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Landtagswahl

12.10.2018

Ein voller Saal, ein nicht ganz volles Podium

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Bei der Veranstaltung der Wirtschaftsvereinigung sind zwei Kandidaten nicht dabei. Welche Themen besprochen wurden

Die Wirtschaftsvereinigung Günzburg hatte zur Podiumsdiskussion geladen und der für 160 Personen bestuhlte Panoramasaal der VR-Bank Donau-Mindel war nahezu voll. Nach Begrüßung durch den Vorstand der VR-Bank, Alexander Jall, und der Vorsitzenden der Wirtschaftsvereinigung Eva Flemisch übernahm Peter Schleifer die Moderation und stellte das Podium vor. Für die CSU war Hans Reichart erschienen, für die Grünen Maximilian Deisenhofer. Die FDP wurde durch Herbert Blaschke und die Freien Wähler durch Ruth Abmayr vertreten. Gerd Mannes stellte sich als Kandidat der AfD der wirtschaftlich geprägten Diskussion. Die SPD in Person von Tobias Auinger hatte sich gemäß Parteibeschluss (wir berichteten) abgemeldet und Stefan Balkheimer von den Linken schien kurzfristig verhindert zu sein.

Diesel, Wirtschaft, Verkehr, Wohnraum, Bildung und Familie, Digitalisierung und Innere Sicherheit wurden an diesem Abend näher beleuchtet. Zu vielen Themen herrschte überraschende Eintracht auf dem Podium. So stimmten zwar alle Kandidaten auch in der Einschätzung überein, dass Diesel aktuell alternativlos ist, schon allein im Schwerlastverkehr. Jedoch bei der Nachrüstung gingen die Meinungen auseinander. Wo die Vertreter der Grünen, der Freien Wähler und der FDP die Automobilindustrie komplett in der Pflicht sehen, stellte Hans Reichhart als studierter Jurist, zunächst die Sachlage richtig. Er erläuterte, dass hier zwei Themen vermischt würden und es keine Rechtsgrundlage gebe, auf deren Basis eine Nachrüstung durchgesetzt werden könne. Gerd Mannes vertrat in diesem Punkt eindeutig die Ansichten der AfD, die Messverfahren und Feinstaubvorgaben seien fehlerhaft und der Diesel eine tolle und zukunftsträchtige Erfindung.

Der B16 Ausbau war ein weiterer wichtiger Punkt der Diskussion, Herbert Blaschke vertrat den Standpunkt seines Berufstandes. Für die Landwirte kommt kein vierspuriger Ausbau zu ihren Lasten infrage. Im Weiteren traf er die Aussage, dass der Wirtschaft wohl fünf Minuten Verzögerung zuzumuten seien. Hans Reichart sah an dieser Stelle die Probleme der gesamten B16 im Landkreis von Krumbach bis Donauried und vertrat eine bestmögliche Ertüchtigung unter Berücksichtigung der Landwirtschaft. Maximilian Deisenhofer will das Verkehrsproblem der B16 durch ausgebauten öffentlichen Verkehr lösen und Ruth Abmayr führte an, dass der Ausbau durch den zukünftigen Einsatz von Drohnen und autonomem Fahren unnötig werden wird.

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Zum Themenbereich Bildung und Familie wurden die freien Kita-Plätze, Kindergeld und diesbezügliche Wahlfreiheit diskutiert. Ruth Abmayr vertrat die Ansicht, dass gerade die Kosten in den Ballungsgebieten in keinem Verhältnis ständen und daher die Kitaplätze gemäß der Forderung der Freien Wähler kostenfrei zur Verfügung gestellt werden müssten. Hans Reichart erwiderte darauf, dass dies ein Problem der jeweiligen Kommunen darstelle, die für das Angebot selbstverantwortlich seien und auch weiterhin sein sollten. „Es wäre daher aber unfair, wenn wir im ländlichen Gebiet indirekt hierfür gerade stehen müssten.“

Zum Thema Digitalisierung und Bildung erklärte Gerd Mannes als Ingenieur und Vater, dass er es befremdlich finde, dass zur Einschulung seines Sohnes keine IT für die Kinder zur Verfügung stand. Sowohl die Publikumsmeldungen als auch das restliche Podium waren sich jedoch einig, dass in den Grundschulen vor der Technik das erlernen der Grundrechenarten und Rechtschreibung im Vordergrund stehen muss. Alle waren sich einig, dass die Medienbildung aber in den Schulen ein wichtiger im Lehrbestandteil werden sollte.

Die Forderung der FDP, Schulen mit 110 Prozent an Lehrern auszustatten wurde zwar grundsätzlich begrüßt, aber als utopisch angesehen. Maximilian Deisenhofer konnte hier aus seiner eigenen Erfahrung als Berufschullehrer berichten und mahnte an dieser Stelle eine Änderung des Systems an. Da die Vorhersagen der Kultusministerien doch oft sehr unzuverlässig seien, würde er zu einer späteren Schul- und Fachspezialisierung der Lehrer, nach dem Grundstudium raten. So könne man sich besser auf den aktuellen Bedarf ausrichten.

Nach zwei Stunden beendete Peter Schleifer die Diskussion mit einigen Highlights aus dem Wahlkampf. Mannes sah die AfD nicht unbedingt als Strafe Gottes für die CSU und Blaschke konnte keine direkte Antwort auf die Forderung der FDP nach Abschaffung der Sargpflicht geben. Das Projekt „Bavaria One“ sah Maximilian Deisenhofer als Zeichen für die verlorene Bodenhaftung des Ministerpräsidenten Söder. Hans Reichart erklärte hingegen abschließend, dass er die Aufregung nicht verstehe, das Logo verwende die Junge Union seit mehreren Monaten für den Wahlkampf und die Kompetenz bayrischer Firmen im Punkt Raumfahrt sei unbestritten. Moderator Peter Schleifer bedauerte, dass die Themen Pflege und Migration aufgrund der vorgerückten Stunde nicht mehr zur Sprache kommen konnten. (zg)

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