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Sportskanone

26.02.2015

Auf Tuchfühlung mit den Stars

Über 30 Jahre alt ist dieses Bild – es entstand in den 1980er-Jahren beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Braunschweig. Es zeigt von links den späteren Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, Linienrichter Gerhard Gschwender, Schiedsrichter Adolf Ermer, Linienrichter Josef Gilk (SV Ottmaring) und Braunschweigs Torhüter Bernd Franke.
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Über 30 Jahre alt ist dieses Bild – es entstand in den 1980er-Jahren beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Eintracht Braunschweig. Es zeigt von links den späteren Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, Linienrichter Gerhard Gschwender, Schiedsrichter Adolf Ermer, Linienrichter Josef Gilk (SV Ottmaring) und Braunschweigs Torhüter Bernd Franke.

Josef Gilk war in den 1980er-Jahren als Linienrichter in der Fußball-Bundesliga im Einsatz – und er pfiff als Schiedsrichter auch so manche denkwürdige Partie

Als Josef Gilk zum ersten Mal zur Pfeife griff, da war die Fußball-Bundesliga gerade mal zwei Jahre alt. Die Unparteiischen waren noch einheitlich schwarz gekleidet – und an Gelb-Rote und Rote Karten, drei Auswechsel-Möglichkeiten bei den Profis oder gar ans „Rückwechseln“ wie heutzutage bei der Jugend und den unteren Amateurklassen dachte damals, im Jahr 1965, wohl noch niemand.

Vor 50 Jahren hörten erstmals Fußballer auf sein Kommando – vor Kurzem erst wurde der mittlerweile 68-Jährige für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Schiedsrichtergruppe Augsburg geehrt. Und der Unparteiische, der für den SV Ottmaring pfiff, kann eine bemerkenswerte Karriere vorweisen. Immerhin schaffen es die wenigsten in den Profibereich – Gilk gehörte in den 1980er-Jahren als Linienrichter mit dazu. In der Bundesliga und der 2. Liga kam er jeweils auf ein gutes Dutzend Einsätze.

Schon früh zeigte Gilk, der beim SV Ottmaring mit dem Fußball begann, Interesse an der Pfeiferei. Nachdem eine schwere Verletzung – ein zersplittertes Wadenbein – die aktive Laufbahn-Karriere beendete, wandte er sich ganz einer Karriere als Schiedsrichter zu. „Wir waren damals fünf Ottmaringer, die sich gemeinsam zum Schiedsrichterkurs anmeldeten: Bertl Funk, Heinz Mildner, Xaver und Karl Fendt und ich“, erinnert sich Gilk. Das war im Oktober 1965. Und Josef Gilk zeigte Talent, stieg schnell auf, pfiff bald Landesliga und Bayernliga – und es ging noch weiter nach oben. 1982 wurde er zum Linienrichter im Profifußball befördert – und stand etwas mehr als ein Jahr in Deutschlands Eliteklasse an der Seitenlinie, war also auf Tuchfühlung mit Stars wie Lothar Matthäus und Rudi Völler. An sein erstes Bundesligaspiel kann er sich noch gut erinnern – Düsseldorf gegen Dortmund lautete der Westschlager. „Das war schon ein Erlebnis und ein tolles Gefühl, vor so vielen Zuschauern dabei sein zu können“, erzählt Gilk.

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Sportlich war die Zeit als Assistent in der Bundesliga ein Erlebnis, finanziell eher ein Draufzahlgeschäft. „Wir erhielten damals 72 Mark pro Tag als Vergütung – finanziell hat sich das nicht rentiert – aber ich habe reingeschnuppert in den Profbereich“, so der 68-Jährige, der in der Bundesliga meist im Gespann mit Schiedsrichter Adolf Ermer und Linienrichter Gerhard Gschwender sowie in Liga zwei mit dem Augsburger Unparteiischen Dieter Michel unterwegs war. Mit Michel stand er auch beim 1:1 im Münchner Derby zwischen 1860 und dem FC Bayern anlässlich der Einweihung der neuen Gegentribüne im Grünwalder Stadion 1979 an der Linie. Und mit den Münchner Löwen verbindet Gilk auch das Spiel, das ihm mit am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist: die erste Partie der „Löwen“ nach dem Zwangsabstieg in die Bayernliga 1982. „Das werde ich nicht vergessen, da wir den Anpfiff immer wieder verschieben mussten. Erst wegen der vielen Zuschauer, dann weil die Transparente der Fans gegen den DFB abgehängt werden mussten“, erzählt Gilk. Und es war ein „giftiges“ Spiel, das die Löwen gegen die SpVgg Landshut am 4. August 1982 vor 12000 Zuschauern schließlich 3:2 gewannen. In Erinnerung geblieben sind auch die Jugend-Pfingstturniere des FCA im Rosenaustadion und so manches Prominentenspiel, in dem auch Stars wie Gerd Müller oder Bulle Roth nach seiner Pfeife tanzten.

1984 endete seine Zeit als Linienrichter bei den Profis und auch als Schiedsrichter hörte Gilk wenig später auf. Zwar pfiff der gelernte Schlosser noch ein bisschen im Amateurbereich – aber nicht lange. „Ich konnte nicht mehr so trainieren, wie es nötig gewesen wäre, um gut zu sein – und meinen guten Namen wollte ich mir nicht kaputt machen lassen“, erinnert sich Gilk, der in der Bayernliga ohne einen Platzverweis auskam.

Nach seiner aktiven Karriere blieb er dem Fußball noch als Schiedsrichter-Beobachter erhalten – bis Anfang der 1990er-Jahre. Dann war Schluss – heute ist er nur mehr interessierter Beobachter des Fußballs im Allgemeinen.

„Ich denke, man kann den Fußball von damals mit dem von heute nicht vergleichen – es ist alles athletischer, schneller, variabler geworden“, so Gilk. Und für die Schiedsrichter sicher nicht einfacher, eher im Gegenteil. „Es war immer schon schwierig, in einem Sekundenbruchteil zu entscheiden, war’s Foul, Hand oder Abseits“, zählt Gilk auf. Und die Schiedsrichter heute hätten ein weiteres Handicap – trotz der besseren Bezahlung oder der verbesserten Kommunikation untereinander via Headset: nämlich das Fernsehen. „Heute wird alles aufgedröselt, jede Zeitlupe wird aus jedem erdenklichen Winkel gezeigt, bei Abseitsentscheidungen werden Linien gezogen – und dennoch gibt es bei zehn Zuschauern dann acht Meinungen“, meint Gilk.

Josef Gilks Blick zurück auf seine Schiedsrichterkarriere ist ein zufriedener. „Ich habe nur positive Erinnerungen an diese Zeit – und wenn ich könnte, würde ich es noch einmal machen“, äußert er mit Überzeugung. Dann aber sicher mit Headset und allen anderen technischen Neuerungen.

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