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Landkreis Günzburg

29.05.2020

Corona: Reisebüros im Kreis Günzburg arbeiten ohne Bezahlung

Allein im Büro: Mario Urban, Inhaber des Reisebüros Horst Urban in Günzburg und Burgau, musste seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und Soforthilfe beantragen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Abgesagte Reisen sorgen besonders zu Beginn der Pfingstferien für Ärger. Viel härter trifft es aber die Reisebüros, die mit finanziellen Problemen kämpfen.

Schön ist es nicht, wenn ein lang geplanter Urlaub storniert werden muss – doch wer für die Pfingstferien eine Reise gebucht hat, hat diese in der Zwischenzeit wahrscheinlich bereits abgesagt. Viel mehr als die Reisenden leiden jedoch die Reisebüros im Landkreis unter der Situation. Grund dafür ist die seit Mitte März geltende, internationale Reisewarnung. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte angestrebt, diese am 15. Juni für europäische Staaten aufzuheben und durch Hinweise für einzelne Länder zu ersetzen. Denn aktuell gilt: Wer ins Ausland reist, kann sich nicht sicher sein, ob er wie geplant nach Deutschland zurückkommen kann. Die Entscheidung über die Reisewarnung hätte am vergangenen Mittwoch fallen sollen, ist dann aber auf den 3. Juni verschoben worden.

Reisebüros zahlen drauf

Das stellt die Reisebüros vor große finanzielle Schwierigkeiten. Mario Urban, Inhaber des Reisebüros Horst Urban in Günzburg und Burgau, erklärt das Problem: „Was viele nicht verstehen, ist, dass das Reisebüro nur der Vermittler zwischen dem Reiseveranstalter und dem Kunden ist. Unsere Provision bekommen wir erst, wenn der Kunde die Reise tatsächlich angetreten hat.“ Im Umkehrschluss muss das Reisebüro eine bereits erhaltene Provision zurückzahlen, wenn der Kunde oder der Veranstalter selbst die Reise storniert. Somit nehmen die Reisebüros seit zwei Monaten nicht nur nichts ein, sie zahlen sogar drauf. Das bringt sie nach der Stornierungswelle in den vergangenen Wochen in eine schwierige Lage.

Reisen im Wert von 400000 Euro weggefallen

Seit Mitte März sind bei ihm Reisebuchungen im Wert von rund 400000 Euro weggebrochen, schätzt Urban. Zwar bekommt er vom Staat Soforthilfe, „aber die ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Seine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und arbeiten nur halbtags. Den Rest macht er alleine. Neben Stornierungen melden sich im Moment vor allem Kunden, die sich informieren wollen, welche Reisen erlaubt und ratsam sind. Sagen kann Urban ihnen nicht viel. „Wir sind an die Vorgaben der Veranstalter gebunden, mehr als diese Rahmenbedingungen können wir nicht geben.“ So hat beispielsweise der Reiseveranstalter Tui bis Ende Juni alle Reisen nach Tunesien, Ägypten und Marokko und bis Ende Juli zu den Kapverdischen Inseln und allen Fernstreckenzielen abgesagt. Für andere Ziele wie Mallorca oder die Türkei steht weiterhin der 15. Juni als Stichtag.

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Veranstalter stornieren zu unterschiedlichen Konditionen

Ein weiteres Problem sind die Konditionen, unter denen Veranstalter Stornierungen genehmigen. Manche erstatten das Geld in Form eines Gutscheins. Da die Kunden noch die Wahl haben, ob sie auf Nummer sicher gehen und stornieren oder die Entwicklungen abwarten wollen, ist die Herausgabe eines Gutscheins rechtens. Sollte am kommenden Mittwoch entschieden werden, dass die Reisewarnung am 15. Juni aufgehoben wird, könnte sich aber auch das wieder ändern.

Urlaub ist auch in Deutschland problematisch

Doch bis dahin wird wohl noch einige Zeit vergehen. Denn im Moment wird nur sehr zögerlich gebucht, die Leute haben Bedenken. Diese Erfahrung macht auch Armin Pawellek. Er ist der Geschäftsführer des Reisebüros Voyage in Günzburg. „Solange der Urlaub im Ausland auf eigenes Risiko geht, bleiben eigentlich nur Ferien in Deutschland“, sagt er. Doch auch die seien problematisch, denn einzelne Landkreise könnten bei steigender Infektionszahl jederzeit wieder dichtgemacht werden. Zudem gebe es in Deutschland kaum die Möglichkeit für All-inclusive-Reisen, sondern höchstens Halb- oder Frühstückspensionen. „Und wo gehe ich dann mittags oder abends zum Essen hin? Ich müsste das ja schon mindestens einen Tag vorher wissen und in einem Restaurant reservieren, weil ich sonst keinen Tisch bekomme.“ Ein entspannter Urlaub sei unter diesen Bedingungen kaum möglich.

Situation muss sich für die Reisebüros so bald wie möglich ändern

Da von der Regierung noch keine eindeutige Aussage gekommen ist, können auch die Reisebüros und -veranstalter nicht mehr tun. „Man weiß ja gerade nicht, was man überhaupt verkaufen kann“, sagt Pawellek. Und solange das so ist, halten sich die Kunden zurück. Innerhalb Deutschlands ein Hotel zu finden, sei zwar möglich, „aber wenn ich über die Pfingstferien eigentlich Urlaub auf den Seychellen gebucht habe und jetzt höchstens an die Ostsee fahren kann, ist das natürlich auch keine Alternative“.

Für die Reisebüros heißt es weiterhin abwarten. Auch Mario Urban weiß das und kann die Bedenken der Kunden nachvollziehen. Doch auf der anderen Seite steht die finanzielle Sorge: Nach eigener Einschätzung kann sich sein Betrieb, wenn sich an der Situation nichts ändert, höchstens bis zum Ende des Jahres über Wasser halten. Dafür müsste es in den nächsten zwei bis drei Wochen wieder losgehen mit den Buchungen. Eine entmutigende Situation. „Schlimmer als jetzt geht es nicht mehr“, sagt er.


Nähere Infos zum Thema verreisen:


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