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Günzburg

17.05.2018

Die Kirche sucht ihren Platz im Netz

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2 Bilder
Referent Christoph Breit filmt die Pfarrer des Dekanats Neu-Ulm. Sie grüßen mit einer Videobotschaft den neuen Dekan Pommer, der erkrankt war.
Bild: Philipp Wehrmann

Die Pfarrer des Dekanats Neu-Ulm sollen mehr soziale Medien nutzen, regt ein Vertreter der Landeskirchean. Welche Chancen und Risiken sie sehen.

Dicke Wälzer liegen im Saal des Gemeindehauses bei der Auferstehungskirche Günzburg. „Gottesdienst feiern – loben und preisen“ steht auf ihnen. Ein Relikt aus der analogen Zeit? Eigentlich sollte der neue Dekan Jürgen Pommer an diesem Tag zum ersten Mal an einer Pfarrkonferenz des evangelischen Dekanats Neu-Ulm teilnehmen, doch er kann wegen einer leichten Erkrankung nicht kommen.Friedrich Martin, stellvertretender Dekan und Günzburger Pfarrer, begrüßt die etwa 20 anderen Amtsbrüder und -schwestern. „Ich weiß, dass viele von euch denken: noch so ein dickes Buch.“ Eine Pfarrerin klagt, kaum werde ein neues Lobpreisbuch gedruckt, seien die lieder schon wieder out. Der Gast der Pfarrkonferenz, Pfarrer Christoph Breit, ist bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für soziale Medien zuständig. „Ich verstehe nicht, wieso das gedruckt und nicht digital erschienen ist“, sagt er.

Die Geistlichen möchten sich einem recht weltlichen Thema zuwenden, den sozialen Medien. „Es gibt kein analoges Leben im Digitalen. Ist man Teil der Welt, ist man Teil des Internets.“ Dieses Zitat steht recht früh in der Präsentation des Social-Media-Experten. Einen Zwang, soziale Netzwerke zu nutzen, gebe es für Pfarrer nicht, betont er. Dann folgt ein langes Aber: Zusammengefasst bestand es daraus, dass die Kirche heute wie jede andere Institution darauf angewiesen ist, Menschen im Internet zu erreichen, weil sie dort viel Zeit verbringen.

Waren die Seiten früher statisch, verändern sie sich heute durch die Interaktion mit Nutzern, legt Breit dar. Eigentlich optimal für die evangelische Kirche, sagt er. Das Statische sei eher für die katholische Kirche: „Wir schreiben, ihr glaubt.“ Eine gepflegte Internetseite der Gemeinde sei die Grundlage. Breit empfiehlt außerdem, alle Termine auf www.evangelische-termine.de einzutragen, dem Veranstaltungskalender der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Je nach Zielgruppe und Inhalt könnte man die Homepage mit Auftritten in sozialen Netzwerken ergänzen: Links zu der Gemeindeseite auf Facebook, Bilder auf Instagram oder sogar die Sonntagspredigt auf Soundcloud.

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Manche Vorschläge kommen gut an, bei anderen besteht Skepsis

Einige Pfarrer klagen darüber, dass sie mit ihren Konfirmanden über Whatsapp kommunizieren. Das ist jedoch seit Kurzem erst ab 16 Jahren erlaubt. Breit und der Landeskirche ist das Problem bekannt, eine Lösung hat er nicht. Dekanatsjugendpfarrer Frank Bienk von der Bächinger Gemeinde äußert seine Skepsis gegenüber den sozialen Medien: Man dürfe nicht riskieren, den Kirchenbesuch durch eine Onlinepredigt zu ersetzen. Dabei sei er grundsätzlich sehr technikoffen.

Alexander Bauer, zweiter Günzburger Pfarrer, wünscht sich etwas mehr kritische Distanz gegenüber Social Media. „Es darf niemand stigmatisiert werden, wenn er das nicht benutzen möchte.“ Er verweist auf die Wechselhaftigkeit im Internet. Ständig sei ein neues Netzwerk aktuell, Menschen müssten sich ständig ändern. „Aus der Seelsorge weiß ich, dass das nicht gesund ist.“ Einzelne Vorschläge finde er aber sehr gut. Er möchte eine Spotify-Playlist mit Liedern anlegen, die bei Feierlichkeiten bei seinen Gottesdiensten gespielt werden können. Daraus können zum Beispiel Brautpaare ihre Musik auswählen.

Pfarrer Jochen Teuffel aus Vöhringen gilt unter Kollegen als Vorreiter im Digitalen. Vor der Ortschaft seiner Gemeinde hat er ein QR-Code-Plakat aufgestellt, das Menschen mit dem Handy scannen können, um zur Gemeindeseite zu gelangen. Ihm gefällt die Idee, Aufzeichnungen seiner Predigten online zu stellen. Er spricht davon, dass die Kirchen online konkurrieren müssten. Auf die Frage, ob die Kirchen denn Konkurrenz hätten, antworten er und Bauer mit einem klaren Ja. „Mit allem Sinnstiftenden“, sagt Bauer. Aber auch Teuffel stellt klar, dass Onlinemedien den persönlichen Kontakt nicht ersetzen können.

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