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Ratgeber

10.05.2019

Was Frauen bei der Altersvorsorge unbedingt beachten sollten

Wer als Frau regelmäßig Geld anspart, kann davon im Alter profitieren.
Bild: stock.adobe.com

Babypause und Teilzeitarbeit - Mütter haben oft andere Lebensläufe als Männer und deshalb im Alter weniger Geld. Warum sie sich um das Thema Altersvorsorge kümmern sollten.

Ein Geschenk von den Kindern, Blumen vom Ehemann. Am Muttertag stehen die Mütter im Mittelpunkt. Mehr Freude könnten viele Frauen auch unter dem Jahr haben, wenn sie sicher sein könnten, dass sie finanziell gut abgesichert sind – zum Beispiel im Alter. Doch hier hapert es häufig. In unserem Überblick erklären Frauen aus der Finanzbranche, welche Defizite in der Altersvorsorge von Müttern bestehen und welche Lösungen es gibt.

Ist es für Frauen schwieriger, für das Alter vorzusorgen?

Eine ausreichende Altersvorsorge aufzubauen, ist für Frauen schwieriger als für Männer, sagt Cornelia Kollmer, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Augsburg. „Im Durchschnitt verdienen Frauen weniger und bekommen später weniger gesetzliche Rente“, sagt sie. Die Gründe seien Pausen im Berufsleben: Für die Kindererziehung, aber auch für die Pflege der Angehörigen. Durch die Auszeiten oder lange Teilzeitarbeit erwerben Frauen im Schnitt weniger Rentenansprüche. „Dazu kommt die höhere Lebenserwartung von Frauen, sodass im Alter häufig die Mittel fehlen“, sagt Kollmer.

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Was ist das Grundproblem der finanziellen Vorsorge bei Frauen?

So paradox es klingt: Gerade glücklich aufwachsende Kinder und eine gute Ehe führen dazu, dass sich Frauen zu wenig um die Altersvorsorge kümmern. „Im Glauben an die Liebe und die Familie übersehen viele, dass sie für ihr Alter vorsorgen müssen“, sagt Kollmer. Die gleiche Beobachtung hat Astrid Hastreiter gemacht, Chefin der Frauenvermögensverwaltung AG in München: „In der Partnerschaft über Geld zu reden, ist tabuisiert“, kritisiert sie. „Das geht alles gut, solange beide berufstätig sind. Sobald aber Kinder da sind, ist Geld in der Partnerschaft ein Problem.“ Das kann sich rächen, sollte die Ehe später zerbrechen. Hastreiter kennt diese Fälle. Dann spielen sich häufig „Dramen“ ab, wie sie sagt. Für eine 45-jährige geschiedene Frau wird es schwieriger, wenn sie bisher nicht vorgesorgt hat und nun ihre Altersvorsorge alleine stemmen muss. „Sie muss dann mehr Geld beiseite legen“, sagt die Expertin.

Was können Frauen besser machen?

Ein Anfang sei es, in der Partnerschaft mehr über „Dein und Mein“ zu reden, sagt Hastreiter. „Wenn sich Frauen mehr mit dem Thema Geld beschäftigen, ist allen geholfen - ihnen, ihren Männern, der ganzen Familie.“ Sie rät sich mindestens einmal im Jahr mit dem Thema Altersvorsorge auseinanderzusetzen - und auch mit Freundinnen oder dem Partner darüber zu sprechen. „Finanzielle Vorsorge ist gar nicht schwer - und sie kann Spaß machen“, ist Hastreiter überzeugt. Gabriele Widmann, Volkswirtin der Deka-Bank, rät Frauen sogar zu einer „gesunden Portion Egoismus“, sobald Kinder auf die Welt kommen. „Frauen sollten ihren Männern klar machen, dass Mutter sein auch ein Beruf ist und ihnen vom Familieneinkommen ein Teil zusteht“, meint sie. „Dieses Geld wird am besten gleich auf den Namen der Ehefrau angelegt.“

Wie groß ist die Lücke im Alter?

