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Handel- und Gastro-Serie (1)

27.11.2020

Aus Günzburger Buchhandlung Hutter wurde eine große Firma - Start einer neuen Serie

Sohn Philipp und Vater Hermann Hutter im Schreibwaren- und Geschenkartikelgeschäft in Günzburg.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Der Name Hutter steht in Günzburg vor allem für Geschäfte in der Innenstadt. Dahinter steckt viel mehr. Auch der Inhaber ist vielfältig aktiv – wie sein Sohn. Er ist die Zukunft.

Einzelhändler, Gastronomen/Hoteliers und „Lebensmittelhandwerker“ wie Bäcker und Metzger machen eine Innenstadt und ein Dorf lebendig. Doch schon vor Corona haben viele um die Zukunft gekämpft, vielerorts haben Betriebe mangels Nachfolger schließen müssen. Corona hat die Probleme verschärft. In einer Zeit, in der durch das Virus und seine Folgen Innenstädte und Dörfer weiter auszubluten drohen, will unsere Zeitung einen positiven Kontrapunkt setzen und über die berichten, bei denen die Nachfolge geregelt ist. So heißt unsere heute startende Serie auch, der Einfachheit halber auf Überbegriffe fokussiert: „Handel und Gastronomie mit Zukunft“.

Er ist nicht nur der Chef einer ganzen Reihe von Unternehmen. Unter anderem ist er auch Vizepräsident des Handelsverbands Deutschland, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg, Regionalvorsitzender Günzburg der Industrie- und Handelskammer Schwaben sowie im Spieleverlage-Verband aktiv. Als die Mutter starb und der Vater gesundheitlich angeschlagen war, übernahm der heute 57-Jährige 1987 die elterliche Buchhandlung. Mit 21 hatte er den eigenen Schreibwaren- und Geschenkartikelladen gegründet, der aus dem Buchgeschäft entstanden war. Seither ist sein Werk gewachsen – und Sohn Philipp will es als vierte Generation fortführen.

Sohn Philipp Hutter hat vielfältige Ehrenämter inne

Der 25-Jährige macht gerade ein berufsbegleitendes Masterstudium, in dem es eben darum geht: Familienunternehmen und die Nachfolger. Wie bei seinem Vater „gibt es für mich keinen Feierabend“, sagt er, angesichts der vielfältigen Ehrenämter beim Roten Kreuz, der Feuerwehr und dem Kreisjugendring kein Wunder. Wenn er zum Beispiel im Rettungsdienst aktiv ist, setze er sich an den Laptop und arbeite, sollte gerade einmal kein Einsatz sein. Die Kollegen schliefen dann. Er mache das alles aus Leidenschaft, weil es ihm Freude mache. Und was das Unternehmen angeht, will er die Tradition in die Zukunft bringen – weil es ihn mit großem Stolz erfülle.

Philipp Hutter steht in der gleichnamigen Buchhandlung in Günzburg - als das Geschäft während des Lockdowns im Frühjahr nicht öffnen durfte.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Dabei komme ihm zugute, dass er auch privat affin für Digitales sei, und ohne das werde künftig kein Händler mehr existieren können. Ein Geschäft, das nicht auch im Internet präsent ist – undenkbar. Bei Lebensmitteln, sagt sein Vater, sei das zwar noch etwas anders, „den Apfel wollen sich die Leute selbst aussuchen“. Es gebe viele Leute, die gerne in die Stadt kämen, auch des Erlebnisses wegen. Aber die Bequemlichkeit nehme eben zu. Das und Corona spiele den großen Versandhändlern gerade in die Karten. Und die mageren finanziellen Ausfall-Hilfen des Bundes, von denen andere Branchen mitunter auch nicht profitieren könnten. Da würden gewachsene Strukturen zerstört, die sich so nicht mehr oder nur langwierig wieder aufbauen ließen.

Das Kaufhaus Abt in Ulm ging an Drogerist Müller

Zur Firma Hutter gehören eine Buchhandlung, das Schreibwaren- und Geschenkegeschäft mit Filialen, ein Haushaltswarenladen, vorübergehend ein Outlet, Online-Shops und einer der größten Spieleverlage Deutschlands. Ein Büromaterial-Großhandel wurde verkauft, das Kaufhaus Abt in Ulm ging an Drogerist Müller.

Das Kaufhaus Abt in Ulm, bevor der Drogerist Müller das Sagen hatte.
Bild: Andreas Brücken (Archiv)

Gut 150 Mitarbeiter gehören heute zur Unternehmensgruppe, und den beiden Hutters – vielleicht kommt Tochter beziehungsweise Schwester Stefanie nach ihrem Studium auch noch mit dazu – ist es wichtig, dass es ein Familienunternehmen mit Werten und sozialem Anspruch bleibe. Das unterscheide einen von anderen, wenn die Mitarbeiter aus Überzeugung zur Arbeit gehen und nicht nur, weil sie dafür bezahlt werden – und über Jahrzehnte bleiben. Doch statt das zu unterstützen, bestellten viele doch lieber bei Amazon und Co.

So übernahmen sie auch im Raum München Geschäfte für Büroartikel, Bücher und mehr, weil die Inhaber selbst keinen Nachfolger gehabt hätten und es ihnen wichtig gewesen sei, das Werk an jemanden zu übergeben, der auch Tradition habe.

Hutter: Günzburg fehlen Flächen für große Geschäfte in der Innenstadt

Was Günzburg angeht, sagt Hermann Hutter, fehlten solche Zugpferde abgesehen vom Modehaus „Schild“, der Drogerie „Müller“ und dem eigenen Haus. Zu lange habe man das Gewerbegebiet wachsen und größer werden lassen als die Innenstadt, bis ein Umdenken einsetzte. Doch da war etwa „C&A“ schon auf die Grüne Wiese gekommen, und wegen einer lange fehlenden strukturierten Stadtplanung gebe es in der Innenstadt nicht die Flächen, die für solche Händler nötig wären. Die Gastronomie sei zwar größer geworden, aber abseits der Legoland-Saison sei es auch da eher schwierig. In den vergangenen 15 Jahren habe man gut 40 Prozent der Käufer im Zentrum verloren, auch ziehe es viele eher nach Ulm.

Nichtsdestotrotz, auch wenn etwa der Umgang mit den Versandhändlern keinen Spaß mache, tun die Hutters das, was sie gerade in Günzburg tun, mit Freude. Und die, sagt Philipp, habe er von Klein auf vermittelt bekommen statt eines Zwangs, mitmachen oder gar einsteigen zu müssen.

Mitmachen Haben Sie auch ein Einzelhandelsgeschäft, sind Gastronom/Hotelier oder „Lebensmittelhandwerker“, haben Ihre Nachfolge geregelt und wollen uns erzählen, wie es bei Ihnen weitergeht? Dann melden Sie sich in der Redaktion – wir sind gespannt auf Ihre Geschichte! Schreiben Sie an christian.kirstges@guenzburger-zeitung.de – wir kontaktieren Sie dann sehr gerne.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Christian Kirstges:

Lesen Sie auch:

Die Folgen unserer neuen Serie finden Sie künftig hier:

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