeduld ist in Mering beinahe mit Händen zu greifen. Geschäftsleute und einzelne Gemeinderäte aller Fraktionen haben nun mit einem Antrag die Initiative ergriffen. Demnach soll zügig ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich ausgewiesen werden. Denn obwohl sich die Kommune seit Jahren mit der Neugestaltung der Ortsmitte befasst, ist nie etwas geschehen.

In einem ersten Anlauf hatte Bürgermeister Hans-Dieter Kandler (SPD) 2011 den Planer Peter Weigelt beauftragt. Dieser empfahl ein Einbahnstraßensystem, das den Meringern noch unter dem Schlagwort „Ringverkehr“ im Gedächtnis ist. Während des mehrmonatigen Feldversuchs wuchs der Widerstand dagegen unter den Meringern und auch im Gemeinderat. Nach einer turbulenten Bürgerveranstaltung warf der Planer entnervt das Handtuch. CSU und Grüne brachten gegen den Willen des Bürgermeisters einen Zielkatalog durch, nach dem ausdrücklich auch Gegenverkehr zugelassen werden sollte.

Shared-Space-Prinzip würde Mering bis zu 1,4 Millionen Euro kosten

Auf dieser Basis wurde im Sommer 2012 Klaus Kehrbaum als Planer engagiert, der bei entsprechend schwieriger Grundstimmung seine Arbeit aufnahm. Innerhalb eines Jahres erarbeitete er ein weit ausgereiftes Konzept fürs Zentrum mit Hauptaugenmerk auf dem Verkehr. Er ging dabei von gegenläufigem Verkehr aus und wollte Merings Mitte nach dem Shared-Space-Prinzip gestalten: Fußweg und Straße sollten mit einem einheitlichen Belag barrierefrei ineinander übergehen. Gemeinsam mit weiteren baulichen Veränderungen schätzte Kehrbaum dafür Kosten von 1 bis 1,4 Millionen Euro.

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Um Fördermittel zu erhalten, beschloss der Gemeinderat, in die Städtebauförderung einzusteigen. Voraussetzung dafür ist ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept, kurz ISEK, und für dieses brauchte es wieder einen Planer. Im Auswahlverfahren landete der bisherige Planer auf dem letzten Platz und das Büro Dragomir erhielt im November 2014 den Auftrag. Dieses erarbeitete einen umfassenden Maßnahmenkatalog, der wesentlich mehr umfasste als die bisherigen Konzepte. Zwei Jahre Arbeit und rund 100.000 Euro Planungskosten stecken in dem ISEK, das der Gemeinderat im Dezember 2016 absegnete. Auf der langen Liste an Projekten, die nach und nach abgearbeitet werden sollen, steht die Verkehrsberuhigung mit als erstes auf dem Plan.

Doch kurz bevor es 2017 los gehen konnte, kam alles anders: Merings Pfarrer Thomas Schwartz überraschte mit seiner Vision 2025. Er schlug vor, dass sich Kommune und Kirche zusammentun sollten, um auf dem Areal vom Papst-Johannes-Haus bis einschließlich Volksbühne ein gemeinsames Bürgerzentrum zu errichten: mit Räumen für die Pfarrei, Veranstaltungssaal, neuem Rathaus und einer Tiefgarage. Die geplanten Investitionen wurden verschoben und das Geld stattdessen als Planungskosten für die Vision 2025 verwendet.

Merings Vision 2025: Mammutprojekt für 26 Millionen Euro

Und diese bot wieder ein reiches Betätigungsfeld für die Planer. Martin Birgel vom Büro Dragomir moderierte die Sitzungen des Kuratoriums, in dem Eckpunkte wie das Raumprogramm zwischen Kirche und Gemeinde ausgehandelt wurden. Außerdem beauftragte der Gemeinderat das Büro Uta Architekten und Stadtplaner mit einer Feinuntersuchung zur Vision 2025. Das Projekt nahm dabei greifbare Gestalt an und schaffte es, den Bürgermeister und den Gemeinderat – mit ihren teils widerstreitenden Interessen– zu vereinen.

Doch dann folgte die Ernüchterung: Die schöne Wunschlösung wurde von den Planern auf rund 26 Millionen Euro geschätzt. Schweren Herzens verabschiedete sich der Gemeinderat deswegen im November 2018 von der großen Vision. Als Teilprojekt sollte lediglich der Rathausneubau mit Tiefgarage umgesetzt werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Architektenwettbewerb, frühestens 2021 könnte der Spatenstich stattfinden. Und die Frage, ob die Verkehrsgestaltung im Zuge des Rathausneubaus mit angepackt werden sollte, ist im Gemeinderat noch nicht einmal abschließend geklärt.

Tempo 30 in Mering scheiterte

Weil alles so lange dauert, gab es immer wieder Anläufe, zumindest kleinere Verbesserungen schon vor dem großen städtebaulichen Wurf umzusetzen. So kämpfte die CSU um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer. Der Bürgermeister sperrte sich jedoch und berief sich auf fehlende Voraussetzungen gemäß Straßenverkehrsordnung. Appelle nach Lösungen zu suchen, um diese mit Minimalaufwand erfüllen zu können, liefen ins Leere.

Ob dem neuesten Antrag zur Gestaltung des Zentrums mehr Erfolg beschieden sein wird, muss sich noch weisen. Er hat jedoch eine neue Qualität. Dahinter stehen einflussreiche Gemeinderäte aller Parteien – sowohl der CSU-Ortsvorsitzende und zweite Bürgermeister Florian Mayer wie auch die Grünen-Fraktionssprecherin Petra von Thienen und der Fraktionsvorsitzende der SPD, Markus David.

Termin Der Antrag wird am Donnerstag, 17. Oktober, im Gemeinderat besprochen, Sitzungsbeginn um 19.30 Uhr

Lesen Sie dazu den Kommentar: Ortsentwicklung: Mering muss anpacken, statt Pläne schmieden

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