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Handel- und Gastroserie (24/Ende)

06.04.2021

Bürotechnik Böck in Burgau: Weit mehr als ein Bürobedarfsgeschäft

Die Schwestern Daniela (Geschäftsführerin, rechts) und Nina Böck sind die nächste Generation im Traditionsbetrieb in Burgau.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Seit 1897 gibt es die Firma Böck in Burgau. Auch eine Filiale in Jettingen hat sie. Stetig hat sich das Unternehmen verändert und an Bedürfnisse der Zeit angepasst.

Einzelhändler, Gastronomen/Hoteliers und „Lebensmittelhandwerker“ wie Bäcker und Metzger machen eine Innenstadt und ein Dorf lebendig. Doch schon vor Corona haben viele um die Zukunft gekämpft, vielerorts haben Betriebe mangels Nachfolger schließen müssen. Corona hat die Probleme verschärft. In einer Zeit, in der durch das Virus und seine Folgen Innenstädte und Dörfer weiter auszubluten drohen, will unsere Zeitung einen Kontrapunkt setzen und über die berichten, bei denen die Nachfolge geregelt ist. Dies ist die letzte Folge der Serie.

Der Name Otto prägt das Unternehmen „Bürotechnik Böck“ in Burgau. 1897 von Otto Böck aus Glött gegründet, als der Buchbindermeister die Druckerei Georg Bauer übernahm, führte Sohn Otto den Betrieb weiter – der um Papier- und Schreibwaren erweitert wurde. Auch baute er eine (heute nicht mehr existente) Akzidenzdruckerei auf. 1974 ging die Firma schließlich an dessen Sohn Otto über, den heutigen Senior-Chef. Mit seiner Frau Monika fügte er Geschenkartikel, Lederwaren, Bürobedarf und Büromaschinen mit eigener Werkstatt hinzu. 1976 kam eine Filiale in Thannhausen hinzu, die man bis 2011 betrieb. 1990 wurde weiter vergrößert, Büroeinrichtungen und individuelle Büroplanungen gehörten jetzt mit dazu. 1996 wurde das Schreibwarengeschäft Klotz in Jettingen übernommen, 1999 wurde der heutige Standort an der Käppelestraße bezogen, Copyshop und Postagentur inklusive. Im vergangenen Jahr schließlich wurde das Sortiment aus dem anderen Burgauer Geschäft an der Stadtstraße in den Hauptstandort integriert. Seit 2019 führt die nächste Generation – kein Otto – die Firma.

Daniela Böck, 52, leitet die Geschäfte. Mit Schwester Nina, 38, spricht sie fürs Unternehmen. Wie in so vielen Betrieben waren auch sie von Klein auf mit dabei. „Mir hat es immer Spaß gemacht, mitzuarbeiten“, erzählt Daniela Böck. Irgendwie sei das auch selbstverständlich gewesen. Zum Ende ihres Studiums fiel die Entscheidung, fest einzusteigen. Da hätten die Eltern gerade eine Firma in Ulm übernommen. Neben ihrer Schwester hat sie zwei weitere Geschwister, ein Bruder ist auch mit im Geschäft. Nina Böck studierte zunächst Lehramt, merkte aber schnell, dass sie etwas anderes wollte und „sattelte“ auf BWL um, ein Schwerpunkt: der Handel.

Nina Böck: "Die Kunden kennen mich seit meiner Kindheit"

Den Schwestern ist es nicht nur wichtig, die lange Tradition fortzuführen. Auch das Miteinander im familiären Team – ein Mitarbeiter wird von der Ausbildung bis zur Rente bei ihnen gewesen sein –, die Eigenständigkeit, Verantwortung und die über die Jahre gewachsene Beziehung zu den Kunden machen es für sie aus. „Sie kennen mich seit meiner Kindheit“, erzählt Nina Böck. Normalerweise wird auch ausgebildet, doch drei Jahre hintereinander habe man keine passenden Azubis mehr gefunden. Es seien also Plätze frei: je einer im Bereich Einzelhandelskaufmann beziehungsweise -frau und Büroinformationselektroniker.

Bei Bürotechnik Böck in Burgau ist auch die Postagentur in der Stadt angesiedelt.
Foto: Bernhard Weizenegger

Der Betrieb hat 20 Mitarbeiter an den Standorten Burgau und Jettingen, wo es noch das kleine Schreibwarengeschäft gibt. Die Firma in Ulm hatte man abgelöst und die Kunden übernommen. Der Schwerpunkt liegt auf den Geschäftskunden, wenngleich die Postagentur samt Schreibwaren für die Frequenz durch die Laufkundschaft sorgt. Der Wandel hin zum Internet-Geschäft sei nicht mehr aufzuhalten, sagt Daniela Böck, sie reagierten mit einer verstärkten Kundenbindung.

Das Ladengeschäft an der Burgauer Stadtstraße soll wieder genutzt werden

Wer bei ihnen beispielsweise einen Schulranzen kauft, bekommt etwa einen Rabatt bei Schulsachen. Im Bereich der Bürotechnik werde der Service gewissermaßen maßgeschneidert an den Kunden angepasst. Gerade hier gebe es Wachstumspotenzial, das man ausschöpfen wolle: Gewerbekunden und Behörden biete man einen eigenen Online-Shop, der auf ihre Bedürfnisse hin entwickelt werde, ebenso Archivlösungen für das digitale Büro.

Die Leerstände in Burgau nähmen zwar zu (wir berichteten), aber das sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass inhabergeführte Geschäfte keinen Nachfolger gefunden hätten und notgedrungen aufgeben mussten – was in den meisten Orten inzwischen nun einmal der Fall sei. Seit das Sortiment an der Käppelestraße gebündelt wurde, ist auch der eigene Laden an der Stadtstraße geschlossen, wo Lederwaren und die Papeterie angeboten worden waren. Doch das soll nicht so bleiben. Die oberen Etagen seien bereits zu Wohnraum umgebaut worden, der Verkaufsbereich soll künftig wieder als solcher genutzt werden. Ob selbst oder vermietet, das sei derzeit noch nicht entschieden.

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