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Landkreis Günzburg

22.11.2020

Corona bremst den Nikolaus im Kreis Günzburg fast überall aus

Elvira Mader und Horst Mayer verwalten und kümmern sich um die Nikolauskostüme der Kolpingfamilie Ichenhausen, doch die Garnituren für den Heiligen Nikolaus und Knecht Rupprecht bleiben in diesem Jahr in den Schränken. Aufgrund der Corona-Krise gibt es am Nikolaustag keine Besuche bei Familien.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Wegen Corona haben sich die meisten Vereine dafür entschieden, keinen Nikolausdienst anzubieten. Nur eine Gruppe will darauf nicht verzichten. Wie sich der Besuch abspielen soll.

Roter Umhang, weißer Rauschebart, Bischofsmütze und Zepter bleiben heuer im Schrank. Mehr als 30 Jahre ist Ernst Dirr in die Rolle des Heiligen Nikolaus geschlüpft und am Vorabend des 6. Dezembers von einer Wohnungstür zum nächsten Wohnzimmer gezogen und hat Kinder überrascht. Kein einziges Mal in all den Jahrzehnten ließ sich der Vorsitzende des Ichenhauser Volkstrachtenvereins D’Waldbuam von diesen Besuchen abhalten – diesmal müssen er und seine Mitstreiter passen.

Wegen der Corona-Pandemie verzichtet der Verein ebenso wie andere Vereine im Landkreis Günzburg auf den Nikolausdienst. Lediglich die katholische Pfarrgemeinde in Thannhausen macht eine Ausnahme. Dass der Nikolausabend heuer erstmals ohne Nikolaus und seinen Knecht Rupprecht stattfindet, kann Ernst Dirr noch immer nicht richtig fassen. „Das tut in der Seele weh“, sagt er, der es gewohnt ist jahrein, jahraus den Nikolaus zu verkörpern. Nicht nur, auch alle Vereinsmitglieder seien „tief enttäuscht“ und hätten die Entscheidung schweren Herzens getroffen. Aber in Corona-Zeiten bleibe seinem Verein einfach nichts anderes übrig, als den Nikolausdienst zu streichen. „Die Infektionsgefahr und das Risiko sind uns einfach zu groß“, sagt Dirr.

Kein Nikolausbesuch mit Abstand im Freien in Ichenhausen

Denn der Nikolausabend sei meistens damit verbunden, dass sich mehrere Familien treffen, um die Kinder dann mit einem Nikolausbesuch zu überraschen. Dirr erinnert sich nur zu gut an vergangenes Jahr, als an drei Terminen jeweils acht Kinder vor ihm standen. „Genau das macht den Abend ja auch aus“, sagt Dirr. Ein Besuch mit Abstand im Freien? Und mit Mund-Nasen-Schutz? Für Dirr undenkbar. Ein Nikolaus mit Maske sei keine Option, und die Kinder draußen vor der Türe, bei Wind und Wetter im Dunkeln, zu empfangen, wäre in seinen Augen nur eine Notlösung.

Kein Künstler dürfe in diesen Zeiten auftreten, und in gewissem Maße sei er das als Nikolaus ja auch. Es werde ein trauriger Nikolausabend, fürchtet Dirr, denn normalerweise treffen sich die drei Nikolausteams, die jeweils zu dritt unterwegs sind, nach getaner Arbeit in einem Gasthof. Neben der Geselligkeit gehen den Waldbuam auch Einnahmen in Höhe von etwa 800 Euro durch die Lappen, die dem Verein zugute kämen. „Wir hoffen inständig auf nächstes Jahr“, sagt Dirr.

Nikolaus möchte kein "Virusweiterverbreiter" im Kreis Günzburg sein

Genauso sieht es Hermann Hoffmann von der Kolpingsfamilie Ichenhausen, die sich den Dienst mit dem Trachtenverein in der Stadt und den Ortsteilen teilt. Ob der Nikolaus heuer kommen soll oder nicht, habe man in größerer Runde intensiv diskutiert und mit der Entscheidung lange abgewartet. „Wenn aber die Politik vorgibt, Kontakte zu vermeiden, dann können wir uns nicht kontraproduktiv verhalten“, sagt Hoffmann. Da man nicht „Virusweiterverbreiter“ sein wolle, falle der Nikolausdienst – „so leid es uns tut“ – diesmal aus. Dies betreffe nicht nur die Hausbesuche bei den Kindern, sondern auch alle Besuche bei Weihnachtsfeiern. Aus Hygienegründen werden auch keine Nikolausgewänder verliehen. Er selbst werde das Schauspiel am Nikolausabend „schmerzlich vermissen“, habe er doch mindestens schon 35 Jahre lang den Nikolaus verkörpert.

