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Mering

03.04.2021

Von Mering nach München in zwei Stunden: unsere Leser berichten

Von häufigen technischen Problemen beim Fugger-Express berichten Bahnpendler aus unserer Region.
Foto: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Plus Verspätete Züge, zu volle Waggons und zu teure Fahrpreise: Bahnpendler aus der Region berichten von ihren täglichen Erfahrungen.

Die Zugverbindung nach München und Augsburg ist für Mering und Kissing von größter Bedeutung. Im Zuge des Deutschlandtakts, der gerade vom Bundesverkehrsministerium erstellt wird, geht es in Mering derzeit darum, was der Pendler-Ort braucht. Auf einen Aufruf unserer Redaktion hin berichten nun unserer Leser von ihren Erfahrungen mit der Bahn.

Trixi Almstetter pendelt seit 15 Jahren zwischen Kissing und Augsburg. "Leider sind die Züge zu den Hauptverkehrszeiten immer noch zu voll, vor allem jetzt in der Zeit der Pandemie", schreibt sie. Kritisch sieht sie außerdem die Kosten: "Ich selbst fahre seit den vergangenen fünf Jahren zwei Stationen und bin nach wie vor geschockt über den Preis für das Jahres-Abo! Extrem teuer!" Allein die Ersparnis der Fahrtzeit halte sie davon ab, zurück aufs Auto umzusteigen.

Technische Probleme beim Fugger-Express führen zu Verspätungen

Zu Wort gemeldet hat sich auch der Meringer Michael Sepp, der seit zehn Jahren nach München pendelt. Mit seinem Internetportal "Pendlerinfo" versucht er, das Leben der Pendler zu verbessern. Beispielhaft berichtet er von einer Fahrt im November 2017 mit dem Frühzug um 6:56 Uhr, die erst einmal gut begann: "Ich war pünktlich, der Zug auch, ein Fugger-Express mit 4-Zugteilen, das war schon mal überdurchschnittlich." Zwischen Mammendorf und Olching blieb der Zug dann auf freier Strecke einfach stehen. Grund: ein technisches Problem. "Naja, alles herunterfahren inklusive Stromabnehmer, neu starten und neuer Versuch. Der Lokführer wiederholte diesen Vorgang einmal, zweimal, dreimal … Kein Erfolg, das Ding läuft nicht", erzählt der Meringer. Durchsage und weitere Versuche an anderen Führerständen weiterer Zugteile bleiben ohne Erfolg. "Ein Polizist in meinem Abteil erklärte das Software-Problem mit den Achssteuerungen beim Fugger-Express mit 4-Zugteilen – anscheinend ein Insider." Als nächstes erfolgt eine Durchsage, dass es ein Problem mit Zugteil drei gibt - es ist natürlich das Zugteil, in dem sich auch Michael Sepp befindet. Nur die ersten beiden Teile können nun weiter nach Pasing fahren. "Wir hatten Glück im Unglück. Ein ausgebildeter Zugführer befand sich im vierten Zugteil und durfte die zurückgebliebenen Zugteile nach Mammendorf fahren, wo wir schließlich von einem Doppelstock-Ersatzzug abgeholt wurden", berichtet Sepp weiter. "Schließlich kam ich zwei Stunden später in München an, wofür man sonst 26 Minuten benötigt." Sein Chef, der einen Zug später um 7.08 gestartet war, erwartete ihn schon im Büro.

Pendler hoffen auf Betreiberwechsel zum Bahn-Anbieter Go-Ahead

Seit 2008 pendelt der Meringer Klaus Becker (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Grünen-Politiker) mit dem Zug nach München. "Im Großen und Ganzen läuft das gut und ist im Gegensatz zum Auto recht entspannt. Man kann Zeitung lesen oder sich mit jemandem unterhalten", urteilt er. Verbesserungspotenzial sieht er vor allem beim Fuhrpark, da die Fahrzeuge zu häufig technische Probleme haben. "Durch den Betreiberwechsel Ende 2022 könnte dies besser werden, auch wenn ich mit einer chaotischen Startphase rechne", meint Becker. Wie berichtet, fährt ab Dezember 2022 Go-Ahead mit seinen Zügen auf der Strecke. "Nervig sind auch Verspätungen, die sich die Züge auf dem Weg nach München schon vor Augsburg einfangen. Folgeverspätungen, wie sie heute noch zu häufig auftreten, sollten mit dem Betreiberwechsel und einem neuen Konzept für die Zugläufe (längere Wendezeiten an den Endstationen) deutlich verringert werden", hofft Becker.

Als langjährigen "Bundesland Ein- und Auspendler" bezeichnet sich Peter Müller aus Kissing. "Das Platzangebot zu Stoßzeiten hat durchaus noch Luft nach oben", findet er. Vor allem wenn in den Taktungen technische Störungen am Betriebsablauf, Signal- und Weichenstörungen, etc. eine Kettenreaktion auslösen, wirke sich dies gravierend auf das Platzangebot aus. Müller nennt als Beispiel die Verbindung zwischen Hamburg/Bremen und München. "Fällt ein Zugteil aus, so können nicht mehr ausreichend Plätze angeboten werden. In München Hauptbahnhof stellt man dann fest, dass bei der Regionalbahn Fugger-Express ebenfalls Zugteile fehlen", so seine Erfahrung. Die Alternative, über Ingolstadt mit der BRB nach Kissing zu fahren, sei aber auch nicht reizvoll. "Der Umstieg gestaltet sich in Augsburg-Hochzoll als sehr aufwendig", berichtet Müller: "Man ist hier gefühlt länger unterwegs, als im Hauptbahnhof Berlin." Da sich Fugger-Express und Bayerische Regiobahn (BRB) in Augsburg Hochzoll nicht abstimmen, sei ihm auch schon bei kleinen Verspätungen sein Zug nach Kissing vor der Nase weggefahren.

Müller appelliert auch an die politischen Entscheidungsträger, die Bedeutung des Augsburger Hauptbahnhofs im Rahmen des Deutschlandtakts zu verbessern. "Leider wurden die Direktverbindungen mit dem Fernverkehr in den Norden in den letzten Jahren weniger", bedauert er. Die Alternativen - Umsteigen in Nürnberg, München oder Ingolstadt - seien zwar vorhanden, machen das Bahnfahren jedoch unattraktiv.

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