Im Schnitt beziehen Männer heute in Bayern eine gesetzliche Rente von monatlich 1141 Euro. Frauen kommen auf nur 654 Euro. „Die gesetzliche Rente allein reicht meist nicht, um im Alter leben zu können“, sagt Deka-Volkswirtin Widmann. Männer, die häufiger in Industrieberufen tätig sind, decken einen Teil der Lücke mit Betriebsrenten ab. Für Frauen, die häufiger in sozialen Berufen arbeiten, gibt es diese Betriebsrenten meist nicht. Anlage-Expertin Hastreiter sagt: „Altersarmut ist weiblich, das gilt immer noch.“

Welche Rentenansprüche erwirbt man durch die Kindererziehung?

Wer Kinder erzieht, erwirbt einen Rentenanspruch. Für Kinder, die nach 1992 geboren worden sind, kann man sich pro Kind bis zu drei Jahre Erziehungszeit anrechnen lassen. Der Rentenanspruch richtet sich dann nach dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten. Dieser beträgt aktuell 38.901 Euro im Jahr, berichtet die Deutsche Rentenversicherung. Volkswirtin Widmann rät deshalb, alle Erziehungszeiten zu melden. Die zu erwartende Rente sei aber nicht exorbitant, warnt sie: Bei zwei Kindern erwerben Frauen einen Rentenanspruch für sechs Jahre Erziehungszeit. Pro Jahr sei zurzeit mit etwa 30 Euro zusätzlicher Rente im Monat zu rechnen. Ergibt zusammen 180 Euro.

Was bietet die neue Mütterrente der Bundesregierung?

Eine Reform der schwarz-roten Bundesregierung verbessert die Situation von Müttern, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen. Sie können sich jetzt bis zu 30 Monate Kindererziehungszeit anerkennen lassen, berichtet die Deutsche Rentenversicherung.

Was macht die private Altersvorsorge von Frauen besonders?

Zwei Punkte unterscheiden die finanzielle Vorsorge von Frauen und Männern, hat Astrid Hastreiter beobachtet. Zum einen können Frauen weniger langfristig planen als Männer. „Selbst Frauen, die gut ausgebildet sind, wissen nicht, ob sich der Verdienst durch Kinder oder Teilzeitarbeit einmal ändert. Sie können deshalb schwerer langfristige Verträge abschließen“, sagt sie. „Zum zweiten kümmern sich Frauen weniger gern um das Thema Geld und schieben es auf - so vergeht Jahr um Jahr“, sagt sie. Dies ist fatal. Denn: „Vermögen ist Zeit mal Geld.“ Statt das Thema Altersvorsorge aufzuschieben rät sie: „Jetzt damit anfangen!“ Alle Expertinnen raten Frauen zu einer fachkundigen Finanzberatung mit einem Berater, dem man Vertrauen schenkt - oder, wenn man es lieber hat, mit einer Beraterin.

Welche Chancen gibt es, über die gesetzliche Rente und die Mütterrente hinaus vorzusorgen?

Sparkassen-Vorstandsmitglied Kollmer rät Frauen zu einem Stufenmodell bei der privaten Vorsorge. Zuerst sollten Frauen in ein Produkt investieren, für das es die maximale staatliche Förderung gibt. „Das ist die Riester-Rente“, sagt sie. In einem zweiten Schritt seien Investmentfonds-Sparpläne für Frauen ideal. Jeden Monat werden zum Beispiel automatisch 25 oder 50 Euro in einen Fonds angelegt. Steigt dieser im Laufe der Jahre im Wert, steigt auch das Vermögen.

Für welche Frauen rentiert sich ein Riester-Vertrag?

Riester-Sparen ist in den vergangenen Jahren in Verruf gekommen, trotzdem ist es aus Sicht von Kollmer gerade für Frauen in Teilzeit oder mit weniger Einkommen interessant. Sie rechnet vor: Jeder Versicherte ohne laufende Erwerbstätigkeit müsse pro Jahr einen Sockelbetrag von 60 Euro selbst zahlen. Der Staat legt dann eine Grundzulage von 175 Euro darauf. Dazu kommen pro Kind nochmals mindestens 185 Euro. „Mit nur 60 Euro im Jahr leistet man so einen wertvollen Beitrag für die Absicherung im Alter“, sagt sie. Astrid Hastreiter von der Frauenvermögensverwaltung schränkt aber ein, dass die Riester-Rente nicht für alle Frauen das Beste sein muss. Hastreiter hält die Riester-Rente als Ergänzung dort für sinnvoll, wo Frauen geringe Einkommen und viele Kinder haben.