Es sei eine Bereicherung für die Familien, aber auch für ihn selbst. „Man erlebt dabei tolle Dinge, es ist wunderschön, wenn die Kinder musizieren“, schwelgt Hoffmann in Erinnerungen. Er spielt jetzt mit dem Gedanken – vorausgesetzt die Mitglieder und auch der Trachtenverein sind einverstanden –, wenigstens im Mitteilungsblatt der Stadt einen Brief vom Nikolaus abzudrucken. Der Idee, den Besuch ins Freie zu verlegen oder gar in ein Treppenhaus, kann der Vereinsvorsitzende nichts abgewinnen. „Der feierliche Charakter sollte erhalten bleiben. Das Ganze mal geschwind im Vorbeigehen zu erledigen, das wollen wir nicht.“

Warum der Nikolaus dieses Jahr nicht in Burgau unterwegs ist

Das will auch die Kolpingsfamilie Burgau nicht und bietet deshalb ebenfalls keinen Nikolausdienst an. Am 5. und 6. Dezember wird es in Burgau und Umgebung keine Hausbesuche vom Heiligen Nikolaus und Knecht Ruprecht geben. Der Vorsitzende Dieter Joas betont, dies diene einerseits dem Schutz der Haushalte und andererseits dem der Helfer, die teilweise altersmäßig der Risikogruppe zuzurechnen sind. „In Anbetracht der gesamten Situation geht die Sicherheit klar vor der langen Tradition der beliebten Aktion“, sagt Joas.

Natürlich stehe die Sicherheit an oberster Stelle, aber die sieht die katholische Pfarrgemeinde Thannhausen im Moment noch gewährleistet, wenn der Nikolausbesuch mit Abstand, Maske und vor der Haustüre stattfindet. Deshalb will die Pfarrgemeinde bislang nicht auf den Nikolausdienst verzichten, erste Eltern haben sich laut Hansjörg Heim schon auf eine Liste setzen lassen. „Ganz ohne Nikolaus, wäre schade. Da würde eine wichtige Tradition wegbrechen.“ Im Gegensatz zu anderen Vereinen schicke die Pfarrgemeinde in Thannhausen ohnehin stets nur den Heiligen Nikolaus los, ohne Knecht und Anhang, was in Corona-Zeiten von Vorteil sei.

Nikolaus besucht Kinder in Thannhausen

Natürlich trage der Heilige eine Maske, „der Bart ist schon lästig genug, da wird es mit Mundschutz auch nicht viel schlimmer“, sagt Heim. Er werde jedoch nicht thematisieren, dass er der „Corona-Nikolaus“ sei. Der Besuch müsse natürlich ohne Kontakt sein, Kinder in den Arm oder auf den Schoß zu nehmen, käme nicht in Frage. Dass das Treffen im Freien stattfindet, findet Heim durchaus reizvoll, dies sei auch in vergangenen Jahren von Eltern öfters erwünscht gewesen. „Schneetreiben ist doch eine eindrucksvolle Szenerie“, malt es sich Heim aus. Aber auch ein Besuch in einem Wohnblock sei durchaus möglich, notfalls eben im Treppenhaus.

Heim betont jedoch, dass die Pfarrgemeinde den Nikolaus nur in Thannhausen losschicken könne, „mehr kriegen wir nicht hin“. Und wenn am Ende doch kein Besuch vor Ort möglich ist? Dann will Heim die Kinder nicht im Regen stehen lassen, sondern schickt möglicherweise allen, die ihre Adresse hinterlassen haben, einen Brief vom Nikolaus oder eine Geschichte. „Da werden wir unsere Phantasie noch mal quälen. Da wird uns schon was einfallen“, verspricht Heim.

Interessierte Eltern aus Thannhausen können sich bei Hansjörg Heim, Telefon 08281/4970, melden. Die Anmeldungen sollten möglichst bis zum 28. November erfolgen.

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