1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Stromüberschuss im Wittelsbacher Land

Energie

02.01.2018

Stromüberschuss im Wittelsbacher Land

Die Windkraft - hier die Anlage im Erlauholz bei Bachern - ist der einige Wachstumsfaktor bei den erneuerbaren Energien im Landkreis.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

In den 24 Kommunen im Kreis wurden 2016 sechs Prozent mehr Strom regenerativ erzeugt, als verbraucht. Nach Jahren mit enormen Zuwächsen geht es deutlich langsamer voran.

Das Wittelsbacher Land hat die „Stromwende“ schon vor drei Jahren geschafft. Sonne, Biogas, Biomasse, Wasserkraft und jetzt auch Windenergie erzeugten im Kreis 2016 sogar sechs Prozent mehr Strom regenerativ, als in den 24 Kommunen verbraucht worden ist. Ende 2015 und Mitte 2016 sind insgesamt neun Windräder im Blumenthaler Forst und bei Bachern (Stadt Friedberg) ans Netz gegangen. Die Anlagen liefern zusammen grob geschätzt rund 50 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Die Windkraft ist übrigens der einzige Wachstumsbereich – in fast allen anderen Segmenten herrscht nach Boom-Jahren mittlerweile Stillstand. Bei Biogas oder Biomasse wird eher mal wieder eine ältere oder defekte Anlage abgeschaltet. Die Möglichkeiten der Wasserkraft sind ausgereizt. Bei den vergleichsweise wenigen neuen Fotovoltaik-Modulen fließt immer mehr in den Eigenverbrauch. Das ist natürlich genauso gut, wird aber in der Auflistung nicht deutlich.

Strombilanz Von den 24 Kommunen im Wittelsbacher Land sind 14 „Stromexporteure“. Vor elf Jahren schafften im nördlichen Kreis gerade mal zwei Gemeinden überhaupt und nur knapp den Sprung über die Eigenversorgungsgrenze – Sielenbach und Petersdorf. Stromüberschuss bedeutet nicht, dass das Wittelsbacher Land stromautark ist. Denn durch schwankende Erzeugung und fehlende Speichermöglichkeit kann der Verbrauch nicht kontinuierlich gedeckt werden. Wobei diese Diskussion eh theoretischer Natur ist. Der Strom aller Erzeuger, ob Gas-Kraftwerk, Atommeiler oder Photovoltaik-Anlage auf dem Einfamilienhaus, wird eingespeist und alle schöpfen dann aus diesem Fass.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Spitzenreiter An der Spitze mit 450 Prozent Versorgung lag auch 2016 wieder das Energiedorf Sielenbach. Das bedeutet: Dort wird viereinhalbmal so viel Strom eingespeist, als verbraucht. Bemerkenswert: In der Kommune gibt es keine einzige „Großanlage“, wie einen Solarpark, sondern nur kleinere und mittlere Einspeiser. Auch das Windrad im Blumenthaler Forst schlägt sich in der Bilanz nicht nieder. Denn: Eine Anlage steht zwar auf Sielenbacher Flur. Der Strom kommt aber nicht auf der Gemarkung ins Netz.

Schlusslichter Am Ende der Tabelle stehen Kommunen mit vergleichsweise hohem Stromverbrauch durch Industrieunternehmen. Aichach und Friedberg haben sich aber durch die Windparks deutlich verbessert. Dass Obergriesbach Schlusslicht ist, hat rein technische Gründe. Der Strom des Solarparks an der Bahnlinie wird auf Dasinger Flur ins Netz eingespeist.

Großanlagen Die größten Stromerzeuger im Kreis sind die zwei Wasserkraftwerke an den Lechstaustufen 22 und 23. Der Generator bei Merching (Leistung: zwölf Megawatt) erzeugt rund 55 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Das Kraftwerk bei Unterbergen (Schmiechen) kommt bei einer Leistung von 12,3 Megawatt in etwa auf die gleiche Energiemenge. Auf den Fuß folgt das Biomasse-Heizkraftwerk der Firma Pfeifer in Unterbernbach (Markt Kühbach). Das ist mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt ein regenerativer Riese und erzeugt als „Abfallprodukt“ seit zehn Jahren über 50 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. In Kühbach wird auch dadurch mit Abstand am meisten Strom im Kreis produziert. Im Vordergrund steht im Sägewerk der Ersatz des fossilen Energieträgers Erdgas durch die Verbrennung von Rinde und Hackschnitzeln – etwa 85 Prozent der erzeugten Energie ist Prozesswärme für Trockenkammern und Pellets-Fertigung. Das Biomasse-Heizkraftwerk in Aichach-Nord hat eine Leistung von 6,5 Megawatt. Vergleich: Die zwei Atomreaktorblöcke in Gundremmingen, einer ist ja an Sylvester vom Netz gegangen, gelten mit einer Leistung von jeweils 1344 Megawatt als leistungsfähigste Kernkraftwerke Deutschlands.

Photovoltaik Das Wittelsbacher Land ist – zumindest im deutschlandweiten Vergleich – von der Sonne verwöhnt. Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung auf Haus- und Hofdächern gehören zum Ortsbild. Seit 2007 gingen dazu zwei Dutzend Solarparks ans Netz. Den Löwenanteil liefern aber die rund 7000 kleinen und mittleren Dachanlagen.

Großverbraucher Trotz Einsparungen bei Industrie und Handel steigt der Gesamtstromverbrauch leicht an. Das liegt vor allem an der Konjunktur, die derzeit auf Hochtouren läuft. Generell ist aber festzuhalten: Im Wittelsbacher Land wird vergleichsweise wenig Strom verbraucht – auch deshalb ist die Gesamtbilanz positiv. Das zeigt ein Blick über den Lech. Nach Firmenangaben braucht allein das Lechstahlwerk bei Meitingen 800 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr, vor allem für den Betrieb der Elektroöfen. Das ist fast eineinhalbmal so viel, als der Verbrauch im gesamten Kreis Aichach-Friedberg und entspricht in etwa einem Prozent des Gesamtstrombedarfs in Bayern.

Wirtschaftsfaktor Stromerzeugung ist mittlerweile ein enormer Wirtschaftsfaktor. Deutlich über 100 Millionen Euro allein an Einspeisevergütung sind 2016 ins Wittelsbacher Land geflossen. Dazu kommen Investitionen, Ausgaben für Wartung, Instandhaltung bei Betrieben und steuerliche Effekte für die Kommunen. 

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Diva.tif
Notfall in Kissing

13 Hunde vor dem Tod gerettet

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen