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16.02.2012

Montreal war Höhepunkt und Ende

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Modische Koteletten, kurze Hose – so sahen Handballtorhüter in den Siebzigerjahren aus. Peter Jaschke (Mitte) spielte für Milbertshofen, Göppingen und Günzburg in der Bundesliga und stand auch in der deutschen Nationalmannschaft im Tor. Nun ist er beim TSV Friedberg als Torwarttrainer und Schatzmeister aktiv.
Bild: Archiv FMS

 Der ehemalige deutsche Handball-Nationaltorhüter Peter Jaschke trainiert nun beim TSV Friedberg die Keeper – und hat als Schatzmeister auch die Finanzen im Griff

Bundesliga, Nationalmannschaft, Olympia – mehr kann ein Sportler fast nicht erreichen. Wer es in diese Sphären geschafft hat, der kann später zum einen viel erzählen und zum anderen auch seine Erfahrung weitergeben. Die Handballer des TSV Friedberg profitieren seit gut einem Dreivierteljahr von jemandem, der in seiner aktiven Zeit fast alles erreicht hat – von Peter Jaschke. Der ehemalige Handball-Nationalkeeper trainiert die Torleute beim TSV 1862 und hat als Schatzmeister der Abteilung auch die Finanzen unter sich.

Er ist eine imposante Erscheinung mit seinen knapp zwei Metern Körpergröße – und er ist ein Freund klarer Worte. So war Peter Jaschke, der am 1. März seinen 60. Geburtstag feiert, vom Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft mehr als enttäuscht.

Vielleicht war es sein Drang dazu, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg zu halten, der eine längere und erfolgreichere Karriere im Nationaltrikot verhindert hat. 1974 wurde Jaschke, der seit 1972 für Milbertshofen in der Bundesliga spielte, in die Nationalmannschaft berufen – von Vlado Stenzel, dem „Magier“, der 1978 mit Deutschland Weltmeister wurde. „Vlado war trotz seiner knapp 1,65 Meter Körpergröße eine Autoritätsperson. Wir haben zu ihm aufgeschaut – schließlich war er 1972 mit Jugoslawien in München Olympiasieger geworden“, erinnert sich Jaschke.

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Der Bruch mit Stenzel kam bei der Olympiaqualifikation für Montreal 1976. Damals ging es in den entscheidenden Spielen gegen die ehemalige DDR. „Wir haben in München 15:12 gewonnen und in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, mit 11:13 verloren – und so mit einem Tor die Quali geschafft“, erzählt Jaschke. Allerdings hatte das Verhältnis zum Trainer da schon einen Riss, da Jaschke das Spiel in München nicht absolvieren durfte. „Ich war angeschlagen, aber der Meinung, ich könnte spielen – Vlado war anderer Ansicht. Was mir aber gestunken hat war, dass ich aus der Presse erfahren musste, dass ich nicht spiele – und daraufhin hab ich ihm kräftig die Meinung gesagt“, so der ehemalige Torhüter. Nach Montreal durfte er noch mit, machte in Kanada auch zwei Spiele gegen Kanada und Russland und kehrte mit Rang vier im Gepäck nach Deutschland heim. Danach kam ein Brief von Stenzel, dass er „nicht mehr mit mir plane“, erinnert sich Jaschke. „Aber ich hätte auch von meiner Seite aus den Schlussstrich gezogen“, schiebt er nach.

Bis 1980 stand Jaschke in Göppingen im Tor, von 1980 bis 1983 in Günzburg, das damals auch noch in der Bundesliga spielte – dann beendete er seine Karriere. Lange hatte der Steuerberater, der erst mit 16 zum Handball kam und zuvor Leichtathletik und Tennis betrieb, nichts mehr mit Handball am Hut. Dann folgte der Umzug von München nach Augsburg und hier wurde er auf den TSV Friedberg aufmerksam. Zunächst verfolgte er das Geschehen in den Medien, dann kamen die ersten Besuche bei Spielen, die ersten Kontakte. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison wurden Nägel mit Köpfen gemacht, Jaschke in die Abteilung eingebunden und zum Schatzmeister gewählt. „Das war nicht geplant“, meint er mit einem feinen Lächeln.

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