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Leipheim

22.05.2015

Die neue Hauptstadt der Kindersitze

Die Firma Britax zieht auf das Areal Pro, das Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Fliegerhorst. Bald soll Baubeginn sein.
Bild: Phase 5 Düsseldorf

Das Ulmer Traditionsunternehmen Britax verlagert seinen Hauptsitz auf das ehemalige Fliegerhorstgelände. Darüber ist ein Stadtoberhaupt sehr erfreut, ein anderes überhaupt nicht

Bürgermeister Christian Konrad war gestern spürbar guter Laune, denn er konnte etwas ausgesprochen Positives für seine Stadt verkünden: Das Unternehmen Britax zieht auf das ehemalige Fliegerhorstgelände bei Leipheim. „Das ist sehr gut für uns“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Die Ansiedlung bringt nicht nur qualifizierte Arbeitsplätze, sondern auch ordentlich Gewerbesteuer ein. Das Unternehmen verspricht, auf dem Areal-Pro-Gelände einen Betrag „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“ zu investieren. Immerhin entsteht dort die neue Europa-Zentrale mit Büros, Produktion und Warenlager. 380 Beschäftige werden vom bisherigen Standort Ulm nach Leipheim umziehen.

Dort hatte das Unternehmen lange nach Erweiterungsmöglichkeiten gesucht, doch die Grundstückskapazitäten im Industriegebiet Donautal sind erschöpft. Deshalb klopfte Britax schon vor Jahren in Leipheim an, wie Bürgermeister Konrad bestätigte. Doch sein Ulmer Kollege Ivo Gönner legte sich offenbar noch mal ins Zeug – vergeblich. Deshalb nahm der renommierte Hersteller von Autokindersitzen, Kinderwagen und Babytragen erneut die Verhandlungen mit Leip-heim auf. Paul Gustavsson, seit Ende März Chef der Britax Group Limited, traf seine erste weit reichende Entscheidung: Die Firma zieht nach Leipheim um. Dort belegt sie zunächst 56000 Quadratmeter mit der Option auf zusätzliche Flächen.

Am neuen Standort bekommt Britax, was offenbar benötigt wird, um effektiver arbeiten zu können. Bisher seien die Produktionsinseln über drei verschiedene Stockwerke verteilt. In den neuen Räumen, die vom Investor Dietz AG errichten und an Britax vermietet werden, könne künftig auf ebenerdigen Fläche produziert werden. Die hausinterne Crash-Anlage, in der die Kindersitze getestet werden, findet in Leipheim ebenso Platz wie das komplette Warenlager.

Was Christian Konrad, der auch stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands Interkommunales Gewerbegebiet Landkreis Günzburg ist, besonders freut: Auf dem einstigen Fliegerhorstgelände siedelt sich erstmals eine große Produktionsfirma an, die qualifizierte Arbeitsplätze mitbringt. Zuvor hatte es bereits Gespräche mit BMW und dem Online-Warenversender Zalando gegeben, die bei Leipheim jeweils einen Logistikstandort aufbauen wollten. Doch beide Mal kam es zu keinem Abschluss. Die Enttäuschung darüber hält sich aber im Raum Günzburg/Leipheim dem Vernehmen nach in Grenzen, denn beide Ansiedelungen hätten viel Lagerfläche verbraucht, aber nur wenige qualifizierte Jobs gebracht.

Stellenkürzungen sind bei Britax im Rahmen des Umzugs nicht geplant. Die hat die Firma gerade hinter sich gebracht: Zuletzt machte das Unternehmen mit 1000 Beschäftigten weltweit Schlagzeilen mit Stellenabbau: In Ulm wurde eine von zwei Schichten gestrichen, 34 Kündigungen wurden ausgesprochen und stattdessen fast 100 Leiharbeiter und geringfügig Beschäftigte eingestellt. Insbesondere durch Mitbewerber, die in Asien billiger produzieren lassen, geriet Britax unter Druck. Doch die Produktion der Auto-Kindersitze wird mit dem Umzug auch weiterhin in Deutschland bleiben. „Made in Germany“ sei dem Traditionsunternehmen als Qualitätsmerkmal sehr wichtig, beteuert das Unternehmen.

Das versucht nach eigenen Angaben, den Standortwechsel für die Mitarbeiter so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Im Herbst 2015 wird das Warenlager umziehen, ein Jahr später folgen der Produktionsbereich und die Büros. Der Baubeginn ist bereits für Anfang Juli dieses Jahres geplant.

Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner ist nicht sehr erfreut über der Rückzug von Britax. Auf Anfrage ließ er wissen: „Wir haben alles getan, die Firma hier zu halten. Der Stadtentwicklungsverband hat in den vergangenen Jahren mehrere Standorte in Ulm und in Neu-Ulm angeboten, von denen aber leider keiner den Vorstellungen von Britax Römer entsprach. Obwohl wir den Weggang aus Ulm sehr bedauern, begrüßen wir es natürlich, dass die Firma in der Region bleibt.“

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