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Friedberg

09.09.2019

So realistisch ist die Linie 6 durch Friedberg

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Derzeit endet die Straßenbahnlinie 6 auf der grünen Wiese zwischen Augsburg und Friedberg. Nun lässt die Stadt Friedberg prüfen, ob eine Verlängerung möglich ist.

Zwei Varianten zur Verlängerung der Straßenbahnlinie 6 durch Friedberg werden geprüft. Ist das Projekt realistisch oder doch nur ein Wunschgedanke?

Bisher ist die Straßenbahnlinie 6 zwischen Augsburg und Friedberg für viele Menschen gleich aus zwei Gründen keine gleichwertige Alternative zum Zug: zu langsam und zu unpraktisch. Die Trasse endet nämlich auf der grünen Wiese außerhalb des Friedberger Zentrums, von dort aus müssen Passagiere den Bus nehmen. Das könnte sich ändern, zumindest lässt der Bauausschuss eine Verlängerung prüfen. So stehen die Chancen, dass diese Idee Realität wird.

Positiv: Konkrete Vorschläge für Friedberg

Die Diskussion ist nicht aus der Luft gegriffen: Zwei Trassen dienen im Friedberger Bauausschuss als Grundlage der Debatte. Favorit ist die kürzere, zweigleisige Route mit 2,5 Kilometern Länge. Sie verliefe vom Park-and-ride-Platz in Friedberg-West über die Hans-Seemüller-Straße und das Wittelsbacher Schloss bis zum Schulzentrum. Durch eine Wendeschleife am Volksfestplatz könnten Passagiere in beide Richtungen fahren. Die Alternativroute – eine eingleisige Schleife im Uhrzeigersinn vom Volksfestplatz über die Aichacher Straße, Bahnhof, Steirer Berg, Afrastraße zur Augsburger Straße – wäre doppelt so lang.

Positiv: Überschaubare Kosten für Straßenbahn

Die Finanzierung dürfte nicht das entscheidende Argument gegen eine Straßenbahn durch die Friedberger Innenstadt sein. Die Kosten des Vorhabens lägen nach aktuellen Schätzungen bei rund zehn bis 15 Millionen Euro pro Streckenkilometer, also insgesamt circa 30 Millionen Euro. Da die Stadt wohl aber mit einer Förderung durch den Freistaat von bis zu 85 Prozent rechnen könnte, läge ihre Beteiligung vermutlich im einstelligen Millionenbereich. Für eine Stadt mit soliden Finanzen wie Friedberg zwar dennoch viel Geld, aber machbar.

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Negativ: Erfahrungen in Königsbrunn

In Königsbrunn gab es über ein ähnliches Vorhaben bei der dortigen Straßenbahnlinie 3 jahrzehntelange Debatten ohne Ergebnis – wobei das Projekt schlussendlich nun doch kommt. ÖPNV-Beauftragter Manfred Schnell meint zwar, bei entsprechendem politischen Willen könne eine Umsetzung in Friedberg binnen fünf Jahren gelingen. Aber daran zu glauben, wenn es anderswo derart lange dauerte, fällt schwer.

Positiv: Gewinn für die Friedberger

Dass die Verlängerung der Linie 6 spürbare Vorteile für die Menschen bringen würde, ist wohl unumstritten. Die Straßenbahn wäre zwar nach wie vor deutlich langsamer als der Zug. Sie könnte aber mit dem Pfund gut angebundener Haltestellen wuchern. Vom Bahnhof aus ist der Weg gerade für ältere Leute zu Fuß in die Innenstadt schwer zu bewältigen.


Negativ: Anwohner in Friedberg sind skeptisch

Zwar meint der ÖPNV-Beauftragte Schnell, dass die Tram leiser wäre als die Autos auf der B300. Dennoch wäre es bei einem politischen Beschluss für die Erweiterung wahrscheinlich, dass sich Anwohner querstellen. Zur Lärmproblematik kommen Sorgen der Bürger, dass es in der dicht gedrängten Friedberger Innenstadt zu eng zugehen könnte. Ein weiterer potenzieller Nebeneffekt durch die bessere Anbindung: steigende Miet- und Grundstückspreise – gut für Eigentümer, schlecht für Mieter.

Positiv: Politik ist für die Straßenbahn

Es ist nicht davon auszugehen, dass vor der Kommunalwahl im Frühjahr 2020 noch konkrete Schritte zur Forcierung des Vorhabens folgen. Bei einer nicht unwahrscheinlichen Wiederwahl von Roland Eichmann (SPD) als Bürgermeister bliebe aber ein Politiker an der Spitze, der sich grundsätzlich klar für die Pläne ausgesprochen hat („Das wäre ein Gewinn für Friedberg“) und der die Verlängerung der Linie 6 zu einem persönlichen Prestige-Projekt machen könnte. Die Unterstützung einer Mehrheit des Stadtrates scheint nach jetzigem Stand zumindest nicht völlig ausgeschlossen.

Negativ: Ungünstige Gegebenheiten

Womöglich droht bei der derzeit favorisierten Variante ein großer Stolperstein: Sofern die B300 wie bisher bestehen bleibt, wäre wohl ein Tunnel zum Volksfestplatz für die neue Straßenbahntrasse nötig. Das dürfte die Pläne in Frage stellen. Aber auch eine Verlagerung der B300 zugunsten der Linie 6 scheint eher unwahrscheinlich.

Unser Fazit

Die derzeitigen Überlegungen zur Verlängerung der Linie 6 durch die Friedberger Innenstadt sind offenbar mehr als eine Schnapsidee. Die favorisierte Variante scheint umsetzbar zu sein. Ein Zeithorizont von fünf Jahren wirkt aufgrund vieler Unwägbarkeiten jedoch unrealistisch. Es wird maßgeblich darauf ankommen, wie stark sich Friedbergs jetziger und der künftige Bürgermeister für das Projekt einsetzen – gerade bei aufkommender Kritik. Das wiederum dürfte auch vom mehrheitlichen Stimmungsbild der Bürger abhängen.

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