Was zeichnet einen guten Aktienfonds-Sparplan aus?

„Fondssparpläne sind ideal für Frauen“, sagt Anlage-Expertin Hastreiter: „Das Produkt ist sehr flexibel: Der Fondssparplan läuft, solange es eben geht und das Geld aufgebracht werden kann.“ Es wird ein Dauerauftrag eingerichtet, dafür werden monatlich Fondsanteile gekauft. Bereits kleine Beträge zählen, rechnet Deka-Expertin Widmann vor: „Wer als junge Berufstätige nur 25 Euro im Monat einzahlt und dies 40 Jahre lang macht, kommt bei einer angemessenen Rendite auf knapp 40.000 Euro.“ Hastreiter rät, mit 50 Euro pro Monat anzufangen.

Welche Fonds eignen sich für einen Sparplan?

Die Fonds, in die investiert wird, sollten das Risiko widerspiegeln, mit dem die Anlegerin gut leben kann. Am Aktienmarkt führt aus Sicht der Deka-Bank aber aktuell kein Weg vorbei: „Wir werden lange Zeit keine nennenswerten Zinsen haben“, sagt Deka-Volkswirtin Widmann. „Aktienfonds reflektieren dagegen das weltweite Wachstum - bei allen Schwankungen sind fünf Prozent Rendite im Schnitt das Mindeste, was man erwarten kann.“ Astrid Hastreiter hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen auch die Nachhaltigkeit ihrer Geldanlage wichtig ist - zum Beispiel sauberes Wasser, Energieeffizienz, Klimaschutz. „Viele Frauen wollen wissen, was ihr Geld macht“, sagt sie. Entsprechende Fonds hätten - bei den derzeit guten Börsenbedingungen - in den letzten fünf Jahren Renditen um die 7 Prozent erzielt. Hastreiter hält auch sogenannte ausgewogene Mischfonds für sinnvoll, die neben Aktien in andere Produkte wie festverzinste Anleihen investieren, ihre Aktienquote aber je nach Börsenumfeld senken oder erhöhen können.

Was macht man bei knapper Kasse?

Gerade wenn Kindern auf die Welt kommen, ist das Geld häufig knapp. Ein Trick, um das Ziel Altersvorsorge trotzdem nicht aus den Augen zu verlieren: „Gleich am Monatsanfang einen Betrag vom Haushaltskonto für die Altersvorsorge der Frau abbuchen lassen“, rät Deka-Volkswirtin Widmann - und seien es nur 25 oder 50 Euro.

Und was, wenn man besser verdient?

Ist mehr Geld zur Verfügung, raten die Expertinnen, dreistellige Beträge pro Monat für die private Altersvorsorge aufzuwenden. Statt 50 Euro kann man dann jeden Monat auch 100 Euro oder 150 Euro in seinen Sparplan investieren, meint Hastreiter. Bei guten Einkommen sei das Ziel, im Ruhestand mit Zahlungen aus mehreren Quellen rechnen zu können: „Als stabiler Teil ist die gesetzliche Rente oder Pension da. Daneben hat man die Entnahme aus seinem Depot und eventuell Mieteinnahmen“, sagt sie.

Welche Chance gibt es für Mütter um die 50 Jahre?

Auch dann sei es nicht zu spät, mit privater Vorsorge zu beginnen, sagt Deka-Volkswirtin Widmann. Ihre Rechnung: Wer mit 50 Jahren noch bis zur Rente mit 67 im Monat 200 Euro in einem Sparplan beiseite legt und damit eine Rendite von fünf Prozent erzielt, verfügt am Ende über mehr als 60.000 Euro. „Das ist das Eineinhalbfache des Eingezahlten.“

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