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Katastrophe

17.03.2011

Per Internet halten sie Kontakt nach Japan

Jonas Reiner aus Mering mit seiner japanischen Gastfamilie.
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Jonas Reiner aus Mering mit seiner japanischen Gastfamilie.
Bild: Foto: Archiv

Was ein Pfarrer aus Ottmaring und ein Meringer Schüler aus Japan erfahren

Aichach-Friedberg Japan liegt mehr als 9000 Kilometer weit entfernt. Für einige Menschen aus dem Landkreis ist das, was dort dieser Tage passiert, jedoch ganz nah. Sie haben Angehörige oder Bekannte, die ihnen über das Internet oder per Telefon berichten, wie sich die Situation entwickelt und wie die Naturkatastrophen und das drohende Reaktorunglück ihren Alltag beeinflussen.

Jonas Reiner aus Mering kennt Japan gut. Er hat 2009 für ein Jahr bei einer Gastfamilie nahe Tokio gelebt. Seit dem Erdbeben und dem Tsunami steht er per „ Facebook“ und E-Mail in täglichem Kontakt zu seinen Bekannten dort. „Momentan gehen die Kinder in Tokio noch in die Schule und die Erwachsenen zur Arbeit“, berichtet der 19-Jährige. Bei Erdbeben bleiben die Tokioter seiner Erfahrung nach verhältnismäßig ruhig. „Das hat viel mit der Mentalität zu tun. Disziplin ist eine wichtige Tugend in Japan“, so Reiner. Dennoch, das berichten seine Freunde, sei die Katastrophe und die damit verbundene Gefahr eines nuklearen GAUs auch in der Hauptstadt zu spüren. Es gebe keine Batterien mehr, auch Konservennahrung sei überall ausverkauft – das berichten ihm seine Freunde.

Reiner hat während seines Aufenthalts erlebt, dass der Alltag in Japan in hohem Maß technologisiert ist. Dennoch stünden viele der Kernkraft skeptisch gegenüber. „Auch vor dem Unglück habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass die Japaner Atomkraftwerken gegenüber sehr negativ eingestellt sind. Das liegt auch an den Atombomben, die auf Hiroshima und Nagasaki gefallen sind. Das ist bis heute stark im Gedächtnis“, erklärt er. Dass die Japaner zu stolz seien, ausländische Hilfe zu akzeptieren, hält er für eine falsche Einschätzung. „Einerseits gibt es einen starken nationalen Zusammenhalt. Aber in dieser Lage sind sie froh über jede Hilfe von außen.“ Dies sei wiederholt auch Inhalt der Nachrichten gewesen, die ihn erreichen.

Gerhard Sievers ist Pfarrer und lebt seit November 2009 im Ökumenischen Lebenszentrum in Ottmaring. Sein Bruder Ludwig ist zu Beginn der 1970er Jahre nach Japan ausgewandert. Seither lebt er dort in dem katholischen Orden der „Kleinen Brüder Jesu“. Am Freitag erreichte Sievers eine E-Mail seines Bruders, in der dieser seiner Familie berichtete, dass es ihm gut gehe. Am Mittwoch konnte Sievers ihn sogar telefonisch in Japan erreichen. „Das Leben in Wakayama, der Stadt, in der mein Bruder lebt, läuft weitgehend normal ab“, berichtet Sievers. Wakayama liegt knapp 1000 Kilometer südwestlich von Fukushima, dem Ort, an dem in mehreren Reaktoren die Kernschmelze droht. Allerdings, das berichtet Sievers weiter, sei nahezu jede japanische Familie in irgendeiner Form von der Katastrophe betroffen.

Sievers hat seinen Bruder, der die Staatsbürgerschaft und einen japanischen Namen angenommen hat, vor mehr als 30 Jahren in Japan besucht. Damals haben sie sich an der Westküste der Hauptinsel gemeinsam ein Kernkraftwerk angesehen, in dessen Nähe sein Bruder früher wohnte. Dies galt als Touristenattraktion. Der Meiler, den sie besuchten, war das erste Atomkraftwerk in Japan – es ist immer noch in Betrieb. „Wir sind mit Bauhelmen auf dem Kopf durch die Anlage geführt worden“, erinnert sich Sievers. Heute erscheint ihm dieser Besuch geradezu grotesk.

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